
Münster. Der Konflikt um den Nachbarschaftstreff Berg Fidel spitzt sich weiter zu. Die LEG hat dem Nachbarschaftstreff Berg Fidel e.V. die Räume in der früheren „Alten Post“ am Rincklakeweg 21 zum 31. März 2026 gekündigt. Die Stadtteilgewerkschaft Berg Fidel Solidarisch, die die Räume nutzt, akzeptiert die Kündigung nicht und setzt ihre Arbeit nach eigenen Angaben fort. Hintergrund ist aus Sicht der Initiative nicht nur ein mietrechtlicher Streit, sondern ein politischer Konflikt um Kritik an Wohnbedingungen und am Geschäftsmodell des Immobilienkonzerns.
Der Nachbarschaftstreff war nach Angaben der Initiative erst seit dem 1. April 2025 in den Räumen aktiv. Ehrenamtliche hätten dort viel Arbeit in Renovierung, Ausbau und Nutzung investiert. Die „Alte Post“ diente demnach als Treffpunkt, Beratungsstelle und Veranstaltungsort im Stadtteil.
Nach Darstellung von Berg Fidel Solidarisch begründete die LEG die Kündigung damit, dass die Nutzerinnen und Nutzer zu viel Kritik am Unternehmen äußerten. Die Initiative sieht darin einen Angriff auf ihre Arbeit und auf die Möglichkeit von Mieterinnen und Mietern, sich gemeinsam gegen Missstände zu organisieren. Die LEG hatte die Nutzung der Räume nach früheren Darstellungen kritisch gesehen, weil der Treff aus ihrer Sicht als Plattform für Dissens und Kritik am Unternehmen diene.
Seit der Kündigung hat Berg Fidel Solidarisch nach eigenen Angaben Gespräche mit Nachbarinnen und Nachbarn geführt, Infotische organisiert, mehr als 400 Unterschriften gesammelt und Nachbarschaftsversammlungen abgehalten. Auch eine Kundgebung in Berg Fidel und Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern demokratischer Ratsparteien gehören zu den bisherigen Reaktionen.
Unterstützung erhielt die Initiative demnach unter anderem von der Linken, den Grünen sowie von ÖDP/Die Partei. Diese hätten sich hinter die Mieterinnen und Mieter gestellt und die LEG zur Rücknahme der Kündigung aufgefordert. Auch aus anderen Städten und von weiteren Akteuren habe es solidarische Nachrichten gegeben.
Deutlich kritisiert Berg Fidel Solidarisch dagegen das Verhalten anderer politischer Vertreterinnen und Vertreter. Die CDU habe sich trotz mehrfacher Gespräche bislang nicht öffentlich positioniert und keine konkreten Unterstützungsangebote gemacht. Auch von der SPD erfahre die Stadtteilgewerkschaft nach eigener Darstellung bisher keine Unterstützung.
Zudem kritisiert die Initiative Bezirksbürgermeister Friedhelm Schade und Oberbürgermeister Tilman Fuchs. Kontaktversuche seien zunächst ohne ausreichende Reaktion geblieben. Kurz nach Fertigstellung der Mitteilung habe Schade allerdings ein Gesprächsangebot gemacht. Berg Fidel Solidarisch begrüßt diese Gesprächsbereitschaft grundsätzlich, hält die Kritik am bisherigen Umgang von Politik und LEG aber aufrecht.
Aus Sicht der Stadtteilgewerkschaft geht es bei der Kündigung um mehr als die Nutzung einzelner Räume. Die Aktiven werfen der LEG vor, Kritik an Wohnbedingungen unterbinden zu wollen. Zugleich kritisieren sie, dass sich Teile der Politik auf fehlende Zuständigkeit beriefen, weil es sich um einen privatwirtschaftlichen Konflikt handele.
Ein bereits bestehender Gesprächstermin zwischen Stadtverwaltung und Berg Fidel Solidarisch zu Missständen im Zusammenhang mit der LEG sei nach Darstellung der Initiative abgesagt worden. Als Begründung sei auf Neutralität verwiesen worden. Für Berg Fidel Solidarisch ist genau diese Haltung problematisch, weil ein großer Wohnungskonzern aus ihrer Sicht erheblichen Einfluss auf die Lebensbedingungen im Stadtteil habe.
Bereits am 10. Februar 2026 hatte es ein Gespräch zwischen Vertreterinnen und Vertretern des Nachbarschaftstreffs und der LEG gegeben. Eine Rücknahme der Kündigung wurde dabei nach damaliger Darstellung nicht erreicht. Zum Stichtag Ende März wurden die Räume offenbar nicht geräumt. Der Verein widersprach der Kündigung und will die Angebote nach eigenen Angaben weiterführen.
Dazu zählen unter anderem solidarische Mietberatung und offene Treffen. Die Initiative sieht ihre Arbeit durch den Konflikt bestätigt. Sie verweist darauf, dass es vor Ort weiterhin Leerstand gebe und dass der Nachbarschaftstreff für viele Menschen in Berg Fidel ein wichtiger Ort der Selbstorganisation geworden sei.
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