
Volkswagen steht auf seinem wichtigsten asiatischen Markt weiter unter erheblichem Druck. Im ersten Halbjahr 2026 lieferte der Konzern in China 973.000 Fahrzeuge aus. Das waren 25,9 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Gleichzeitig richtet der Wolfsburger Konzern seine Strategie stärker auf andere Regionen aus. Südamerika entwickelt sich bereits deutlich besser, für Indien sucht Volkswagen einen Partner und auch in Nordamerika sollen zusätzliche Wachstumschancen erschlossen werden.
Die Entwicklung von Volkswagen in China zeigt zugleich, wie grundlegend sich der weltgrößte Automarkt verändert hat. Chinesische Hersteller haben bei Elektroautos und Plug-in-Hybriden erhebliche Marktpositionen aufgebaut, während internationale Konzerne ihre Produktentwicklung stärker lokalisieren und Entwicklungszeiten verkürzen müssen.
Von Januar bis Juni 2026 gingen die Auslieferungen des Volkswagen-Konzerns in China von rund 1,314 Millionen auf 973.000 Fahrzeuge zurück. Besonders deutlich war die Schwäche im zweiten Quartal. Zwischen April und Juni lieferte Volkswagen dort rund 424.300 Fahrzeuge aus, 36,6 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Bei reinen Elektroautos sank die Zahl im ersten Halbjahr um 47,9 Prozent auf 30.900 Fahrzeuge.
Der Konzern verwies dabei auch auf die Schwäche des chinesischen Gesamtmarktes. Vertriebsvorstand Marco Schubert erklärte im Juli, der Gesamtmarkt sei im ersten Halbjahr um rund 20 Prozent zurückgegangen. Zugleich sah Volkswagen erste positive Signale durch neue, speziell für China entwickelte Elektrofahrzeuge.
Bei den Marktanteilen ergibt sich 2026 ein wechselhaftes Bild. Im ersten Quartal bezifferte Volkswagen seinen Anteil am chinesischen Versicherungsmarkt auf 13 Prozent und lag damit vor Geely mit 12 Prozent sowie BYD und Toyota mit jeweils 9 Prozent. Gegenüber der langfristigen Entwicklung bedeutete das zunächst eine Stabilisierung.
Daten der China Passenger Car Association zeigen jedoch, dass sich der Wettbewerb anschließend wieder verschärfte. Im ersten Halbjahr kam FAW-Volkswagen im chinesischen Pkw-Einzelhandel auf 6,4 Prozent Marktanteil, SAIC-Volkswagen auf 4,4 Prozent. Zusammen waren das 10,8 Prozent. Von Januar bis Juli lagen die beiden Gemeinschaftsunternehmen zusammengenommen bei rund 10,4 Prozent. Volkswagen Anhui ist in dieser Addition nicht enthalten, weshalb diese Werte nicht mit dem gesamten Konzernmarktanteil gleichgesetzt werden können.
Zum Vergleich: Für das Gesamtjahr 2025 hatte die CPCA für FAW-Volkswagen und SAIC-Volkswagen zusammen noch einen Marktanteil von 10,9 Prozent ausgewiesen. 2024 waren es 12,2 Prozent gewesen.
Der Wettbewerb durch chinesische Autobauer bleibt für Volkswagen eine zentrale Herausforderung. BYD hatte Volkswagen bereits 2024 nach jahrelanger Führung auf dem chinesischen Markt überholt. 2025 schob sich zusätzlich Geely vor Volkswagen.
2026 ist das Bild allerdings weniger eindeutig. Auch BYD kämpft mit einer schwächeren Nachfrage im Heimatmarkt und starkem Preisdruck. Im ersten Halbjahr gingen Umsatz und Gewinn des Unternehmens zurück. Gleichzeitig steigerte BYD seine Exporte kräftig. Mehr als 790.000 Fahrzeuge gingen in den ersten sechs Monaten ins Ausland, 71 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
Damit entsteht für europäische Hersteller ein doppelter Wettbewerbsdruck. Chinesische Hersteller konkurrieren mit Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz nicht nur in China, sondern expandieren zunehmend in deren traditionellen Absatzmärkten.
Die VW Joint Ventures in China bleiben trotz des Strukturwandels entscheidend. Volkswagen arbeitet seit Jahrzehnten mit chinesischen Partnern zusammen. SAIC Volkswagen wurde bereits 1984 gegründet, FAW-Volkswagen folgte 1991. Mit Volkswagen Anhui kam später ein speziell auf Fahrzeuge mit neuen Antrieben ausgerichtetes Gemeinschaftsunternehmen hinzu. Volkswagen hält daran inzwischen 75 Prozent.
Daneben setzt der Konzern zunehmend auf Technologiepartnerschaften. Neue Fahrzeuge werden stärker in China für chinesische Kunden entwickelt. Volkswagen arbeitet dabei unter anderem mit Xpeng zusammen. Im Frühjahr 2026 war bereits die Serienproduktion eines gemeinsam entwickelten Modells angelaufen. Für 2026 hatte der Konzern eine breite Produktoffensive mit mehr als 20 neuen Elektrofahrzeugen in China angekündigt.
