Ukrainische Soldaten verlassen Ausbildung in Deutschland

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Während der Ausbildung ukrainischer Soldaten in Deutschland haben sich seit Beginn der europäischen Trainingsmission mehrere Teilnehmer von ihren Einheiten entfernt. Für Sachsen-Anhalt ist inzwischen eine konkrete Größenordnung bekannt. Dem dortigen Innenministerium sind nach Angaben, die am Donnerstag veröffentlicht wurden, rund 80 entsprechende Fälle seit 2022 bekannt. Eine amtliche bundesweite Gesamtzahl wurde dagegen zunächst nicht genannt.

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Eine aktuelle Recherche der Wochenzeitung Die Zeit kommt zu dem Ergebnis, dass sich deutschlandweit mehrere Hundert ukrainische Militärangehörige während ihrer Ausbildung abgesetzt haben sollen. Für diese bundesweite Größenordnung lag am Donnerstag, 20. August 2026, jedoch keine unabhängige amtliche Bestätigung vor. Die Zahl von rund 80 Fällen in Sachsen-Anhalt und die deutlich höhere bundesweite Rechercheangabe müssen deshalb getrennt betrachtet werden.

Rund 80 Fälle in Sachsen-Anhalt bekannt

Ein Schwerpunkt der Ausbildung ukrainischer Soldaten liegt seit Beginn der Mission auf Bundeswehrstandorten in Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Dazu gehören unter anderem die Truppenübungsplätze Altengrabow und Klietz. Nach den aktuell veröffentlichten Angaben sind dem Innenministerium Sachsen-Anhalt rund 80 Fälle bekannt, in denen sich ukrainische Militärangehörige während ihres Aufenthalts abgesetzt haben.

Wie sich diese Zahl auf einzelne Standorte und Ausbildungszeiträume verteilt, wurde zunächst nicht detailliert aufgeschlüsselt. Eine bundesweite Statistik vergleichbarer Vorgänge veröffentlichte die Bundesregierung bis Donnerstag ebenfalls nicht. Angaben, wonach es in ganz Deutschland mehrere Hundert Fälle gegeben haben soll, stammen aus der aktuellen Recherche und sind nicht mit einer amtlichen bundesweiten Fallzahl gleichzusetzen.

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Zu den persönlichen Motiven einzelner Soldaten lassen sich keine allgemeinen Aussagen treffen. Die genauen Hintergründe unterscheiden sich von Fall zu Fall. Auch eine pauschale strafrechtliche Bewertung nach deutschem Recht wäre nicht gerechtfertigt. Die Betroffenen sind Angehörige der ukrainischen Streitkräfte. Fragen ihres militärischen Status und möglicher Verstöße gegen ukrainische Dienstpflichten richten sich deshalb zunächst nach den dafür maßgeblichen ukrainischen Regelungen.

Mehr als 25.000 Ukrainer in Deutschland ausgebildet

Die Ausbildung ukrainischer Soldaten in Deutschland gehört zur European Union Military Assistance Mission in support of Ukraine, kurz EUMAM UA. Die EU beschloss die Mission im Oktober 2022. Sie soll die ukrainischen Streitkräfte dabei unterstützen, ihre militärischen Fähigkeiten für die Verteidigung gegen den russischen Angriff auszubauen.

Nach Angaben der Bundeswehr waren bis Anfang 2026 europaweit rund 87.000 ukrainische Soldatinnen und Soldaten im Rahmen der Mission ausgebildet worden. Gut 25.000 davon durchliefen bis Februar 2026 Ausbildungen in Deutschland. Im März nannte die Bundeswehr knapp 50 Ausbildungsstandorte und mehr als 100 Trainingsmaßnahmen. Eine in der aktuellen Recherche genannte Größenordnung von rund 29.000 in Deutschland ausgebildeten Personen liegt über dem zuletzt öffentlich dokumentierten amtlichen Stand und ist deshalb nicht als gleichwertige offizielle Zahl zu behandeln.

