Lufthansa-Jumbo mit 363 Passagieren landet ungeplant im Kongo

Mittendrin Flughafen Frankfurt – Terminal 3 Testbetrieb mit Komparsen
Mittendrin Flughafen Frankfurt heute um 21:00 Uhr im HR (Foto: Symbolbild)

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Ein Lufthansa-Jumbo in Brazzaville statt am geplanten Ziel Frankfurt: Ein Langstreckenflug der deutschen Fluggesellschaft ist nach einem ungewöhnlichen Geruch in der Kabine außerplanmäßig in der Republik Kongo gelandet. Flug LH573 war mit 363 Passagieren auf dem Weg von Johannesburg nach Frankfurt. Die Boeing 747-8 konnte sicher landen. Verletzte wurden von Lufthansa nicht gemeldet.

Lufthansa-Flug LH573 dreht über Zentralafrika ab

Betroffen war eine Boeing 747-8 mit dem Kennzeichen D-ABYO. Die Maschine startete am Donnerstag, 6. August 2026, nach Flugdaten gegen 19.18 Uhr Ortszeit am O. R. Tambo International Airport in Johannesburg. Reguläres Ziel des Nachtfluges LH573 war Frankfurt am Main.

Während des Fluges über Zentralafrika änderte die Besatzung den Kurs und steuerte den Flughafen Maya-Maya in Brazzaville an. Dort setzte die Boeing gegen 22.28 Uhr Ortszeit sicher auf. Lufthansa bestätigte als Grund für die Umleitung einen nicht näher definierten Geruch in der Kabine. Angaben zu einer konkret festgestellten technischen Ursache machte das Unternehmen zunächst nicht.

An Bord befanden sich nach Angaben der Airline 363 Passagiere. Lufthansa teilte zudem mit, dass die gesamte Crew wohlauf sei. Eine offizielle Aufschlüsselung der Besatzungsstärke liegt in der vorliegenden Erklärung nicht vor. In übereinstimmenden Angaben zum Flug werden 16 Crewmitglieder genannt, womit insgesamt 379 Menschen an Bord gewesen wären.

Lufthansa lässt Boeing 747-8 in Brazzaville überprüfen

Nach der Landung konnten die Insassen das Flugzeug regulär verlassen. Lufthansa zufolge wurden die Passagiere und die Besatzung anschließend in Hotels untergebracht. Hinweise darauf, dass Passagiere oder Crewmitglieder wegen des Vorfalls medizinisch behandelt werden mussten, gab das Unternehmen nicht. Die Airline erklärte vielmehr, alle seien wohlauf.

Was den Geruch ausgelöst hat, war auch am Samstag zunächst offen. Lufthansa kündigte eine gründliche technische Untersuchung der D-ABYO in der Republik Kongo an. Erst danach soll die Maschine nach Frankfurt überführt werden. Spekulationen über Rauch oder einen bestimmten technischen Defekt sind damit bislang nicht offiziell bestätigt.

Dass die Besatzung den Flug abbrach, erlaubt ebenfalls keinen Rückschluss auf die technische Ursache. Auffällige Gerüche, Rauch oder möglicherweise verunreinigte Kabinenluft gehören zu den Ereignissen, bei denen Fluggesellschaften und Besatzungen je nach Situation vorsorgliche Sicherheitsmaßnahmen bis hin zu einer Ausweichlandung ergreifen können.

Zweiter Jumbo holt Passagiere aus Brazzaville ab

Lufthansa schickte eine weitere Boeing 747-8 nach Zentralafrika. Als Ersatzmaschine wurde die D-ABYG eingesetzt. Sie startete am Freitag unter der Flugnummer LH9872 in Frankfurt und flog leer beziehungsweise als Überführungsflug nach Brazzaville, um die gestrandeten Passagiere aufzunehmen.

Noch am Freitagabend begann von dort die Weiterreise nach Deutschland. Die Ersatzmaschine erreichte Frankfurt am Samstagmorgen gegen 8 Uhr. Damit kamen die Passagiere rund einen Tag später als ursprünglich vorgesehen am Ziel ihrer Reise an.

Die ursprüngliche D-ABYO blieb dagegen zunächst in Brazzaville. Ihre weitere Nutzung hängt von der technischen Prüfung ab. Lufthansa hat bislang keine Ergebnisse dieser Untersuchung veröffentlicht und deshalb auch keinen bestimmten Defekt als Auslöser des Geruchs bestätigt.

Hunderte sogenannte Fume- und Smell-Events pro Jahr

Ungewöhnliche Gerüche an Bord werden in der Luftfahrt häufig unter den Begriffen „Fume Events“ oder „Smell Events“ erfasst. Eine einfache Zahl, wie häufig solche Ereignisse gemessen an allen Passagierflügen vorkommen, lässt sich für Deutschland allerdings nicht angeben. Nicht jeder wahrgenommene Geruch ist identisch mit einer nachgewiesenen Verunreinigung der Kabinenluft, zudem unterscheiden sich die Meldesysteme.

Aktuelle Zahlen der Bundesregierung zeigen dennoch, dass solche Meldungen regelmäßig auftreten. Bei der BG Verkehr wurden für 2024 insgesamt 283 Fälle von Fume- und Smell-Events angezeigt. Erfasst werden dort Fälle von Besatzungsmitgliedern, nicht Meldungen von Passagieren. Der höchste Wert seit Beginn dieser Erfassung im Jahr 2013 wurde 2017 mit 920 Anzeigen erreicht.

Die Zahlen bedeuten nicht, dass in allen Fällen eine gesundheitsschädliche Substanz nachgewiesen wurde. Für 2023 waren 284 Anzeigen registriert worden. Davon führten 26 Fälle zu einer Arbeitsunfähigkeit von mehr als drei Tagen. Auch die europäische Flugsicherheitsagentur EASA befasst sich weiterhin mit der Qualität der Kabinenluft und möglichen Kontaminationsereignissen.

Lufthansa betreibt weltweit größte Boeing-747-8-Flotte

Die Boeing 747-8 spielt weiterhin eine besondere Rolle in der Langstreckenflotte von Lufthansa. Nach eigenen Angaben betreibt die Fluggesellschaft 19 Maschinen dieses Typs und damit die weltweit größte Passagierflotte der 747-8. Lufthansa war 2012 zudem die erste Fluggesellschaft, die die Passagierversion Boeing 747-8 Intercontinental in Dienst stellte.

Der vierstrahlige Jumbo ist 76,3 Meter lang und wird bei Lufthansa auf besonders nachfragestarken Langstrecken eingesetzt. Eine typische Lufthansa-Konfiguration umfasst 364 Sitze mit First Class, Business Class, Premium Economy und Economy Class. Die beim Flug LH573 eingesetzte D-ABYO gehört zu dieser Flotte. Wann sie nach der Untersuchung in Brazzaville wieder in den regulären Flugbetrieb zurückkehrt, war zunächst nicht bekannt.

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