
Heftige Gewitter, Starkregen und schwere Sturmböen haben am Mittwochabend und in der Nacht zum Donnerstag in mehreren Teilen Deutschlands Feuerwehren, Polizei und Rettungsdienste beschäftigt. Besonders betroffen waren Regionen in Rheinland-Pfalz, Hessen und Brandenburg. In Rheinland-Pfalz kam eine Frau ums Leben. Zahlreiche Bäume stürzten um, Dächer und Fassaden wurden beschädigt, Straßen zeitweise blockiert und Gebäude unbewohnbar. In Brandenburg bestätigte der Deutsche Wetterdienst einen Tornado. Für schwere Schäden im hessischen Solms war am Donnerstagmorgen dagegen zunächst von einer möglichen Windhose die Rede.
Die Unwetternacht in Deutschland hinterließ damit regional sehr unterschiedliche Schäden. Eine bundesweite Gesamtsumme aller Einsätze lag am Donnerstagmorgen zunächst nicht vor. Auch die Schadenshöhe ließ sich vielerorts noch nicht beziffern.
Der schwerste bekannte Personenschaden wurde aus Waldorf im rheinland-pfälzischen Kreis Ahrweiler gemeldet. Nach Angaben der Polizei stürzte während des Unwetters ein entwurzelter Baum auf eine überdachte Sitzgruppe. Zwei Frauen befanden sich dort. Eine 58-Jährige wurde tödlich verletzt und starb noch am Ort des Geschehens. Eine 47-Jährige erlitt schwere Verletzungen und wurde in ein Krankenhaus gebracht.
Im Norden von Rheinland-Pfalz registrierten Polizei und Feuerwehren zugleich zahlreiche weitere Unwetterschäden. Umgestürzte Bäume blockierten Straßen, Dächer wurden beschädigt und Teile von Gebäudefassaden lösten sich.
Besonders betroffen war auch der Westerwaldkreis. In Bannberscheid wurden nach Polizeiangaben Teile der Fassade der Aubachhalle abgerissen. Zudem kam es in der Region zu Stromausfällen. Auch aus dem Raum Höhr-Grenzhausen wurden erhebliche Schäden an Gebäuden und durch umgestürzte Bäume gemeldet. Das vollständige Ausmaß war am frühen Donnerstag noch nicht erfasst.
Eine abschließende Zahl sämtlicher Feuerwehr- und Hilfeleistungseinsätze im Westerwaldkreis lag zunächst nicht vor. Deshalb lassen sich einzelne in sozialen Netzwerken verbreitete Angaben über dreistellige Einsatzzahlen derzeit nicht belastbar zu einer offiziellen Gesamtbilanz zusammenfassen.
Auch Mittelhessen wurde von heftigen Gewittern getroffen. Im Lahn-Dill-Kreis waren insbesondere Wetzlar und Solms betroffen. Nach Angaben aus dem Einsatzgeschehen wurden in Wetzlar rund 60 Häuser beschädigt. Die Schäden reichten von fehlenden Dachziegeln bis zu weitgehend abgedeckten Dächern. Mehrere Gebäude waren anschließend nicht mehr ohne Weiteres bewohnbar.
Auch in Solms entstanden schwere Schäden. Dort wurden Dachkonstruktionen beschädigt und teilweise angehoben. Polizei und Einsatzkräfte gingen zunächst davon aus, dass eine Windhose für einen Teil der Schäden verantwortlich gewesen sein könnte. Ob es sich meteorologisch tatsächlich um einen Tornado handelte und wie stark ein solcher Wirbel gewesen wäre, war am Donnerstagmorgen noch nicht abschließend bestätigt.
Im Landkreis Gießen sorgte ein umstürzender Baum in Laubach für einen weiteren größeren Einsatz. Der Baum beschädigte einen Gastank, aus dem Gas austrat. Einsatzkräfte sperrten den Gefahrenbereich großräumig ab und brachten Anwohner vorsorglich aus ihren Häusern. Für die Bevölkerung wurde eine Warnmeldung verbreitet.
Auf der Autobahn 485 kam es zudem zu einem wetterbedingten Unfall. Nach den vorliegenden Behördenangaben wurden vier Menschen leicht verletzt.
Eine deutlichere meteorologische Einordnung gibt es für Fürstenwalde im brandenburgischen Landkreis Oder-Spree. Dort bestätigte der Deutsche Wetterdienst nach Auswertung von Videoaufnahmen einen Tornado am späten Mittwochnachmittag. Das Ereignis wurde gegen 17.15 Uhr beobachtet.
Der DWD ging zunächst von einer Intensität der Stufe IF1 auf der Internationalen Fujita-Skala aus. Die endgültige Einstufung war am Donnerstagmorgen noch nicht abgeschlossen. IF1 entspricht einem Tornado, der erhebliche Schäden an Bäumen und leichteren Gebäudeteilen verursachen kann.
In Fürstenwalde wurden Bäume entwurzelt oder umgestürzt. Mehrere Fahrzeuge wurden dadurch beschädigt, außerdem wurde mindestens ein Dach abgedeckt. Nach Angaben des polizeilichen Lagezentrums lagen zunächst keine bestätigten Meldungen über Verletzte vor.
Damit unterscheidet sich die Lage in Brandenburg von der in Hessen. Während der DWD den Tornado in Fürstenwalde ausdrücklich bestätigte, war die genaue meteorologische Ursache der schweren Schäden in Solms zunächst noch Gegenstand weiterer Prüfung.
Die Einsätze konzentrierten sich in den betroffenen Regionen vor allem auf umgestürzte Bäume, beschädigte Dächer, lose Gebäudeteile, Stromausfälle und blockierte Verkehrswege. Bei solchen Lagen müssen Feuerwehren Gefahrenstellen häufig zunächst absichern, bevor Bäume entfernt oder beschädigte Gebäudeteile gesichert werden können.
Eine bundesweite Einsatzstatistik für die Unwetter vom Mittwochabend und der Nacht zum Donnerstag gab es am Morgen noch nicht. Die verfügbaren Angaben stammen überwiegend aus einzelnen Leitstellen, Polizeidirektionen und örtlichen Feuerwehren und lassen sich deshalb nicht zu einer verlässlichen Gesamtzahl addieren.
Auch bei den Sachschäden war eine abschließende Bilanz noch nicht möglich. Klar war zunächst, dass neben privaten Wohnhäusern auch öffentliche Gebäude, Fahrzeuge, Stromleitungen und Straßen betroffen waren. Zahlreiche Einsatzstellen mussten bis in die Nacht und teilweise noch am Donnerstagmorgen abgearbeitet werden.
Tornados können grundsätzlich überall in Deutschland auftreten. Nach Untersuchungen des Deutschen Wetterdienstes werden sie besonders häufig zwischen Mai und September beobachtet. Eine Häufung der Gesamtzahl gibt es im August, wobei in dieser Statistik auch Wasserhosen enthalten sind.
Nicht jeder lokal außergewöhnlich starke Sturmschaden ist allerdings automatisch auf einen Tornado zurückzuführen. Gewitter können auch durch sogenannte Fallböen sehr hohe Windgeschwindigkeiten erzeugen. Für eine nachträgliche Einordnung werden deshalb unter anderem Videos, Radaraufzeichnungen und das räumliche Muster der Schäden ausgewertet.
Für die Ereignisse vom 19. August stand am Donnerstagmorgen fest, dass Fürstenwalde von einem Tornado getroffen wurde. Für andere Schadensgebiete wie Solms waren entsprechende Untersuchungen zunächst noch nicht abgeschlossen.
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