Streit um „Keine Angst“: ZDF sagt Auftritt in „Die Anstalt“ ab

Helen Dorn Verdammte Familie – ZDF Krimi heute Abend
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Das ZDF hat einen geplanten Auftritt von Danger Dan und Igor Levit in der Jubiläumsausgabe der Satiresendung „Die Anstalt“ kurzfristig gestrichen. Der Sender sieht im Text des neuen Liedes „Keine Angst“ einen möglichen Aufruf zu Gewalt. Die Musiker und das Team der Sendung widersprechen dieser Bewertung deutlich.

ZDF verweist auf seine Programmrichtlinien

Danger Dan sollte sein neues Lied in der 100. Ausgabe von „Die Anstalt“ vortragen, begleitet von Igor Levit am Klavier. Anschließend war eine inhaltliche Diskussion über das Stück vorgesehen. Die Sendung beschäftigt sich mit wachsender politischer Radikalisierung und der Wehrhaftigkeit der Demokratie.

Nach Angaben des ZDF kam eine redaktionelle Prüfung unter Beteiligung der Geschäftsleitung jedoch zu dem Ergebnis, der Text könne als Aufruf zu Gewalt verstanden werden. Dies stehe im Widerspruch zu den Programmrichtlinien. Deshalb wurde die mehr als sieben Minuten lange Live-Performance aus dem Ablauf genommen.

Künstler sprechen von Eingriff in die Kunstfreiheit

Danger Dan und Igor Levit erklärten in einem gemeinsamen Beitrag, die Absage sei erst kurz vor der Aufzeichnung erfolgt. Sie werteten die Entscheidung als Eingriff in die Meinungs- und Kunstfreiheit. Nach ihrer Darstellung hatte der Text dem Sender bereits seit Wochen vorgelegen. Außerdem habe der ZDF-Justiziar zuvor grünes Licht gegeben.

Eine unabhängige Bestätigung für diesen internen Ablauf lag zunächst nicht vor. Das ZDF bestätigte lediglich, dass seine Geschäftsleitung an der abschließenden Bewertung beteiligt war. Der Sender bedauerte später gegenüber dem Management die Kurzfristigkeit der Absage.

Team der „Anstalt“ distanziert sich

Auch innerhalb der Sendung stieß die Entscheidung auf Widerspruch. Das Team von „Die Anstalt“ erklärte öffentlich, es distanziere sich von der Absage und halte sie angesichts zunehmender rechtsextremer Gewalt für mutlos. Nach Auffassung der Redaktion hätte der öffentlich-rechtliche Auftrag darin bestanden, das Lied zu zeigen und anschließend darüber zu diskutieren.

Ein ausführlicheres Statement kündigte die Sendung für die Jubiläumsausgabe an. Das ZDF hält dagegen an seiner Entscheidung fest und weist den Vorwurf der Zensur zurück.

Song beschreibt Organisation und Konfrontation

„Keine Angst“ wurde am Freitag, 17. Juli, veröffentlicht. Der Text richtet sich gegen Rechtsextremismus und beschreibt unter anderem den Aufbau antifaschistischer Gruppen, die Recherche zu rechten Strukturen, verdeckte Kommunikation und Maßnahmen, mit denen Beteiligte keine Spuren hinterlassen sollen. Zudem enthält das Lied Passagen über Training, gemeinsames Kämpfen und die Vorbereitung auf mögliche Konfrontationen.

Welche konkreten Zeilen für die Bewertung des ZDF ausschlaggebend waren, teilte der Sender zunächst nicht mit. Das ZDF kündigte an, sich an anderer Stelle dokumentarisch und journalistisch mit dem Lied zu beschäftigen.

Konflikt überschattet die 100. Ausgabe

Die Jubiläumsausgabe von „Die Anstalt“ soll am Dienstag, 21. Juli 2026, um 22.15 Uhr ausgestrahlt werden. Das Format verbindet politisches Kabarett mit erklärenden und faktenorientierten Elementen. Der Streit macht nun einen grundlegenden Konflikt sichtbar: Die Sendungsredaktion wollte das provokante Werk im Programm präsentieren und diskutieren, während die ZDF-Geschäftsleitung darin ein nicht auflösbares Risiko für die eigenen Programmgrundsätze sah.

Danger Dan und Igor Levit sind bereits mehrfach gemeinsam im ZDF aufgetreten. 2021 spielten sie bei „ZDF Magazin Royale“ das Lied „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“. 2022 kürzte das ZDF bei der Übertragung des „Opus Klassik“ einen Teil von Danger Dans Laudatio auf Levit und veröffentlichte die vollständige Fassung später nach Kritik.

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