Am Prinzipalmarkt in Münster formiert sich Protest gegen sexualisierte Gewalt

Mode, Wohnen und Schuhe: Drei Traditionshäuser vom Prinzipalmarkt laden am 14. März zum gemeinsamen Fashion Frühstück in Münster ein.
Foto: Marie Nemitz

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Münster. Am Prinzipalmarkt in Münster hat am Sonntagnachmittag eine friedliche Kundgebung gegen sexualisierte Gewalt stattgefunden. Die Demo in Münster war erst wenige Stunden zuvor öffentlich angekündigt worden und stand im Zeichen der Solidarität mit Betroffenen digitaler und sexualisierter Übergriffe. Anlass war die breite öffentliche Debatte um die Vorwürfe von Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen. Nach übereinstimmenden Medienberichten wirft Fernandes ihm vor, über Jahre hinweg unter ihrem Namen Fake-Profile genutzt und intime Inhalte verbreitet zu haben. Ulmens Anwalt weist die Vorwürfe zurück. Auch in Münster griffen die Rednerinnen deshalb das Thema Gewalt im Internet auf und forderten stärkeren rechtlichen Schutz.

Spontane Kundgebung in Münster setzt ein sichtbares Zeichen

Die Aktion am Rathaus war kurzfristig organisiert worden. Nach Angaben aus dem Umfeld der Veranstaltung fiel die Entscheidung erst am Sonntagmorgen, parallel zu einer angekündigten Versammlung in Berlin auch in Münster ein Zeichen zu setzen. Getragen wurde die Kundgebung von Mary Sánchez und Kerstin Rinne, unterstützt von Leonie Dietz aus dem Umfeld des Awareness-Netz NRW. Vor Ort versammelten sich nach örtlichen Berichten rund 60 Menschen. Die Stimmung blieb ruhig, die Botschaft jedoch war deutlich: Betroffene sexualisierter Gewalt und digitaler Übergriffe sollen mehr Schutz erhalten, und bestehende Lücken im Recht müssten geschlossen werden.

Im Mittelpunkt stand dabei nicht nur klassische sexualisierte Gewalt, sondern ausdrücklich auch der digitale Raum. Die Organisatorinnen machten deutlich, dass Übergriffe im Internet für viele Betroffene keine abstrakte Gefahr mehr seien, sondern konkreter Alltag. Gerade wenn Bilder, Identitäten oder intime Inhalte ohne Einwilligung verbreitet würden, entstünden massive Folgen, die für die Opfer oft weit über den Moment der Tat hinausreichten. Die Kundgebung in Münster knüpfte damit an eine Debatte an, die bundesweit an Fahrt aufgenommen hat. Collien Fernandes hatte für Sonntag zu einer Demonstration am Brandenburger Tor in Berlin mobilisiert. Nach Medienberichten laufen in Spanien Ermittlungen zu ihrem Fall. Diese Entwicklung verlieh auch der Versammlung am Prinzipalmarkt zusätzliche Aufmerksamkeit.

Forderungen nach besserem Schutz bei digitaler Gewalt

Inhaltlich zielte die Kundgebung auf politische Konsequenzen. Die Rednerinnen kritisierten, dass der rechtliche Schutz bei sexualisierter Gewalt im Netz aus ihrer Sicht noch immer nicht ausreiche. Dabei ging es insbesondere um den Missbrauch von Bildern, Identitäten und intimen Inhalten sowie um die Frage, wie digitale Tatformen gesetzlich präziser erfasst werden können. Nach Angaben aus dem Kreis der Veranstalterinnen soll das Thema künstliche Intelligenz dabei ausdrücklich mitgedacht werden, weil technische Möglichkeiten zur Manipulation und Verbreitung von Inhalten neue Risiken schaffen. Auf der Kundgebung wurde deshalb ein schärferer Schutz im digitalen Raum gefordert.

Begleitet wird die Aktion von einer Petition unter dem Titel „Gesetze gegen sexualisierte Gewalt im Internet“. Sie soll den Druck auf die Politik erhöhen und die Aufmerksamkeit über den Tag der Kundgebung hinaus aufrechterhalten. Für Münster war die spontane Versammlung damit mehr als nur eine symbolische Solidaritätsbekundung. Sie zeigte, dass bundesweite Debatten über Gewalt gegen Frauen und digitale Übergriffe auch vor Ort Menschen mobilisieren können. Der Prinzipalmarkt wurde am Sonntag für kurze Zeit zu einem Ort, an dem Betroffene, Unterstützerinnen und Unterstützer sowie Initiativen aus Nordrhein-Westfalen gemeinsam auf eine Schutzlücke aufmerksam machten, die nach ihrer Einschätzung längst nicht mehr zu übersehen ist.

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