Die Ausbildungsinhalte richten sich nach dem Bedarf der ukrainischen Streitkräfte. Das Programm reicht von militärischer Führung und Infanterieausbildung über Sanitätsdienst, Logistik und Minenabwehr bis zum Training an gelieferten Waffensystemen. Auch Wartung und Instandhaltung gehören zu den Kursen. Viele Ausbildungsabschnitte sind bewusst kompakt organisiert, weil die ukrainischen Kräfte nur begrenzte Zeit für das Training außerhalb ihres Landes zur Verfügung haben.

Special Training Command koordiniert Ausbildung

Die deutsche Seite der Mission wird vom multinationalen Special Training Command mit Sitz in Strausberg bei Berlin koordiniert. Dort werden Ausbildungsbedarf, Teilnehmerzahlen, verfügbare Ausbilder und geeignete Standorte zusammengeführt. Die konkreten Kurse übernehmen Bundeswehrangehörige und Streitkräfte weiterer beteiligter Staaten. Hinzu kommen Sprachmittler und zivile Fachkräfte bei bestimmten technischen Schulungen.

Vor der Einreise werden nach Angaben der Bundeswehr die gemeldeten Teilnehmer und ihre Dokumente überprüft. Die organisatorische Unterstützung umfasst anschließend unter anderem Transport, Unterkunft, Versorgung und medizinische Leistungen. Die EU finanziert bestimmte gemeinsame Kosten über die Europäische Friedensfazilität.

EU-Mission hat keine Exekutivaufgaben

Die Zuständigkeiten sind zwischen mehreren Ebenen verteilt. Auf EU-Ebene übernimmt der Militärische Planungs- und Durchführungsstab die strategische Führung und Koordinierung von EUMAM UA. Deutschland organisiert als Gastgeber einen erheblichen Teil der praktischen Ausbildung und der notwendigen Logistik.

Die Mission selbst besitzt ausdrücklich kein Exekutivmandat. Sie ist für Ausbildung und Koordinierung eingerichtet und keine Polizeibehörde. Der rechtliche Status ukrainischer Militärangehöriger während der Ausbildung wird nach dem EU-Beschluss durch Vereinbarungen zwischen dem jeweiligen Aufnahmestaat und den zuständigen ukrainischen Behörden geregelt.

Damit bedeutet die Ausbildung durch die Bundeswehr nicht, dass ukrainische Soldaten zu deutschen Soldaten werden oder der deutschen militärischen Disziplinarordnung vollständig unterliegen. Sie bleiben Angehörige der ukrainischen Streitkräfte. Welche dienstrechtlichen Konsequenzen die ukrainische Seite aus einem unerlaubten Entfernen zieht, fällt grundsätzlich in deren Zuständigkeitsbereich. Zu konkreten Verfahren gegen einzelne Betroffene lagen zunächst keine gesicherten Angaben vor.

Bundesweite Dimension bleibt offen

Die bestätigte Größenordnung aus Sachsen-Anhalt zeigt, dass das Absetzen ukrainischer Teilnehmer kein isolierter Einzelfall ist. Wie häufig solche Vorgänge seit Beginn der Ausbildung tatsächlich deutschlandweit vorkamen, bleibt ohne eine zentrale amtliche Statistik jedoch offen.

Gemessen an den mehr als 25.000 bis Anfang 2026 offiziell in Deutschland ausgebildeten ukrainischen Militärangehörigen betrifft die bestätigte Zahl aus Sachsen-Anhalt nur einen kleinen Teil der gesamten Ausbildungsmission. Eine belastbare bundesweite Quote lässt sich daraus nicht berechnen. Dafür müsste bekannt sein, wie viele Fälle deutschlandweit tatsächlich erfasst wurden und auf welche Gesamtzahl von Ausbildungsteilnehmern sie sich beziehen.

EUMAM UA läuft nach einer Verlängerung durch die EU bis zum 15. November 2026. Die Ausbildungsziele werden fortlaufend an den von der Ukraine gemeldeten militärischen Bedarf angepasst. Die Vorgänge in Deutschland ändern am Auftrag der Mission zunächst nichts.

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