
Beim Bündnis Sahra Wagenknecht verschärft sich wenige Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt der interne Richtungsstreit. 21 Mitglieder verlassen die Partei, darunter mehrere frühere oder amtierende Funktionsträger. Die BSW Austritte in Sachsen-Anhalt werden von den Beteiligten unter anderem mit dem Führungsstil der Landesspitze und dem politischen Umgang mit der AfD begründet. Das berichtet die Mitteldeutsche Zeitung unter Berufung auf ein gemeinsames Austrittsschreiben.
Zu den Ausgetretenen gehören die frühere stellvertretende BSW-Landesvorsitzende Sylvia Winkelmann-Witkowsky sowie Katja Wendland und Harald Koch. Winkelmann-Witkowsky war zuletzt eine von zwei Vorsitzenden des Kreisverbands Halle-Saalekreis. Wendland und Koch führten die Kreisverbände Burgenlandkreis beziehungsweise Mansfeld-Südharz.
Die ausgetretenen Mitglieder werfen der Landesführung nach dem Bericht der Mitteldeutschen Zeitung einen autoritären Führungsstil vor. Sie kritisieren unter anderem mangelnde Transparenz, Auseinandersetzungen um Funktionen sowie eine aus ihrer Sicht entstandene Atmosphäre von Misstrauen innerhalb des Landesverbands. Dabei handelt es sich um Vorwürfe der ausgetretenen Mitglieder, nicht um unabhängig festgestellte Tatsachen.
Ein zweiter zentraler Kritikpunkt betrifft den BSW Streit um die AfD. Die Unterzeichner sehen nach eigener Darstellung eine zunehmende inhaltliche und sprachliche Annäherung. Der Zeitpunkt ist bemerkenswert, weil der Landesverband erst wenige Tage zuvor seine Vorstellungen für eine Zusammenarbeit nach der Landtagswahl vorgestellt hatte.
Am 6. August stellte das BSW sechs Themenbereiche vor, bei denen die Partei nach der Wahl parteiübergreifend Mehrheiten suchen will. Dazu gehören Bildung, Pflege, Energie, innere Sicherheit, öffentlich-rechtlicher Rundfunk und Meinungsfreiheit. Nach Angaben der Partei soll dieses Angebot ausdrücklich für alle im Parlament vertretenen Parteien gelten.
Damit schließt das BSW eine Zusammenarbeit mit der AfD bei einzelnen Sachfragen ausdrücklich nicht aus. Die Partei wirbt für wechselnde Mehrheiten im Landtag und gegen eine politische Brandmauer. Das ist von einer Koalition zu unterscheiden. Noch Ende 2025 hatte Co-Landeschef Thomas Schulze erklärt, ein AfD-Ministerpräsident werde nicht mit Stimmen des BSW gewählt.
BSW-Landeschef John Lucas Dittrich reagierte gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung auf die angekündigten Austritte. Nach seinen Angaben lagen ihm die Austrittserklärungen zu diesem Zeitpunkt noch nicht vor. Zwischen der Parteiführung und den Unterzeichnern bestünden jedoch grundlegende politische Differenzen.
Dittrich warf den Kritikern seinerseits vor, letztlich einen Verbleib der CDU an der Regierung zu begünstigen. Die Landesführung verfolgt dagegen nach seiner Darstellung das Ziel eines politischen Wechsels und lehnt die Brandmauerpolitik anderer Parteien ab. Damit zeigt sich, dass hinter den BSW Austritten in Sachsen-Anhalt nicht nur persönliche Konflikte, sondern auch unterschiedliche strategische Vorstellungen für die Zeit nach der Wahl stehen.
Der aktuelle Konflikt ist nicht die erste größere Auseinandersetzung im noch jungen Landesverband. Bereits im November 2025 kam es bei einem Sonderparteitag in Burg zu einem offenen Machtkampf. Mehrere Mitglieder des damaligen Landesvorstands wurden abgewählt, darunter Sylvia Winkelmann-Witkowsky und die damalige Landesgeschäftsführerin Katja Wendland. Andere Funktionäre hatten die Partei bereits vorher verlassen.
Nach damaligen Angaben der Partei hatte der Landesverband seit August 2025 bereits rund 100 Mitglieder verloren und verfügte Ende November noch über etwa 540 Mitglieder. Eine aktuelle Gesamtmitgliederzahl für August 2026 liegt öffentlich nicht belastbar vor. Der jetzige Austritt von weiteren 21 Personen trifft damit einen Landesverband, der bereits seit Monaten mit erheblichen internen Konflikten zu kämpfen hat.
Die Landtagswahl Sachsen-Anhalt 2026 findet am 6. September statt. Für das BSW geht es dabei um den erstmaligen Einzug in den Magdeburger Landtag. Als Spitzenduo treten Thomas Schulze und Claudia Wittig an. Beide wurden im März auf die ersten beiden Plätze der Landesliste gewählt.
Der Einzug ist keineswegs sicher. Im jüngsten Sachsen-Anhalt-Trend von Infratest dimap kam das BSW auf vier Prozent und lag damit unter der Fünf-Prozent-Hürde. Die AfD erreichte 41 Prozent, die CDU 24 Prozent, die Linke 13 Prozent, die SPD sieben Prozent und die Grünen fünf Prozent. Die AfD Sachsen-Anhalt wird vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft.
Für das BSW kommen die Austritte zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt. Zwischen der Veröffentlichung des gemeinsamen Austrittsschreibens am 8. August und der Landtagswahl liegen nur noch rund vier Wochen. Gleichzeitig muss die Partei um das Überspringen der Fünf-Prozent-Hürde kämpfen und ihre Position gegenüber der deutlich stärkeren AfD erklären.
Die Auseinandersetzung dürfte deshalb über die 21 Parteiaustritte hinausreichen. Im Kern geht es darum, welchen Kurs das BSW in Sachsen-Anhalt gegenüber der AfD verfolgt und welche Mehrheiten es nach der Wahl akzeptieren würde. Genau diese Frage hatte bereits den Machtkampf im Landesverband Ende 2025 geprägt und steht nun erneut im Zentrum der innerparteilichen Krise.
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