
Der Ausblick für die IBM-Aktie hat sich am 14. Juli binnen Stunden deutlich eingetrübt. Der US-Technologiekonzern veröffentlichte überraschend ausgewählte vorläufige Zahlen für das zweite Quartal. Umsatz und bereinigter Gewinn blieben unter dem Marktkonsens; die Aktie mit dem Ticker IBM reagierte an der New York Stock Exchange mit einem Einbruch um rund ein Viertel. Damit rücken der vollständige Quartalsbericht am 22. Juli, die Jahresprognose und die Belastbarkeit der KI- und Hybrid-Cloud-Strategie in den Mittelpunkt.
Im frühen New Yorker Handel notierte IBM bei rund 217 US-Dollar, etwa 25 Prozent unter dem Schlusskurs vom Vortag bei 290,23 Dollar. Der Kursverlauf der vergangenen drei Monate zeigt die abrupte Neubewertung: Am 14. April lag der Schlusskurs bei 240,27 Dollar, am 13. Mai fiel die Aktie zeitweise auf 212,34 Dollar, bevor sie am 2. Juni mit 332,46 Dollar ein Rekordhoch erreichte. Bis zum 13. Juli stand noch ein Drei-Monats-Plus von knapp 21 Prozent zu Buche; nach dem Einbruch liegt die Bilanz etwa 10 Prozent im Minus. Vom Juni-Hoch beträgt der Rückgang rund 35 Prozent.
Im ersten Quartal steigerte IBM den Umsatz um 9 Prozent auf 15,92 Milliarden Dollar; währungsbereinigt betrug das Wachstum 6 Prozent. Der GAAP-Gewinn je Aktie erhöhte sich um 14 Prozent auf 1,28 Dollar, der operative Gewinn je Aktie um 19 Prozent auf 1,91 Dollar. Software erlöste 7,05 Milliarden Dollar und wuchs um 11 Prozent, das Infrastruktursegment kam auf 3,33 Milliarden Dollar und legte um 15 Prozent zu. Der freie Cashflow stieg auf 2,22 Milliarden Dollar. IBM stellte für 2026 mehr als 5 Prozent währungsbereinigtes Umsatzwachstum und rund 1 Milliarde Dollar zusätzlichen freien Cashflow in Aussicht.
Vor der Vorabmeldung rechnete der FactSet-Konsens mit 17,86 Milliarden Dollar Quartalsumsatz und 3,01 Dollar bereinigtem Gewinn je Aktie. IBM nennt nun vorläufig 17,2 Milliarden Dollar Umsatz, ein Plus von lediglich 1 Prozent, sowie 2,93 Dollar operativen Gewinn je Aktie. Software wuchs um 5 Prozent, Consulting stagnierte und das Infrastruktursegment schrumpfte um 7 Prozent. Als Gründe nennt das Management schwächere Z-Mainframe-Umsätze, verzögerte Großabschlüsse und eine kurzfristige Verlagerung der Kundenbudgets zu Servern, Speichersystemen und Memory-Komponenten. Die endgültigen Zahlen und Aussagen zum Gesamtjahr folgen am 22. Juli um 17 Uhr US-Ostküstenzeit beziehungsweise 23 Uhr MESZ.
watsonx Orchestrate soll Modelle, Agenten und Arbeitsabläufe über unterschiedliche Umgebungen hinweg steuern und Governance ermöglichen. Red Hat OpenShift bildet die offene technische Schicht für Anwendungen und KI in öffentlichen, privaten und souveränen Clouds sowie im eigenen Rechenzentrum. Im Q1 wuchs Red Hat um 13 Prozent beziehungsweise 10 Prozent währungsbereinigt; OpenShift erreichte einen jährlich wiederkehrenden Umsatz von 2 Milliarden Dollar.
In den vorläufigen Q2-Zahlen beschleunigte sich Red Hat auf 11 Prozent. Mit IBM Bob erweitert der Konzern das Angebot zudem um Multi-Agenten-Funktionen und standardisierte Workflows zur Modernisierung von Mainframe-, IBM-i- und Java-Anwendungen.
Die jüngsten sichtbaren Kursziele liegen nach dem Ausverkauf deutlich über dem Marktpreis, stammen aber teils aus der Zeit vor der Q2-Warnung. Goldman Sachs führte IBM am 5. Mai mit Buy und 335 Dollar. Morgan Stanley setzte am 14. Juli 293 Dollar bei Equalweight an, JPMorgan hob die Aktie am 23. Juni auf Overweight mit 291 Dollar an. Bei rund 217 Dollar entspräche das rechnerisch etwa 34 bis 54 Prozent Potenzial. Der Durchschnitt von 18 Analystenzielen lag bei 303,83 Dollar. Nach der Vorabmeldung dürften weitere Revisionen folgen.
Die zuletzt ausgezahlte IBM-Quartalsdividende beträgt 1,69 Dollar je Aktie. Auf das Jahr hochgerechnet sind das 6,76 Dollar und beim aktuellen Kurs eine Rendite von rund 3,1 Prozent. 2026 war das 31. Jahr in Folge mit einer Dividendenerhöhung; Quartalsdividenden fließen seit 1916. Für Anleger bleibt die Ausschüttung ein Stabilisator. Der weitere Aktienausblick hängt nun aber vor allem davon ab, ob IBM am 22. Juli die Schwäche bei Software und Mainframes als vorübergehend einordnen kann und ob das Management die Jahresziele anpasst.
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