Vom Allwetterzoo nach Vietnam: Seltene Fasane bekommen neue Chance

Nachkommen aus dem Allwetterzoo Münster sind Teil eines internationalen Projekts zur Rückkehr des Edwardsfasans nach Vietnam.

Teilen:

Ein Artenschutzprojekt mit Beteiligung aus Münster hat eine wichtige Etappe erreicht: 20 Edwardsfasane sind nach einem Langstreckenflug sicher in Vietnam angekommen. Unter den Tieren befinden sich Nachkommen jener Fasane, die 2024 im Allwetterzoo Münster geschlüpft sind. Die Art, wissenschaftlich Lophura edwardsi, wird auch Vietnamfasan oder Vietnamesischer Fasan genannt und gilt in ihrem ursprünglichen Lebensraum seit vielen Jahren als verschollen. Die IUCN führt den Vietnamfasan als „Critically Endangered“ mit dem Zusatz „Possibly Extinct in the Wild“. Seit dem Jahr 2000 wurde die Art demnach nicht mehr zuverlässig in freier Wildbahn beobachtet.

Nachkommen aus Münster werden Teil von „Bring Back Blue“

Die beiden in Münster geschlüpften Edwardsfasane wurden vor dem Transport nach Vietnam zunächst in den Zoo Berlin gebracht. Dort kamen Tiere aus unterschiedlichen europäischen Zoopopulationen zusammen. Ziel war es, eine möglichst genetisch vielfältige und stabile Grundlage für das internationale Projekt „Bring Back Blue“ zu schaffen. Die nun nach Vietnam gebrachten 20 Fasane wurden nach Angaben aus dem Projektumfeld unter anderem nach genetischer Vielfalt, Gesundheit und Verhalten ausgewählt.

Für den Allwetterzoo Münster ist die Ankunft der Tiere ein sichtbarer Erfolg der Erhaltungszucht. Zoos halten bei hochbedrohten Arten nicht nur Tiere für Besucherinnen und Besucher, sondern können langfristig Reservepopulationen aufbauen. Gerade beim Edwardsfasan ist diese Rolle entscheidend, weil die Art in Vietnam national bereits als in freier Wildbahn ausgestorben gilt.

Keine sofortige Auswilderung nach der Ankunft

Die Tiere werden nach ihrer Ankunft nicht direkt freigelassen. Zunächst folgt eine kontrollierte Übergangsphase. Vorgesehen sind rund vier Wochen Quarantäne und Akklimatisierung bei Vinpearl Safari Phú Quốc. Dort sollen sich die Fasane an Klima, Umgebung und Bedingungen in Vietnam gewöhnen. Ein Teil der Gruppe soll anschließend in das Rare Pheasant Breeding Center gebracht werden.

Erst wenn sich vor Ort stabile Brutpaare bilden und eine neue Generation heranwächst, können weitere Schritte in Richtung Freilassung geprüft werden. Das Ziel ist nicht eine schnelle Aussetzung einzelner Tiere, sondern der langfristige Aufbau einer tragfähigen Population. Als mögliches Zielgebiet wird unter anderem das Naturreservat Dong-Chau Khe Nuoc Trong genannt.

Warum der Edwardsfasan verschwunden ist

Der Edwardsfasan stammt aus Zentralvietnam und lebt in Wäldern mit dichtem Unterwuchs. Sein Verschwinden wird vor allem mit Lebensraumverlust, landwirtschaftlicher Expansion und Jagd in Verbindung gebracht. Auch die Folgen des Vietnamkriegs gelten als ein Faktor, weil Teile des historischen Verbreitungsgebiets stark betroffen waren. Der Zoo Berlin verweist in diesem Zusammenhang besonders auf die frühere Demilitarisierte Zone in der Provinz Quảng Trị, die mitten im Lebensraum der Art lag.

Das Projekt beruht auf jahrzehntelanger Erhaltungszucht. Die heutige Reservepopulation geht auf wenige Tiere zurück, die im frühen 20. Jahrhundert aus Vietnam nach Europa gelangten. Aus ihnen entstand über viele Jahre eine koordinierte Population in Zoos und bei spezialisierten Züchtern. Das Europäische Erhaltungszuchtprogramm für den Edwardsfasan wird nach Projektangaben vom Zoo Prag koordiniert.

Schutz vor Ort entscheidet über den Erfolg

Damit die Rückkehr des Vietnamfasans gelingen kann, reicht die Zucht allein nicht aus. In den Zielgebieten müssen Lebensräume geschützt, Wilderei verhindert und die Entwicklung der Tiere überwacht werden. Rangerinnen und Ranger sollen dabei helfen, geeignete Schutzräume zu sichern. Organisationen wie Viet Nature, die World Pheasant Association und die EAZA arbeiten nach Projektbeschreibung an Zucht, Umsiedlung, Monitoring, Habitatpflege und Schutzmaßnahmen.

Der Ansatz folgt dem sogenannten „One Plan Approach“ der IUCN. Gemeint ist eine gemeinsame Strategie, bei der Schutz in menschlicher Obhut und Schutz im natürlichen Lebensraum zusammengedacht werden. Für den Allwetterzoo Münster ist das Projekt damit auch ein Beispiel dafür, wie lokale Zuchtarbeit Teil eines internationalen Artenschutzprogramms werden kann.

Münsteraner Beitrag zu einem internationalen Artenschutzprojekt

Für Münster ist die Ankunft der Edwardsfasane in Vietnam ein besonderer Moment. Die im Allwetterzoo geschlüpften Tiere sind nicht einfach Nachzuchten einer seltenen Art, sondern Teil einer Rückkehrstrategie für einen Vogel, der in seinem ursprünglichen Lebensraum möglicherweise bereits verschwunden ist. Aus dem Münsteraner Bestand stammt genetisches Material, das nun helfen soll, eine neue Generation des Vietnamfasans in seiner Heimat aufzubauen.

Ob daraus eines Tages wieder eine stabile wildlebende Population entsteht, hängt von vielen Faktoren ab. Entscheidend sind erfolgreiche Zucht, sichere Schutzgebiete, konsequentes Monitoring und langfristiger Schutz vor Jagd und Lebensraumverlust. Die sichere Ankunft der 20 Tiere in Vietnam ist deshalb noch nicht das Ende des Projekts, sondern der Beginn seiner wichtigsten Phase.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu