
Die Delfinlagune im Tiergarten Nürnberg ist seit dem 1. April 2026 wieder vollständig für Besucherinnen und Besucher geöffnet. Nach Angaben des Tiergartens wurden die Außenbecken der Anlage saniert. Nach dem Rückbau der Bauschutzhalle sind die Großen Tümmler wieder in der Lagune zu sehen, auch die Besuchertribünen stehen wieder vollständig zur Verfügung. Die Gesamtkosten der Sanierung belaufen sich nach Angaben des Tiergartens auf rund 5,9 Millionen Euro.
Die Lagune war über einen längeren Zeitraum nur eingeschränkt nutzbar. Hintergrund waren Sanierungsarbeiten an den Außenbecken. Der Tiergarten verweist darauf, dass die Arbeiten abgeschlossen seien und der reguläre Besucherbetrieb in diesem Bereich wieder möglich sei. Die Anlage gehört zu den wenigen Orten in Deutschland, an denen weiterhin Delfine gehalten werden.
Kurz nach der Wiedereröffnung veröffentlichte PETA neue Aufnahmen aus dem Innenbecken des Nürnberger Delfinariums. Die Organisation erklärte, die Videos seien im März 2026 entstanden. Nach Darstellung von PETA zeigen sie unter anderem Delfine, die im Kreis schwimmen, vor einem Schleusenbereich verharren oder kopfüber im Wasser treiben. PETA wertet dieses Verhalten als auffällig und fordert erneut ein Ende der Delfinhaltung in Nürnberg.
Eine unabhängige Bewertung der gezeigten Verhaltensweisen lag zunächst nicht vor. Die Aufnahmen zeigen einzelne Situationen, erlauben aber ohne längere Beobachtung keine gesicherte Aussage darüber, ob es sich um krankhaftes, stereotypes oder normales Verhalten handelt. Entscheidend bleibt daher die klare Trennung zwischen den sichtbaren Szenen und der Bewertung durch die Tierschutzorganisation.
Der Tiergarten Nürnberg widersprach der Deutung der Tierschutzorganisation. In einer Stellungnahme gegenüber der Merkur-Mediengruppe erklärte der Zoo, das kopfüber gezeigte Verhalten könne bei Delfinen verschiedene Bedeutungen haben. Genannt wurden unter anderem Entspannung, Spielverhalten und die Wahrnehmung der Umgebung mit Sonar.
Der Tiergarten stellt die Haltung der Tiere zudem in den Zusammenhang von Forschung, Bildung und Artenschutz. Tierschutzorganisationen sehen genau darin seit Jahren einen zentralen Streitpunkt. Sie halten Delfinarien grundsätzlich nicht für geeignet, den Bedürfnissen hochsozialer Meeressäuger gerecht zu werden. Der Konflikt reicht damit deutlich über die aktuellen Videoaufnahmen hinaus.
PETA kritisiert Delfinarien auch mit dem Hinweis, Delfine würden in menschlicher Obhut teils mit Psychopharmaka behandelt. Für eine aktuelle Gabe solcher Mittel an die Nürnberger Delfine lag zunächst keine unabhängige Bestätigung vor. Auch behördliche Angaben dazu waren zunächst nicht ersichtlich. Deshalb lässt sich dieser Punkt für Nürnberg nicht als feststehender Sachverhalt formulieren.
Sauber belegbar ist, dass PETA diesen Aspekt in der allgemeinen Kritik an Delfinarien nennt. Nicht belegt ist hingegen, dass die in Nürnberg aktuell gehaltenen Tiere im Zusammenhang mit den neuen Aufnahmen mit Beruhigungs- oder Psychopharmaka ruhiggestellt worden seien. Eine solche Zuspitzung wäre ohne konkrete Nachweise zu weitgehend.
In Deutschland gibt es nach Angaben von Tierschutzorganisationen nur noch zwei Einrichtungen mit Delfinhaltung: den Tiergarten Nürnberg und den Zoo Duisburg. Dort werden Große Tümmler gehalten. WDC und PETA fordern seit Jahren die Schließung der Anlagen und verweisen auf Alternativen wie Schutzgebiete oder Meeresrefugien.
Die Zoos verteidigen die Haltung dagegen mit Verweisen auf tiermedizinische Betreuung, Forschung, Bildungsarbeit und den direkten Kontakt zwischen Besuchern und Tieren. Der Streit um die Delfinlagune in Nürnberg steht damit für eine größere Debatte über die Zukunft von Delfinarien in Europa. Die Wiedereröffnung der sanierten Anlage hat diese Diskussion neu sichtbar gemacht.
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