
Der Waldbrand im Hohen Venn hat sich innerhalb eines Tages zu einem der größten Vegetationsbrände entwickelt, die Belgien bislang registriert hat. Nach Angaben der Wallonischen Region waren am frühen Samstagnachmittag rund 1.600 Hektar betroffen. Das Feuer war am Freitag, 14. August, gegen 13.06 Uhr auf dem Gebiet der Gemeinde Baelen ausgebrochen, im Bereich nahe Drossart und der Fagne des Deux-Séries. Am Samstagnachmittag ordneten die Behörden wegen wechselnder Winde und dichter Rauchentwicklung vorsorgliche Evakuierungen in Teilen der Gemeinden Waimes und Bütgenbach an.
Die Dimension des Feuers nahm seit Freitag deutlich zu. Am Freitagabend war zunächst von mehr als 100 Hektar betroffener Vegetation die Rede. Bis Samstagmorgen stieg die Schätzung auf etwa 850 Hektar. Am frühen Samstagnachmittag bezifferte die Wallonische Region die betroffene Fläche schließlich auf rund 1.600 Hektar. Die Bürgermeisterin von Baelen erklärte im regionalen Krisenzentrum, die Größenordnung stütze sich unter anderem auf Drohnenbeobachtungen der Feuerwehr.
Damit übertrifft das Feuer nach Daten des europäischen Waldbrandinformationssystems EFFIS den großen Brand von 2011, bei dem im Hohen Venn annähernd 1.400 Hektar betroffen waren. Der aktuelle Einsatz gilt damit als außergewöhnlich für Belgien. Hinzu kommt, dass nicht nur trockene Gräser und oberflächennahe Vegetation brennen. Einsatzverantwortliche berichteten, dass das Feuer auch Torfschichten erfasst habe. Solche Bereiche können unter der Oberfläche weiterglimmen und die Nachlöscharbeiten erheblich verlängern.
Der Belgische Rundfunk bezifferte den Einsatz am Samstag auf mehr als 200 Kräfte. Beteiligt sind Feuerwehren aus mehreren belgischen Hilfeleistungszonen, der Zivilschutz, die Forstverwaltung und weitere Behörden. Verstärkung kam unter anderem aus Lüttich, Huy und der Provinz Limburg. Auch Feuerwehrkräfte aus Aachen unterstützen die Arbeiten auf belgischer Seite. Dabei handelt es sich um grenzüberschreitende Hilfe, nicht um einen eigenständigen deutschen Großeinsatz im Hohen Venn.
Zusätzlich schickte die belgische Armee drei Panther-Löschfahrzeuge. Jedes dieser Fahrzeuge kann 10.500 Liter Wasser transportieren und große Wassermengen über eine beträchtliche Distanz abgeben. Landwirte aus der Region helfen ebenfalls mit Tank- und Güllefässern beim Wassertransport. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Talsperren von Eupen und Gileppe, an denen Wasser für die Brandbekämpfung aufgenommen wird. Die Zugänge zu beiden Anlagen wurden deshalb für Besucher geschlossen.
Aus der Luft kommen Hubschrauber mit Löschwasserbehältern zum Einsatz. Nach der Aktivierung des EU-Katastrophenschutzmechanismus mobilisierte die Europäische Union am Samstag zusätzlich drei Hubschrauber und zwei Löschflugzeuge. Die Luftfahrzeuge stammen nach Angaben der zuständigen EU-Kommissarin aus Tschechien, Schweden und den Niederlanden. Damit erhält die belgische Brandbekämpfung zusätzliche Unterstützung aus mehreren europäischen Staaten.
Noch am frühen Samstagnachmittag war eine Evakuierung in Sourbrodt zunächst nur vorbereitet worden. Um 16.30 Uhr verschärfte die Wallonische Region die Maßnahmen. Bewohner zahlreicher Straßen in den Gemeinden Waimes und Bütgenbach wurden aufgefordert, ihre Häuser vorsorglich zu verlassen. Als Sammelstelle wurde das Sportzentrum in Malmedy genannt.
Grund für die Entscheidung waren nach Angaben der Behörden vor allem wechselnde Windrichtungen und die starke Rauchentwicklung. Für Menschen in den nicht von der Räumungsanordnung betroffenen Bereichen galt die Empfehlung, in den Häusern zu bleiben und Fenster sowie Türen geschlossen zu halten. Touristen in der betroffenen Zone wurden aufgefordert, das Gebiet zu verlassen und nach Hause zurückzukehren.
Schon seit Freitag war der Zugang zu Teilen des Hohen Venns stark eingeschränkt. Wanderungen im betroffenen Gebiet wurden untersagt. Am Samstag blieben außerdem die Regionalstraßen N68 und N672 im Bereich Herbiester gesperrt. Die Behörden warnten ausdrücklich davor, in das Gebiet zu fahren oder Einsatzwege zu blockieren. Auch die Zufahrten zu den Talsperren von Eupen und Gileppe bleiben geschlossen, damit Feuerwehr, Landwirte und weitere Helfer dort ungehindert Wasser aufnehmen können.
