
Anfang April 2025 brauchte es keine großen Worte, um die Märkte in Aufruhr zu versetzen. Trumps Zollpaket traf die globale Wirtschaft wie ein Schuss vor den Bug. Innerhalb weniger Tage verlor der DAX über 2.000 Punkte, deutsche Exportprognosen sowie Lieferketten wurden kurzerhand in Frage gestellt. Europa hielt den Atem an, während viele Unternehmen einfach schwiegen. Weder ein klares Bekenntnis noch eine Positionierung – offensichtlich automatisch aus dem Bauch heraus. Doch das stille Abwarten, bis der Sturm sich wieder legt, hilft nichts mehr. Die Unruhe bleibt verbindlich erhalten.
Der Glaube, dass Zurückhaltung eine sichere Strategie in Krisenzeiten darstellt, passt nicht mehr zu den Spielregeln, die heutzutage vonnöten sind, um am Markt zu bestehen. Schweigen symbolisiert ungewollt fehlende Haltung, quasi eine Stille mit dem Hinweis darauf, dass hinter der Fassade nichts existiert, was es zu schützen gilt.
Allein geopolitische Polarisierung, Handelskonflikte oder gesellschaftliche Debatten zeigen, dass Nicht-Positionierung deutlich mehr zu Tage tritt als unmissverständliche Stellungnahmen. Vor diesem Hintergrund stellt sich eine essentiell wichtige Frage: Beweist ein Unternehmen sich mit klarer Gesinnung und Standpunkten oder überlässt es besser anderen die Bühne, um die Lücke zu füllen?
Reiner Schmidt, Managementberater und Experte für Sinnökonomie, formuliert kurz und bündig: „Die Wirtschaft der Werte ist da. Nur Firmen, die sich glaubhaft damit auseinandersetzen, werden es künftig noch schaffen, Mitarbeiter zu finden, sie zu binden und ihre Kunden zu halten.“
Nun appelliert der Wirtschaftsmarkt nicht an das gute Gewissen derjenigen, die sich in diesem bewegen. Vielmehr zeigt er nüchterne Statistiken auf: Laut Handelsblatt-Umfragen haben bereits 65 Prozent der Befragten Markenprodukte boykottiert, weil ihnen die gesellschaftliche Haltung des Unternehmens nicht gefällt.
83 Prozent der Millennials erwarten eine enge Verbindung von Produkten mit echten Werten. Und für 68 Prozent aller Angestellten kommt ein Jobwechsel in Frage, sobald sich die Werte der jeweiligen Firma zu weit von den eigenen Haltungen entfernen – sowohl in sozialer als auch kultureller Hinsicht.
Laut Reiner Schmidt eine “absolute Bombe”, die parallel den Fachkräftemangel zunehmend verschärft. Betriebsinhaber, die verzweifelt nach Kräften suchen, sich gleichzeitig aber nicht ihrer Unternehmensethik und Werteführung widmen, sägen an dem Ast, auf dem sie sitzen.
Basis des Übels ist ein klassischer Denkfehler. Solange wertebasiertes Führen als kalkulatorische Ausgabe betrachtet wird, mit entsprechender Erwartung eines Return on Investment, funktioniert das System nicht.
Experte Schmidt rät, sich konkret einer wesentlichen Frage zu stellen: „Was passiert, wenn aufgrund meiner Einstellung zehn Mitarbeiter davonlaufen?“ Sehr deutlich zeigt sich das zum Beispiel im Bereich des Gesundheitsmanagements. Eine Investition in Teamevents oder gesundheitliche Benefits ist in harten Zeiten nur schwer zu rechtfertigen, doch wenn die Krankheitstage aufgrund fehlender Maßnahmen für das Wohlbefinden von Mitarbeitern in die Höhe schießen, werden finanzielle Einbußen klar deutlich und übersteigen die versäumte Investition um ein Vielfaches.
Führung mit echten Werten bedeutet, Entscheidungen zu treffen, die im Moment unbequem erscheinen, aber auf Dauer Vertrauen aufbauen. Das schließt die Wahl der Kunden sowie eine öffentliche Kommunikation in Krisenzeiten ein. In diesem Kontext ist eine weitere Frage von nicht unerheblicher Relevanz: Gelten die intern proklamierten Werte auch dann, wenn sie Kosten verursachen? Ein wesentlicher Punkt, denn hier liegt der Unterschied zwischen echter Haltung und Fassade.
Das diesbezügliche Statement von Reiner Schmidt fällt unmissverständlich aus: „Greenwashing ist für mich ein Grund zur Ablehnung eines Beratungsvertrages. Vor allem durch Social Media und KI fliegen solche Dinge relativ früh auf.“
Eine derartige Einstellung hat mit Belehrung wenig zu tun, es ist vielmehr unternehmerischer Realismus. Kostet das Charity-Event 80.000 Euro und am Ende hält das Unternehmen stolz eine 2.000-Euro-Spende vor die Kamera, entsteht automatisch ein Glaubwürdigkeitsproblem. Das Verhältnis passt nicht, und das Publikum sieht es auf einen Blick.
Millennials und Generation Z stellen sowohl gegenwärtig als auch in nächster Zukunft Arbeitnehmer, Kunden oder Meinungsführer dar. Um ihre Grundbedürfnisse werden längst keine täglichen Kämpfe mehr ausgefochten. Sie beschäftigen sich stattdessen mit der Frage, was noch besser gemacht werden kann. Hieraus entstehen wachsende Konsequenzen für Marken, Unternehmer und deren Führungskräfte. Sofern niemand eine Antwort geben kann, ist bereits Hopfen und Malz verloren.
Krisen sind der neue Alltag der Unternehmensführung. Allein das Warten auf ruhigere Zeiten, um dann klare Kante zu zeigen, ist verlorene Zeit. Ethisch werteorientierte Führung muss mit dem richtigen Rückgrat stattfinden. Firmen haben aktuell noch eine kleine Option, die sie nicht verpassen sollten, bevor der Druck sie überrennt. Statt zu klagen, ist es jetzt an der Zeit, zu handeln und ehrliche Entscheidungen zu treffen.
Vor diesem Hintergrund steht nur eine einfache Frage im Raum: Welche Werte trägt ein Unternehmen, und würden die Mitarbeiter das genauso beschreiben?
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