Die Strategie bedeutet damit keinen Rückzug aus China. Vielmehr versucht Volkswagen, Entwicklung, Software und Produktion stärker an chinesische Marktbedingungen anzupassen und gleichzeitig die Abhängigkeit vom dortigen Wachstum zu verringern.
Während China schwächelt, entwickelt sich Volkswagen in Südamerika deutlich besser. Der Konzern lieferte dort im ersten Halbjahr 327.200 Fahrzeuge aus, 8,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. In Brasilien lag das Plus sogar bei 17,1 Prozent.
Schon 2025 hatte Volkswagen konzernweit ein Auslieferungsplus von 12 Prozent in Südamerika, 9 Prozent in Asien außerhalb Chinas sowie 10 Prozent im Nahen Osten und Afrika erreicht. Diese Regionen gewinnen deshalb strategisch an Gewicht.
Konzernchef Oliver Blume nannte im Juli ausdrücklich zusätzliche Chancen in Indien, Südostasien, Australien, Afrika, dem Nahen Osten und Südamerika. Dabei könnten künftig auch in China entwickelte Fahrzeuge für den Export in andere wirtschaftlich attraktive Märkte genutzt werden. Gleichzeitig sieht das Management weiteres Wachstumspotenzial in Nordamerika.
Besondere Bedeutung bekommt Volkswagen in Indien. Der Konzern ist dort zwar seit mehr als zwei Jahrzehnten vertreten, besitzt aber weiterhin nur eine vergleichsweise kleine Marktposition. Škoda-Chef Klaus Zellmer erklärte im August, Volkswagen wolle noch 2026 eine Vereinbarung mit einem lokalen Partner erreichen.
Ein solcher Partner könnte Investitionsrisiken teilen und Volkswagen helfen, das Geschäft im inzwischen drittgrößten Automarkt der Welt auszubauen. Der Konzern zeigt sich dabei grundsätzlich offen für weitreichende Kooperationen. Gleichzeitig läuft in Indien ein Rechtsstreit über eine milliardenschwere Steuerforderung, gegen die Volkswagen vorgeht.
Auch Volkswagen in Nordamerika gehört zu den Regionen, in denen das Management weitere Chancen sieht. Kurzfristig bleibt die Lage allerdings schwierig. Im ersten Halbjahr gingen die Konzern-Auslieferungen dort um 3,1 Prozent auf 447.500 Fahrzeuge zurück. In den USA lag das Minus bei 7,4 Prozent. Volkswagen nennt unter anderem Zölle und veränderte regulatorische Rahmenbedingungen als Belastungsfaktoren.
Für den US-Markt prüft Volkswagen zugleich eine breitere Modellpalette. Dazu gehören nach aktuellen Planungen auch größere SUV und ein Pickup, der möglichst vor Ende des Jahrzehnts auf den Markt kommen und lokal produziert werden könnte. Volkswagen besitzt in den USA bislang nur einen vergleichsweise kleinen Marktanteil.
Die Verschiebungen bei Volkswagen stehen exemplarisch für die Herausforderungen der deutschen Autoindustrie in China. Deutsche Hersteller müssen gleichzeitig hohe Investitionen in Elektromobilität und Software finanzieren, ihre europäischen Produktionskosten senken, den Wettbewerb mit chinesischen Marken bewältigen und mit neuen Handelsbarrieren umgehen.
Bei Volkswagen kommt der Kostendruck besonders deutlich zum Vorschein. Im ersten Halbjahr 2026 sank das operative Ergebnis des Konzerns um 11,6 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro. Der weltweite Fahrzeugabsatz ging um 8,4 Prozent zurück. Konzernchef Oliver Blume hält deshalb an einem umfassenden Umbau fest, der Kosten, Produktionsstrukturen, Technologien und regionale Verantwortung betrifft.
Die Diskussion darüber hat inzwischen auch die deutschen Werke erreicht. Vor einer Aufsichtsratssitzung am 4. September stehen weitere Kostensenkungen und die langfristige Auslastung mehrerer Standorte zur Debatte. Blume machte zuletzt deutlich, dass der Konzern seine Wettbewerbsfähigkeit weiter verbessern müsse. Arbeitnehmervertreter lehnen zusätzliche harte Einschnitte ab und verweisen unter anderem auf Zölle, Nachfrageschwäche und internationale Wettbewerbsbedingungen.
Volkswagens Strategie wird damit zunehmend regionaler. China bleibt ein Kernmarkt und ein wichtiger Entwicklungsstandort, soll aber nicht mehr allein den Wachstumsmotor bilden. Südamerika liefert bereits steigende Stückzahlen, Indien soll durch Partnerschaften stärker erschlossen werden und in Nordamerika sucht der Konzern nach neuen Produkten und Geschäftsmodellen. Der Umbau zeigt, wie stark sich die globalen Kräfteverhältnisse in der Autoindustrie innerhalb weniger Jahre verschoben haben.
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