KI-Boom treibt Siemens zu Rekordaufträgen, Aktie fällt trotzdem

KI-Boom treibt Siemens zu Rekordaufträgen, Aktie fällt trotzdem
Symbolbild mit KI erstellt

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Rekordaufträge, ein Rekordgewinn im Industriegeschäft und eine höhere Jahresprognose: Die Siemens Quartalszahlen München fallen auf den ersten Blick ausgesprochen stark aus. Der Technologiekonzern verbuchte im dritten Geschäftsquartal einen Auftragseingang von 27,9 Milliarden Euro und profitierte besonders von der wachsenden Nachfrage nach Infrastruktur für Rechenzentren und Künstliche Intelligenz. An der Börse überwog am Donnerstag, 6. August 2026, trotzdem die Enttäuschung. Die Siemens-Aktie verlor zum Handelsschluss rund 4,5 Prozent.

Siemens Quartalszahlen 2026 bringen mehrere Rekorde

Der Auftragseingang von Siemens erreichte im Zeitraum April bis Juni 27,9 Milliarden Euro. Nominal waren das 13 Prozent mehr als im Vorjahresquartal, auf vergleichbarer Basis lag der Zuwachs bei 14 Prozent. Der Umsatz erhöhte sich nominal um sieben Prozent auf 20,8 Milliarden Euro. Vergleichbar gerechnet betrug das Wachstum acht Prozent.

Besonders deutlich legte das Industriegeschäft zu. Der Gewinn erreichte rund 3,5 Milliarden Euro und damit einen neuen Quartalsrekord. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Plus von 25 Prozent. Auch der freie Cashflow verbesserte sich stark und stieg um 42 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro. Der Nettogewinn erreichte nach Siemens-Angaben rund 2,6 Milliarden Euro.

Siemens KI-Boom sorgt für starke Nachfrage aus Rechenzentren

Ein wesentlicher Wachstumstreiber ist die weltweite Expansion von Rechenzentren. Besonders Smart Infrastructure profitiert davon, dass für KI-Anwendungen immer größere Rechenkapazitäten und entsprechende Energieinfrastruktur benötigt werden. Im Geschäft mit Rechenzentren verzeichnete Siemens während der ersten neun Monate des Geschäftsjahres ein prozentual dreistelliges Auftragswachstum.

Laut Reuters arbeitet Siemens mittlerweile mit neun der zehn größten Rechenzentrumsbetreiber weltweit zusammen. Der Siemens KI-Boom zeigt sich besonders bei Smart Infrastructure. Siemens erhöhte deshalb den Jahresausblick für die Sparte und erwartet nun ein vergleichbares Umsatzwachstum von zehn bis elf Prozent. Zuvor lag die Prognose bei acht bis zehn Prozent.

Siemens Digital Industries steigert Gewinn deutlich

Auch Digital Industries verbesserte sein Ergebnis kräftig. Der Umsatz der Sparte erreichte 4,93 Milliarden Euro. Der Gewinn erhöhte sich gegenüber dem Vorjahresquartal um 44 Prozent auf 923 Millionen Euro. Gleichzeitig legten die Bestellungen auf vergleichbarer Basis um neun Prozent auf 4,85 Milliarden Euro zu.

Genau beim Auftragseingang lag allerdings einer der entscheidenden Schwachpunkte aus Sicht der Börse. Analysten hatten laut Wall Street Journal bei Digital Industries im Durchschnitt mit einem vergleichbaren Auftragswachstum von rund 11,7 Prozent gerechnet. Die tatsächlichen neun Prozent blieben darunter. Damit erfüllten die Siemens Quartalszahlen 2026 zwar viele Erwartungen oder übertrafen sie, in einem für Investoren wichtigen Bereich reichte die Entwicklung jedoch nicht an die hohen Marktprognosen heran.

Siemens Aktie fällt trotz Rekordgewinn deutlich

Die Reaktion an der Börse fiel entsprechend negativ aus. Die Siemens Aktie war bereits nach Veröffentlichung der Zahlen unter Druck geraten und verlor zeitweise mehr als fünf Prozent. Im Tagesverlauf sank der Kurs bis auf rund 267,40 Euro. Am Mittwoch hatte das Papier noch bei 285,95 Euro geschlossen. Damit erreichte das zwischenzeitliche Minus rund 6,5 Prozent.

Bis zum Xetra-Handelsschluss erholte sich die Aktie wieder etwas und schloss bei rund 273,10 Euro. Gegenüber dem Vortag entsprach das einem Minus von 4,5 Prozent. Bemerkenswert war die Entwicklung auch im Vergleich zum Gesamtmarkt: Während Siemens deutlich nachgab, bewegte sich der breite europäische Aktienmarkt nach oben. Der Stoxx 600 gewann am Donnerstag 0,2 Prozent. Reuters führte Siemens mit einem Minus von 4,5 Prozent unter den schwächeren großen europäischen Werten des Tages.

Siemens hebt Gewinnprognose für 2026 an

Ungeachtet der negativen Börsenreaktion hat Siemens nach dem starken Quartal seinen Ausblick angehoben. Für das gesamte Geschäftsjahr erwartet der Konzern beim Gewinn je Aktie vor Kaufpreisallokation nun 11,20 bis 11,50 Euro. Zuvor hatte Siemens mit 10,70 bis 11,10 Euro gerechnet.

Beim vergleichbaren Umsatzwachstum des Gesamtkonzerns bleibt Siemens bei seiner Prognose von sechs bis acht Prozent. Die Siemens Quartalszahlen München zeigen damit einen ungewöhnlichen Gegensatz: Operativ erreicht der Konzern bei Aufträgen und Industriegewinn Rekordwerte und erhöht seine Gewinnprognose. An der Börse reichen diese Ergebnisse trotzdem nicht aus, weil Anleger insbesondere an Digital Industries noch höhere Erwartungen gestellt hatten.

Quellen: Siemens AG, Siemens Investor Relations, Reuters, Wall Street Journal, Börsenkursdaten vom 6. August 2026.

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