Neue US-Zölle gelten: Kanada bereitet Gegenangriff im Handel vor

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der Zollstreit zwischen USA und Kanada hat sich deutlich verschärft. Seit Samstag, 22. August 2026, erheben die Vereinigten Staaten zusätzliche Zölle von 50 Prozent auf ausgewählte Waren aus Kanada. Die Regierung in Ottawa will darauf mit Gegenmaßnahmen reagieren. Premierminister Mark Carney kündigte an, die neuen Belastungen der USA wertmäßig auszugleichen. Die kanadischen Gegenzölle sollen am 8. September in Kraft treten.

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Die jüngste Eskalation folgt auf intensive Verhandlungen zwischen beiden Nachbarstaaten. Noch wenige Tage vor Inkrafttreten der US-Maßnahmen hatte Washington den ursprünglich für den 19. August vorgesehenen Start um drei Tage verschoben. Die US-Regierung begründete dies mit dem damaligen Stand der Gespräche. Eine Einigung kam jedoch nicht zustande. Carney erklärte am Samstag, er habe die kanadischen Unterhändler nach Ottawa zurückbeordert und die Handelsgespräche ausgesetzt.

Washington verhängt zusätzliche Zölle von 50 Prozent

Die neuen US-Zölle beruhen auf mehreren Anordnungen von Präsident Donald Trump. Sie betreffen ausgewählte kanadische Produkte und werden zusätzlich zu bereits bestehenden Abgaben erhoben. Die US-Regierung stützt das Vorgehen auf Section 338 des amerikanischen Tariff Act von 1930. Diese Vorschrift erlaubt zusätzliche Zölle, wenn die Regierung eine Benachteiligung des US-Handels durch einen anderen Staat feststellt.

Washington wirft Kanada unter anderem eine Benachteiligung amerikanischer Anbieter bei alkoholischen Getränken, Milchprodukten sowie Fahrzeugen und Autoteilen vor. Bei Milchprodukten kritisiert die US-Regierung insbesondere die kanadischen Regeln für Importquoten. Beim Fahrzeughandel richtet sich die Kritik gegen kanadische Zölle und Quoten, die nach Darstellung Washingtons amerikanische Hersteller gegenüber Konkurrenten aus anderen Staaten benachteiligen. Kanada weist die amerikanische Darstellung seiner Handelspolitik zurück.

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Nach Angaben der kanadischen Regierung erfassen die neuen US-Maßnahmen Waren im Wert von rund 28 Milliarden kanadischen Dollar. Zu den betroffenen Produktgruppen gehören nach Angaben Carneys unter anderem Sportartikel wie Hockeyausrüstung, Kleidung, Zement und Bier. Internationale Nachrichtenagenturen beziffern das Volumen umgerechnet auf rund 20 Milliarden US-Dollar.

Kanada kündigt Vergeltungszölle ab 8. September an

Kanada will die amerikanischen Maßnahmen nach Aussage Carneys wertmäßig vollständig beantworten. Die zusätzlichen kanadischen Zölle sollen auf Waren aus Branchen wie Stahl, Milchprodukte, Haushaltsgeräte, landwirtschaftliche Maschinen, Zellstoff und Papier sowie Elektronik konzentriert werden. Auch Produkte aus Bereichen, die bereits von anderen US-Zollmaßnahmen betroffen sind, sollen einbezogen werden.

Eine vollständige Liste der Waren und der jeweiligen Zollsätze lag am Sonntag zunächst noch nicht vor. Die Regierung in Ottawa kündigte an, Einzelheiten in den kommenden Tagen zu veröffentlichen. Deshalb ist noch nicht gesichert, ob auf sämtliche betroffenen US-Produkte derselbe Satz von 50 Prozent erhoben wird. Bestätigt ist bislang lediglich, dass Kanada die zusätzliche Belastung nach Angaben Carneys Dollar für Dollar ausgleichen will.

Die neuen Gegenmaßnahmen sollen am Dienstag nach dem kanadischen Labour Day gelten. Das ist der 8. September 2026. Bereits bestehende kanadische Gegenmaßnahmen auf US-Produkte sind davon zu unterscheiden. Kanada hatte einen großen Teil früherer Vergeltungszölle 2025 wieder aufgehoben, Zölle unter anderem auf Stahl, Aluminium und Fahrzeuge jedoch beibehalten.

