Ibbenbüren: 275-Meter-Schornstein bei Sprengung gefallen

Die Sprengung Kraftwerk Ibbenbüren am 6. April bringt umfassende Evakuierungen, Sperrungen und Sicherheitsmaßnahmen mit sich – hier erfährst du alles Wichtige.
Foto: Denny Franzkowiak

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Ibbenbüren. Die Sprengung Kraftwerk Ibbenbüren stand am Sonntagvormittag im Mittelpunkt des Geschehens auf dem Schafberg. Um 11 Uhr zündeten Experten insgesamt 600 Kilogramm Sprengstoff, um den 275 Meter hohen Schornstein kontrolliert zu Boden zu bringen. Mehrere zeitversetzte Explosionen ließen das Bauwerk in sich zusammenfallen. Damit verschwand das letzte weithin sichtbare Element des früheren Kraftwerks. Auch der Abriss Kraftwerk Ibbenbüren erreichte damit einen entscheidenden Abschnitt.

Mehrstufige Zündung und gefalteter Einsturz

Der Ablauf war exakt geplant. Zunächst ertönte ein erster langer Warnton fünf Minuten vor der Sprengung. Kurz vor der Hauptzündung folgten ein weiteres Signal sowie eine Vergrämungssprengung, um Tiere aus dem Gefahrenbereich zu vertreiben. Neben dem Schornstein wurden zeitgleich auch die Rauchgasentschwefelungs- und die Entstickungsanlage gesprengt.

Der Kamin fiel nicht seitlich um, sondern wurde durch drei Explosionen in unterschiedlichen Höhen „gefaltet“. Sekundenbruchteile trennten die einzelnen Zündungen voneinander. Beobachter nahmen das Geschehen als eine zusammenhängende Detonation wahr. Nach Angaben der Verantwortlichen blieb ein geplanter Reststumpf stehen.

Im Anschluss blieb das Sperrgebiet bestehen. Der Sprengleiter kontrolliert das Gelände, außerdem werden Hochspannungsleitungen überprüft. Erst nach Abschluss dieser Maßnahmen soll die Absperrung aufgehoben werden.

Weiträumige Absperrungen und erhöhter Personaleinsatz

Rund um die Sprengung Schafberg galt seit dem Morgen ein umfassendes Sicherheitskonzept. Das Gebiet wurde weiträumig abgesperrt, Anwohner mussten ihre Häuser zeitweise verlassen. Für sie standen Zelte mit Verpflegung bereit.

Polizei, Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und Ordnungsamt waren mit insgesamt 240 Kräften im Einsatz. Zwei Polizeidrohnen überwachten das Areal aus der Luft. Bereits im Vorfeld hatten Experten den Schornstein vorbereitet. 21 Fachleute brachten den Sprengstoff an, Schutzvorkehrungen sollten Staubentwicklung und Streuflug begrenzen.

Trotz regnerischer und diesiger Witterung verfolgten zahlreiche Schaulustige das Ereignis aus sicherer Entfernung, unter anderem von Aussichtspunkten in Tecklenburg. Mit der erfolgreichen Sprengung ist der markante Schornstein Ibbenbüren endgültig Geschichte – sichtbar für die gesamte Region rund um Münster.

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Vom Kohlekraftwerk zum Zukunftsstandort

Mit dem Fall des Schornsteins endet ein Kapitel Industriegeschichte. Das Kraftwerk war 1987 offiziell in Betrieb gegangen und prägte gemeinsam mit der benachbarten Zeche über Jahrzehnte das Stadtbild. Zeitweise bot der Standort mehreren tausend Menschen Arbeit. Nach dem bundesweiten Kohleausstieg wurde die Anlage Ende 2020 endgültig stillgelegt.

2023 übernahm die Unternehmensgruppe Hagedorn die rund 25 Hektar große Fläche. Zunächst mussten Schadstoffe und asbesthaltige Materialien unter besonderen Schutzvorkehrungen entfernt werden. Die Abrissarbeiten zogen sich über das Jahr 2024. Eine erste große Sprengung von Kesselhaus und Kühlturm hatte bereits am 6. April 2025 stattgefunden.

Ab 2027 plant der Netzbetreiber Amprion auf rund zehn Hektar des Geländes einen Konverter zu errichten. Dieser soll Strom aus Offshore-Windparks in der Nordsee für das Netz umwandeln und Teil des Offshore-Netzanbindungssystems BalWin2 werden. Die Anlage ist notwendig, um transportierte Energie vor der Einspeisung von Gleich- in Wechselstrom umzuwandeln. Damit wandelt sich der Standort vom Symbol der Kohleverstromung zu einem Baustein für erneuerbare Energien.

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