
Mozart, eine Berliner Neuproduktion und ein Comedian in einer zentralen Sprechrolle: 3sat zeigt am Samstagabend Wolfgang Amadeus Mozarts Singspiel „Die Entführung aus dem Serail“ aus der Staatsoper Unter den Linden. Im Mittelpunkt der Inszenierung von Andrea Moses steht Bülent Ceylan. Er übernimmt nicht nur die Rolle des Bassa Selim, sondern kommentiert Teile des Geschehens auch aus seiner eigenen Perspektive.
Wer Die Entführung aus dem Serail heute im TV sehen möchte, bekommt damit keine konventionelle historische Aufführung geboten. Die Berliner Produktion verbindet Mozarts Musik und die ursprüngliche Handlung mit neu geschriebenen Moderationen, gegenwärtigen Themen und Elementen aus Ceylans Bühnenprogrammen.
3sat zeigt „Die Entführung aus dem Serail“ heute, am Samstag, 25. Juli 2026, von 20.15 bis 22.55 Uhr. Die 160 Minuten lange Fernsehfassung ist Teil des 3satFestspielsommers und wird als Erstausstrahlung angekündigt. Die Aufzeichnung stammt aus der Staatsoper Unter den Linden in Berlin. Die Fernsehregie übernahm Andreas Morell.
Die Produktion steht am Ausstrahlungstag außerdem in der 3sat-Mediathek zur Verfügung. Nach den Programmangaben soll sie dort in Deutschland, Österreich und der Schweiz bis zum 21. Januar 2027 abrufbar bleiben. Die Bühnenfassung dauert nach Angaben der Staatsoper rund drei Stunden und zehn Minuten einschließlich einer Pause.
Bei der gezeigten Inszenierung handelt es sich um eine Neuproduktion der Staatsoper Unter den Linden. Ihre Premiere fand am 27. Juni 2026 statt. Weitere Aufführungen folgten Anfang Juli. Mehrere Vorstellungen wurden für Radio und Fernsehen aufgezeichnet.
Bülent Ceylan spielt Bassa Selim. Die Figur ist keine Gesangs-, sondern eine Sprechrolle. Ceylan muss daher keine Mozart-Arien übernehmen. Die Berliner Inszenierung erweitert seinen Part allerdings deutlich. Der Comedian steht nicht nur als Herrscher des Serails auf der Bühne, sondern tritt zeitweise auch als er selbst auf und ordnet Handlung, Text und Musik aus wechselnden Blickwinkeln ein.
Die Neufassung der gesprochenen Passagen und die zusätzlichen Moderationen entwickelten Bülent Ceylan, Regisseurin Andrea Moses und Dramaturg Michael Höppner. Grundlage bleibt der ursprüngliche Text von Johann Gottlieb Stephanie. Elemente aus Ceylans Comedyprogrammen werden damit Teil des Singspiels, ohne die musikalischen Nummern Mozarts zu ersetzen.
Bassa Selim eignet sich für dieses Konzept besonders, weil die Figur bereits in Mozarts Werk nicht singt. In der Berliner Fassung begleitet Ceylan das Bühnengeschehen über weite Strecken. Die Inszenierung nutzt zudem die Verbindung zwischen der Opernfigur, die zwischen unterschiedlichen kulturellen Welten steht, und Ceylans eigener Beschäftigung mit deutschen und türkischen Zuschreibungen.
„Die Entführung aus dem Serail“ ist ein Singspiel in drei Akten. Mozart komponierte das Werk für Wien, wo es 1782 uraufgeführt wurde. Typisch für die Gattung ist der Wechsel zwischen musikalischen Nummern und gesprochenen Dialogen. Auf virtuose Arien folgen Ensembles, Chorszenen und Schauspielpassagen.
Im Zentrum steht Belmonte, der nach seiner Verlobten Konstanze sucht. Sie wurde gemeinsam mit ihrer Zofe Blonde und dem Diener Pedrillo verschleppt und befindet sich im Serail von Bassa Selim. Belmonte versucht, Zugang zu dem abgeschirmten Ort zu erhalten und die Gefangenen zu befreien.
Dabei trifft er auf Osmin, den misstrauischen Aufseher des Serails. Während Konstanze dem Werben Bassa Selims widersteht, arbeiten Belmonte und Pedrillo an einem Fluchtplan. Die Handlung verbindet eine Rettungsgeschichte mit Konflikten um Liebe, Macht, Freiheit, Vorurteile und den Umgang mit Fremden. Wie der Versuch endet, wird an dieser Stelle nicht vorweggenommen.
Die musikalische Leitung der Berliner Neuproduktion liegt bei Thomas Guggeis. Es spielen die Staatskapelle Berlin und der Staatsopernchor, dessen Einstudierung Gerhard Polifka übernahm.
Neben Bülent Ceylan als Bassa Selim ist Adela Zaharia als Konstanze zu erleben. Serafina Starke singt Blonde, Siyabonga Maqungo übernimmt Belmonte, Michael Laurenz spielt Pedrillo und David Steffens verkörpert Osmin.
Für das szenische Erscheinungsbild zeichnet Bühnenbildner Raimund Bauer verantwortlich. Die Kostüme stammen von Anja Rabes, das Videodesign von Andrea Gabriel und das Licht von Irene Selka. Andrea Moses führt Regie. Die Fernsehbilder wurden unter der Regie von Andreas Morell gestaltet.
Andrea Moses verlegt die Handlung nicht in ein traditionell dargestelltes historisches Serail. Die Produktion spielt auf einer modernen Luxusyacht. Gleichzeitig werden Bilder einer beweglichen Kamera live auf große Flächen im Bühnenraum übertragen. Dadurch wechseln klassische Opernszenen, Nahaufnahmen und direkte Ansprachen an das Publikum einander ab.
Inhaltlich richtet die Inszenierung den Blick auf Identität, kulturelle Zugehörigkeit, Rollenbilder und Vorurteile. Bülent Ceylan greift diese Themen in seinen Moderationen auf und verbindet sie mit persönlichen und gesellschaftlichen Beobachtungen. Die Staatsoper beschreibt die Produktion ausdrücklich als Verbindung von Oper und Comedy.
Die Premiere am 27. Juni wurde unterschiedlich aufgenommen. Während die musikalische Seite und die Besetzung Anerkennung fanden, stießen die häufigen Comedy-Einschübe bei Teilen des Publikums auch auf Widerspruch. Damit gehört die Aufführung zu den bewusst gegenwartsbezogenen Opernproduktionen, die ein bekanntes Werk nicht nur neu bebildern, sondern seine gesprochenen Teile grundlegend bearbeiten und um aktuelle Kommentare erweitern.
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