Zu möglichen Verletzten enthielt die amtliche Lageinformation der Wallonischen Region vom Samstagnachmittag keine Zahl. Damit war bis 16.30 Uhr weder eine bestätigte Verletztenbilanz veröffentlicht noch amtlich erklärt worden, dass es keine Verletzten gebe. Angaben, die darüber hinausgehen, lassen sich deshalb derzeit nicht belastbar als Tatsache festhalten.
Auch die Brandursache war bis Samstagnachmittag nicht offiziell mitgeteilt. Bereits am Freitag hatten die zuständigen Stellen erklärt, dass zur Entstehung des Feuers noch keine gesicherten Angaben vorlägen. Daran änderte sich im weiteren Verlauf zunächst nichts. Dass die Region wegen der Trockenheit generell vor menschlich verursachten Vegetationsbränden warnt, erlaubt keinen Rückschluss auf den Auslöser dieses konkreten Feuers.
Die Voraussetzungen für eine schnelle Brandausbreitung waren bereits vor dem Ausbruch ungünstig. Die Wallonische Region stufte den Osten der Provinz Lüttich zuletzt als extrem trocken ein. Für offene Landschaften und Wälder galt bis einschließlich Samstag ein hohes Brandrisiko. Besonders trocken waren nach Behördenangaben die Bodenvegetation, die Streuschicht und vielerorts auch höhere Pflanzenschichten.
Am Donnerstag und Freitag waren in Teilen Belgiens Höchstwerte von etwa 33 bis 34 Grad erreicht worden. Gleichzeitig hatte es über längere Zeit nur wenig Niederschlag gegeben. Für Samstag und Sonntag erwarteten die belgischen Wettermodelle zwar erste Regenfälle, zunächst aber nur geringe Mengen. Bis zum 23. August wurden insgesamt etwa 10 bis 15 Liter pro Quadratmeter prognostiziert. Die Behörden wiesen ausdrücklich darauf hin, dass einzelne Schauer die ausgetrocknete Vegetation nicht sofort wieder ausreichend durchfeuchten werden.
Erschwerend kommt im Hohen Venn der Wind hinzu. Die Einsatzleitung berichtete am Samstag von wechselnden Richtungen. Dadurch kann sich die Feuerfront verlagern und bereits gesicherte Bereiche erneut gefährden. Auch der Torfboden ist problematisch. Feuer kann sich dort teilweise unterhalb der sichtbaren Oberfläche ausbreiten. Deshalb rechnen Einsatzverantwortliche mit langwierigen Nachlöscharbeiten, selbst wenn die offenen Flammen zurückgedrängt werden.
Die Lage im Hohen Venn fällt in eine Phase ungewöhnlich hoher Waldbrandaktivität in West- und Mitteleuropa. In der deutschen Grenzregion kämpften Einsatzkräfte am Samstag weiter gegen einen großen Waldbrand im Hürtgenwald in Nordrhein-Westfalen. Dort waren rund 300 Hektar betroffen. Mehr als 2.000 Menschen aus dem Ort Gey mussten ihre Häuser verlassen, rund 1.500 Einsatzkräfte waren nach Angaben der deutschen Behörden beteiligt.
Der deutsche Brand hatte sich am Samstag stabilisiert, während sich die Lage im Hohen Venn weiter zuspitzte. Beide Einsätze zeigen, wie stark die anhaltende Hitze und Trockenheit inzwischen auch Regionen treffen, in denen Brände dieser Größenordnung vergleichsweise selten sind. Die räumliche Nähe sorgt zugleich dafür, dass grenzüberschreitende Hilfe besonders wichtig ist, obwohl Einsatzmittel auch auf deutscher Seite stark gebunden sind.
Auch im europäischen Vergleich ist die Saison 2026 bereits außergewöhnlich. Nach Angaben der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission waren bis zum 12. August in der Europäischen Union rund 567.000 Hektar Fläche durch Brände betroffen. Das liegt zwar unter dem extremen Rekordjahr 2025, aber deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen zwei Jahrzehnte von rund 243.000 Hektar zum gleichen Zeitpunkt.
In den vergangenen Wochen mussten unter anderem Frankreich, Spanien, Griechenland, Kroatien und Deutschland größere Waldbrände bekämpfen. Vielerorts kam es zu Evakuierungen, teilweise auch zu Verletzten und erheblichen Sachschäden. Hitze, trockene Böden und Vegetation sowie zeitweise kräftiger Wind begünstigen die Ausbreitung vieler Feuer. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass der menschengemachte Klimawandel die Wahrscheinlichkeit solcher feuerbegünstigenden Wetterlagen erhöht. Das erklärt jedoch nicht die konkrete Entstehung eines einzelnen Brandes. Für das Feuer im Hohen Venn blieb die Ursache am Samstagnachmittag weiterhin offen.
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