Handelsgespräche vorerst ausgesetzt

Carney begründete den Abbruch der jüngsten Verhandlungsrunde damit, dass die USA zuletzt Bedingungen vorgelegt hätten, die Kanada nicht akzeptieren könne. Nach Darstellung des Premierministers war Ottawa unter anderem bereit, bestehende Gegenmaßnahmen in strategischen Branchen abzubauen, falls Washington seine Zölle auf kanadischen Stahl, Aluminium und Fahrzeuge deutlich reduziert hätte. Zudem stellte Kanada Zugeständnisse bei administrativen Fragen im Agrarhandel in Aussicht.

Die US-Regierung hatte die Lage zuvor anders bewertet. In der Anordnung vom 18. August hieß es, kanadische Zusagen zur Beseitigung bestimmter aus amerikanischer Sicht diskriminierender Maßnahmen rechtfertigten eine dreitägige Verschiebung der neuen Zölle. Diese Schonfrist endete am 22. August. Eine weitere Verlängerung erfolgte nicht.

Damit stehen beide Regierungen wieder weiter auseinander als noch Mitte der Woche. Ob und wann formelle Verhandlungen wieder aufgenommen werden, war zunächst offen.

Enge Wirtschaftsbeziehungen erhöhen die Folgen

Die Auseinandersetzung betrifft zwei Volkswirtschaften, deren Lieferketten seit Jahrzehnten eng miteinander verbunden sind. Nach Angaben des Büros des US-Handelsbeauftragten belief sich allein der Warenhandel zwischen den USA und Kanada 2025 auf rund 719,5 Milliarden US-Dollar. Die Vereinigten Staaten exportierten Waren im Wert von 336,5 Milliarden Dollar nach Kanada und importierten kanadische Produkte im Wert von 383 Milliarden Dollar. Daraus ergab sich für die USA ein Warenhandelsdefizit von rund 46,4 Milliarden Dollar.

Bei Dienstleistungen sieht die Bilanz anders aus. Dort verzeichneten die USA 2025 nach amerikanischen Regierungsdaten einen Überschuss von 28,9 Milliarden Dollar gegenüber Kanada. Die Zahlen zeigen zugleich, warum der Zollkonflikt erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen haben kann. Produktion und Handel in Bereichen wie Fahrzeugbau, Metallindustrie, Landwirtschaft und Energie verlaufen vielfach über die gemeinsame Grenze hinweg.

Für Kanada ist der amerikanische Absatzmarkt besonders bedeutend. In den vergangenen Jahren ging der große Teil der kanadischen Warenausfuhren in die Vereinigten Staaten. Statistics Canada bezifferte diesen Anteil für 2024 auf 75,9 Prozent. Die Regierung in Ottawa versucht deshalb parallel zum Zollkonflikt, Handelsbeziehungen mit anderen Regionen auszubauen.

Konflikt trifft auch das nordamerikanische Handelsabkommen

Die Auseinandersetzung fällt zudem in eine sensible Phase für das Handelsabkommen zwischen den USA, Kanada und Mexiko. Das USMCA, in Kanada als CUSMA bezeichnet, steht 2026 vor seiner vorgesehenen gemeinsamen Überprüfung. Der US-Handelsbeauftragte hat angekündigt, dabei ungelöste Streitpunkte mit Kanada und Mexiko zur Sprache zu bringen.

Ottawa vertritt zugleich die Position, dass mehrere amerikanische Zollmaßnahmen gegen Verpflichtungen aus dem nordamerikanischen Abkommen verstoßen. Washington wiederum wirft Kanada Handelspraktiken vor, die amerikanische Anbieter benachteiligten. Diese gegensätzlichen Positionen dürften auch eine mögliche Wiederaufnahme der Gespräche belasten.

Kurzfristig steht nun zunächst die kanadische Reaktion im Mittelpunkt. Fest steht, dass die neuen US-Zölle seit dem 22. August gelten und Kanada für den 8. September eigene zusätzliche Zölle angekündigt hat. Welche einzelnen US-Waren getroffen werden und wie hoch die jeweiligen Sätze ausfallen, soll Ottawa erst noch festlegen.

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