
Der Elektroauto-Hersteller Polestar steht vor einem deutlichen Einschnitt im US-Geschäft. Das Unternehmen teilte mit, dass es von der zuständigen US-Behörde keine Genehmigung erhalten habe, Fahrzeuge ab dem Modelljahr 2027 weiter in den Vereinigten Staaten zu verkaufen. Hintergrund ist die sogenannte Connected Vehicle Rule, mit der die USA vernetzte Fahrzeugtechnik mit Bezug zu China oder Russland einschränken. Polestar reagiert darauf mit einer stärkeren Ausrichtung auf Europa, wo das Unternehmen bereits den größten Teil seiner Verkäufe erzielt.
Offiziell bestätigt war zunächst nur, dass die US-Behörde Polestar nach Unternehmensangaben keine Genehmigung nach der Connected Vehicle Rule erteilt hat. Die Regel soll den Verkauf bestimmter vernetzter Fahrzeuge mit Software oder Hardware aus China oder Russland begrenzen. Sie betrifft ab dem Modelljahr 2027 vor allem Software und ab 2030 auch bestimmte Hardwarekomponenten. Polestar ist in Schweden ansässig, steht aber in enger Verbindung zum chinesischen Geely-Konzern. Genau diese Eigentümerstruktur ist für die Einordnung der US-Regel zentral.
Für bereits vorhandene Fahrzeuge in den USA bedeutet die Entscheidung nach Angaben von Polestar zunächst kein sofortiges Verkaufsende. Das Unternehmen will vorhandene Bestände der Modelle Polestar 3 und Polestar 4 weiter verkaufen. Auch bestehende Kunden sollen weiter Zugang zum Servicenetz erhalten. Damit geht es nicht um einen kompletten Rückzug aus der Kundenbetreuung, sondern um die Frage, ob Polestar neue Fahrzeuge ab dem Modelljahr 2027 in den USA anbieten darf. Die genauen Folgen für Produktionspläne blieben zunächst offen.
Polestar stellt die Entscheidung als Anlass dar, die eigene Strategie stärker auf Europa auszurichten. Der Markt ist für den Hersteller bereits heute entscheidend. Nach Unternehmensangaben entfiel im ersten Quartal 2026 ein großer Teil der weltweiten Verkäufe auf Europa. Insgesamt kamen 94 Prozent der Auslieferungen aus Märkten außerhalb der USA. Polestar will das Händlernetz ausbauen und die Produktion künftiger Modelle stärker regionalisieren. Geplant ist unter anderem, den kompakten Polestar 7 in Europa zu fertigen.
Die Lage des Unternehmens bleibt angespannt. Im ersten Quartal 2026 verkaufte Polestar 13.126 Fahrzeuge und damit sieben Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz lag bei 633 Millionen Dollar und damit nur leicht über dem Vorjahreswert. Gleichzeitig meldete Polestar einen Nettoverlust von 383 Millionen Dollar. Die Bruttomarge rutschte ins Minus. Als Belastungsfaktoren nannte das Unternehmen unter anderem Preisdruck, Zölle, Währungseffekte und eine veränderte Modellmischung. Auch die Liquidität sank gegenüber Ende 2025 deutlich.
An der Börse sorgte die Nachricht für Druck auf die Polestar-Aktie. Reuters berichtete am Donnerstag von einem deutlichen Minus im US-Handel. Solche Kursbewegungen sind bei kleineren, stark wachstumsabhängigen Elektroauto-Herstellern nicht ungewöhnlich, wenn politische oder regulatorische Risiken sichtbar werden. Eine Anlageempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten. Für Polestar ist die Entscheidung vor allem strategisch relevant: Der US-Markt war zuletzt kleiner als Europa, gilt aber international als wichtiger Referenzmarkt für Autohersteller.
Der Fall Polestar zeigt, wie stark die Elektromobilität inzwischen von geopolitischen Regeln geprägt ist. Es geht nicht mehr nur um Batterien, Preise oder Ladeinfrastruktur, sondern auch um Daten, Software, Lieferketten und nationale Sicherheitsinteressen. Für chinesisch geprägte Hersteller werden westliche Märkte damit komplizierter. Zugleich geraten europäische und amerikanische Autobauer unter Druck, ihre Lieferketten transparenter zu machen. Polestar muss nun zeigen, ob ein stärkerer Europa-Fokus reicht, um Wachstum und Finanzierung auf eine stabilere Grundlage zu stellen.
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