Wohnmobilbranche unter Druck: Vanever und Händler insolvent

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Symbolbild: Evan Wise

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Wenige Tage vor dem Start des Caravan Salon in Düsseldorf steht die deutsche Wohnmobil- und Caravanbranche vor einer schwierigen Marktlage. Mehrere Unternehmen aus Handel und Vermietung sind 2026 in Insolvenzverfahren geraten. Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung am Beispiel des Vermieters Vanever. Die Marke der FreeVenture GmbH hat den operativen Geschäftsbetrieb Mitte August eingestellt. Gleichzeitig gehen die Neuzulassungen von Reisemobilen und Caravans nach dem Boom der Pandemiejahre weiter zurück.

Von einer bundesweit statistisch belegten Insolvenzwelle lässt sich derzeit allerdings nicht sprechen. Eine zentrale amtliche Zahl, die eine solche Entwicklung für die gesamte Branche ausweist, liegt nicht vor. Nachweisbar sind jedoch mehrere konkrete Verfahren bei Unternehmen, die Wohnmobile oder Caravans verkaufen, vermieten oder entsprechende Dienstleistungen anbieten. Dazu gehören unter anderem Schafhäutle Reisemobile und HECK Caravan und Reisemobile.

Vanever stellt Vermietung nach Insolvenzantrag ein

Besonders unmittelbar trifft die Entwicklung die Kunden des Münchner Unternehmens FreeVenture GmbH, das unter der Marke Vanever Camper vermietet. Das Unternehmen stellte am 7. August 2026 einen Insolvenzantrag. Das Amtsgericht München bestellte am 12. August Rechtsanwalt Rolf Pohlmann zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Das Verfahren wird unter dem Aktenzeichen 1501 IN 3042/26 geführt.

Der operative Geschäftsbetrieb wurde nach Angaben des Unternehmens am 16. August eingestellt. Fahrzeuge mit einem Abholdatum ab diesem Tag werden nicht mehr übergeben. Kunden, die bereits unterwegs waren, konnten ihre Reisen nach den veröffentlichten Informationen bis zur vorgesehenen Rückgabe fortsetzen. Für bereits bezahlte, nicht mehr erfüllte Buchungen verwies Vanever auf mögliche Rückerstattungen über den jeweiligen Zahlungsdienstleister und auf die spätere Anmeldung von Forderungen im Insolvenzverfahren.

Zu den wirtschaftlichen Umständen veröffentlichte Vanever konkrete Angaben. Demnach kündigte der wichtigste Fahrzeuglieferant am 29. Juli den Fahrzeugprogrammvertrag wegen Zahlungsverzugs und untersagte die weitere Nutzung von mehr als der Hälfte der rund 430 Fahrzeuge umfassenden Flotte. Die Darstellung stammt vom Unternehmen selbst. Eine gerichtliche Feststellung zu den wirtschaftlichen Ursachen lag damit nicht vor.

Auch Händler geraten unter Druck

Vanever steht nicht allein. Bei der Schafhäutle Reisemobile GmbH aus Kirchheim am Neckar wurde im Mai zunächst die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet. Das Insolvenzverfahren wurde am 26. Juni eröffnet. Wenige Tage später wurde zudem angezeigt, dass voraussichtlich Masseunzulänglichkeit vorliegt. Das Unternehmen war im Verkauf, in der Vermietung und im Werkstattgeschäft mit Reisemobilen tätig.

Ein weiteres Beispiel ist die HECK Caravan und Reisemobile GmbH & Co. KG in Langenselbold. Das Amtsgericht Hanau ordnete am 29. April 2026 die vorläufige Insolvenzverwaltung an. Am 29. Juni wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Mitte Juli wurde zudem bekannt gemacht, dass die Insolvenzmasse voraussichtlich nicht ausreicht, um fällige und künftig fällig werdende sonstige Masseverbindlichkeiten zu erfüllen. Das Verfahren wird unter dem Aktenzeichen 70 IN 257/26 geführt.

Weitere Verfahren lassen sich für 2026 ebenfalls finden, darunter der Fall der amo caravaning GmbH, bei der das Amtsgericht Stendal im Juni eine vorläufige Insolvenzverwaltung anordnete. Auch CMS Reisemobile in Nürnberg wurde 2026 mit einem Insolvenzverfahren in Verbindung gebracht. Die verfügbaren Angaben zu einzelnen weiteren Fällen unterscheiden sich jedoch in Umfang und Detailtiefe. Eine vollständige Branchenstatistik lässt sich daraus nicht ableiten.

