
Münster. Der Übergang von der Schule in den Beruf wird für Jugendliche oft erst greifbar, wenn sie echte Betriebe kennenlernen. Genau dort setzt eine neue Kooperation in Münster an: Die Mathilde Anneke Gesamtschule arbeitet künftig mit der tubus Carrier Systems GmbH zusammen, einem Unternehmen aus der Fahrradbranche.
Die Partnerschaft wurde im Rahmen des IHK-Projekts „Partnerschaft Schule-Betrieb“ geschlossen. Damit soll die Berufsorientierung an der Schule praxisnäher werden, während tubus frühzeitig mit möglichen Nachwuchskräften in Kontakt kommt. Nach Angaben der IHK Nord Westfalen steigt die Zahl solcher Kooperationen in Münster damit auf 103. Für die Mathilde Anneke Gesamtschule und tubus ist es jeweils die fünfte Partnerschaft innerhalb der IHK-Initiative.
Viele Schülerinnen und Schüler kennen Ausbildungsberufe zunächst nur aus Gesprächen, Internetrecherchen oder Schulmaterialien. Die neue Kooperation soll diesen Abstand verringern. Künftig können Jugendliche der Mathilde Anneke Gesamtschule den Betrieb von tubus bei Besichtigungen und Betriebsrallyes kennenlernen. Dabei geht es nicht nur darum, Produktionsräume zu sehen. Vielmehr sollen sie erfahren, welche Berufe hinter einem Unternehmen stehen, wie Ausbildung im Alltag aussieht und welche Fähigkeiten im Betrieb gebraucht werden.
Für Münster ist diese Form der Berufsorientierung relevant, weil viele Unternehmen um Nachwuchs werben. Gleichzeitig stehen Jugendliche vor der Frage, welcher Weg nach der Schule zu ihnen passt. Wenn ein Betrieb direkt in die Schule kommt oder Klassen in den Betrieb einlädt, entstehen niedrigschwellige Einblicke. Dadurch können Interessen früher sichtbar werden. Außerdem bekommen Lehrkräfte und Eltern ein aktuelleres Bild davon, welche Möglichkeiten der Ausbildungsmarkt bietet.
Die IHK Nord Westfalen beschreibt das persönliche Kennenlernen als zentralen Punkt des Projekts. Unternehmen können Talente entdecken, während Schülerinnen und Schüler eigene Stärken besser einschätzen lernen. Gerade bei technischen oder handwerklich geprägten Berufen kann ein solcher Praxiskontakt entscheidend sein, weil viele Tätigkeiten erst verständlich werden, wenn man sie vor Ort erlebt.
tubus Carrier Systems ist seit mehr als vier Jahrzehnten in Münster tätig und produziert Gepäckträgersysteme für Fahrräder aus Stahl und Titan. Zum Sortiment gehören unter anderem Vorderrad- und Hinterradträger für Reise- und Tourenräder, Zubehör für Bikepacking sowie Systemgepäckträger. Für die Berufsorientierung ist das Unternehmen deshalb interessant, weil es Jugendlichen einen Einblick in industrielle Produktion, technische Abläufe und betriebliche Organisation geben kann.
Ein wichtiger Bestandteil der Kooperation sind Ausbildungsbotschafterinnen und Ausbildungsbotschafter. Auszubildende von tubus sollen in die Klassen kommen und aus ihrem Arbeitsalltag berichten. Das kann für Schülerinnen und Schüler besonders hilfreich sein, weil der Austausch auf Augenhöhe stattfindet. Wer noch selbst in der Ausbildung ist, kann oft sehr konkret erklären, wie der Einstieg gelingt, welche Aufgaben warten und welche Erwartungen im Betrieb bestehen.
Auch Bewerbungstrainings sind vorgesehen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von tubus bringen dabei ihr Wissen aus der Praxis ein. So kann die Schule ihre Berufsorientierung um Erfahrungen aus einem echten Unternehmen erweitern. Laut tubus geht es einerseits darum, Jugendliche für einen direkten Berufseinstieg nach der Schule zu gewinnen. Andererseits sollen sie verschiedene Berufe kennenlernen, Interessen entdecken und eigene Talente weiterentwickeln.
Die neue Kooperation ist Teil des Projekts „Partnerschaft Schule-Betrieb“ der IHK Nord Westfalen. Ziel ist es, Schulen und Unternehmen systematisch zusammenzubringen. Davon profitieren beide Seiten. Schulen können ihre Angebote zur Berufsorientierung praxisnäher gestalten, während Betriebe frühzeitig Kontakte zu jungen Menschen knüpfen. Gerade in Zeiten des Fachkräftebedarfs wird diese Verbindung wichtiger.
Schulleiterin Birgit Wenninghoff sieht in der Zusammenarbeit eine Möglichkeit, den Weg der Jugendlichen ins Berufsleben zu erleichtern. Gespräche mit Ausbilderinnen, Ausbildern und Auszubildenden können einen realistischen Eindruck davon vermitteln, wie Arbeitswelt funktioniert. Das ist besonders dann wertvoll, wenn Schülerinnen und Schüler noch unsicher sind, welche berufliche Richtung sie einschlagen möchten.
Die IHK Nord Westfalen bietet Schulen und Unternehmen in ihrem Bezirk Unterstützung an, wenn sie solche Kooperationen aufbauen wollen. Ansprechpartnerin für das Projekt im Münsterland ist Melanie Vennemann. Die neue Partnerschaft zwischen tubus und der Mathilde Anneke Gesamtschule zeigt, wie Berufsorientierung in Münster konkreter werden kann. Sie führt Jugendliche näher an die Arbeitswelt heran und gibt Unternehmen die Chance, frühzeitig für Ausbildung zu werben.
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