Katherina Reiche fordert in Peking faire Regeln für deutsche Unternehmen

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Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat bei ihrem Besuch in Peking faire Wettbewerbsbedingungen für deutsche Unternehmen angemahnt. Bei einem Treffen mit dem chinesischen Handelsminister Wang Wentao stellte die CDU-Politikerin den Grundsatz der Reziprozität in den Mittelpunkt. Gemeint sind vergleichbare Bedingungen für Unternehmen beider Länder beim Marktzugang, bei Ausschreibungen, bei Regulierung und im Wettbewerb.

Im Gespräch ging es nach übereinstimmenden Angaben um Lieferketten, seltene Erden und die Bedingungen für deutsche Firmen auf dem chinesischen Markt. Reiche sprach außerdem mit Zhou Haibing, einem Vertreter der Staatlichen Entwicklungs- und Reformkommission. Die Gespräche fallen in eine Phase, in der deutsche Unternehmen einerseits stark auf China angewiesen bleiben, andererseits aber über wachsende Wettbewerbsnachteile und Risiken bei kritischen Rohstoffen klagen.

Seltene Erden bleiben ein zentrales Konfliktthema

Besonders sensibel ist der Zugang zu seltenen Erden und anderen kritischen Rohstoffen. Diese Materialien werden unter anderem für Elektromotoren, Halbleiter, Energietechnik, Rüstungsgüter und zahlreiche Industrieprodukte benötigt. China kontrolliert zentrale Teile der Förderung, Verarbeitung und Ausfuhr solcher Rohstoffe. Exportkontrollen hatten in den vergangenen Monaten international für Unsicherheit gesorgt.

Für Deutschland ist das Thema nicht nur handelspolitisch, sondern auch industriepolitisch bedeutsam. Die Bundesregierung will Abhängigkeiten verringern, kann die enge Verflechtung mit China aber kurzfristig nicht auflösen. Reiche setzte deshalb in Peking auf direkte Gespräche über verlässliche Lieferketten und bessere Planbarkeit. Eine konkrete neue Vereinbarung über seltene Erden war zunächst nicht bestätigt.

Deutsche Konzerne begleiten die Reise

Reiche wird bei der China-Reise von hochrangigen Unternehmensvertretern begleitet. Dazu gehören BASF-Chef Markus Kamieth und ThyssenKrupp-Chef Miguel Ángel López Borrego. Auch Siemens Energy war nach Agenturangaben Teil der Wirtschaftsdelegation. Die Zusammensetzung zeigt, dass es bei der Reise nicht nur um politische Gespräche geht, sondern auch um konkrete Interessen der deutschen Industrie.

BASF ist in China stark engagiert und investiert dort unter anderem in den Standort Zhanjiang. ThyssenKrupp und Siemens Energy stehen ebenfalls für Branchen, die auf internationale Lieferketten, Rohstoffe, Energieinfrastruktur und industrielle Absatzmärkte angewiesen sind. Für die deutsche Wirtschaft bleibt China damit Partner, Absatzmarkt und Wettbewerber zugleich.

China bleibt wichtigster Handelspartner Deutschlands

Die wirtschaftliche Bedeutung Chinas ist weiterhin groß. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes war China 2025 wieder Deutschlands wichtigster Handelspartner. Der Warenhandel zwischen beiden Ländern lag demnach bei 251,8 Milliarden Euro. China löste damit die USA wieder an der Spitze ab.

Auch zu Beginn des Jahres 2026 blieb China knapp vor den USA. Im ersten Quartal erreichte der deutsche Warenhandel mit China laut Agenturangaben auf Grundlage vorläufiger Statistikdaten 61,5 Milliarden Euro, der Handel mit den USA lag bei 60 Milliarden Euro. Zugleich gingen deutsche Exporte nach China zurück, während Importe aus China zulegten. Genau dieses Ungleichgewicht bildet den Hintergrund für Reiches Forderung nach faireren Bedingungen.

Reiche setzt auf Austausch statt Abkopplung

Die Bundesregierung verfolgt gegenüber China keinen Kurs der wirtschaftlichen Abkopplung. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Verringerung einseitiger Abhängigkeiten. Das gilt für Rohstoffe, Vorprodukte, Absatzmärkte und technische Schlüsselbereiche. Gleichzeitig bleibt China für viele deutsche Unternehmen ein wichtiger Markt.

Reiches Besuch steht damit für einen Balanceakt: Berlin will die wirtschaftlichen Beziehungen stabil halten, zugleich aber Nachteile für deutsche Firmen ansprechen. In Peking machte die Ministerin deutlich, dass Wettbewerb akzeptiert werde, er aber transparent und fair ausgestaltet sein müsse. Ob daraus konkrete Erleichterungen für deutsche Unternehmen entstehen, blieb zunächst offen.

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