Der Markt verliert nach dem Pandemieboom an Tempo

Die Insolvenzen fallen in eine Phase, in der sich der deutsche Markt für Freizeitfahrzeuge normalisiert. Nach Angaben des Caravaning Industrie Verbands wurden von Januar bis Juli 2026 insgesamt 63.329 Reisemobile und Caravans neu zugelassen. Das waren drei Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Auf Reisemobile entfielen 50.118 Neuzulassungen, ein Rückgang von 3,3 Prozent. Bei Caravans wurden 13.211 Fahrzeuge neu zugelassen, 1,9 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Damit setzt sich der Rückgang aus dem Jahr 2025 fort. Damals lagen die Neuzulassungen nach Angaben des Verbands insgesamt 2,3 Prozent unter dem Vorjahreswert. Gleichzeitig bleibt der Markt wesentlich größer als vor dem Pandemieboom. Der Bestand an Reisemobilen und Caravans in Deutschland ist inzwischen auf mehr als 1,8 Millionen Fahrzeuge angewachsen.

Die aktuelle Schwäche trifft vor allem Unternehmen, die mit hohen Fahrzeugbeständen und entsprechendem Finanzierungsbedarf arbeiten. Der Markt hat sich nach dem außergewöhnlichen Nachfrageanstieg der Pandemiejahre verändert. Hersteller und Händler müssen Fahrzeuge aus früheren Produktionsphasen abverkaufen, während private Kunden angesichts der schwächeren Konjunktur bei größeren Anschaffungen zurückhaltender sein können. Diese Entwicklung erklärt den Marktrückgang, beweist aber nicht die Ursache jedes einzelnen Insolvenzverfahrens.

Caravan Salon startet in schwieriger Marktphase

Der Caravan Salon Düsseldorf beginnt am 28. August 2026 und läuft bis zum 6. September. Die Messe Düsseldorf nennt mehr als 800 Aussteller, 15 Messehallen sowie Freigelände und eine Ausstellungsfläche von rund 250.000 Quadratmetern. Im Vorjahr kamen 270.000 Besucher und 811 Aussteller.

Die Messe findet damit in einem Markt statt, der gleichzeitig von hoher Verbreitung und sinkenden Neuzulassungen geprägt ist. Der Caravaning-Bestand wächst weiter, während der Verkauf neuer Fahrzeuge nach dem außergewöhnlichen Wachstum der vergangenen Jahre zurückgeht. Für Hersteller und Händler entsteht daraus ein anspruchsvolles Umfeld, insbesondere wenn hohe Lagerbestände finanziert werden müssen.

Die aktuellen Insolvenzfälle zeigen, dass die Anpassung an den veränderten Markt nicht für alle Unternehmen reibungslos verläuft. Sie belegen jedoch nicht, dass die gesamte Caravaningbranche vor einem Zusammenbruch steht. Der überwiegende Teil des Marktes arbeitet weiter, und die Messe in Düsseldorf bleibt mit mehr als 800 Ausstellern eine zentrale internationale Plattform der Branche.

Für Kunden wird zugleich ein Unterschied wichtig: Die Insolvenz eines einzelnen Händlers oder Vermieters sagt nichts über die wirtschaftliche Situation eines Herstellers oder des gesamten Marktes aus. Bei laufenden Geschäften können sich die Folgen erheblich unterscheiden. Im Fall von Vanever führte das Verfahren unmittelbar zur Einstellung der Vermietung. Bei Händlern hängt der weitere Verlauf dagegen vom jeweiligen Insolvenzverfahren und den Entscheidungen der Insolvenzverwaltung ab.

So entsteht vor dem Caravan Salon ein widersprüchliches Bild: Caravaning bleibt in Deutschland mit einem Bestand von mehr als 1,8 Millionen Fahrzeugen ein bedeutender Freizeitmarkt. Zugleich sind die außergewöhnlichen Wachstumsraten der Pandemiezeit vorbei, die Neuzulassungen sinken und mehrere Unternehmen aus Handel und Vermietung befinden sich in Insolvenzverfahren. Für die Branche geht es damit weniger um einen plötzlichen Einbruch des gesamten Caravaning-Marktes als um die wirtschaftliche Anpassung an eine deutlich normalere Nachfrage nach den Boomjahren.

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