
Münster. Prominente Staatsgäste, fünf angemeldete Versammlungen und massive Einschränkungen mitten in der Innenstadt: Münster steht an diesem Donnerstag vor einem außergewöhnlichen politischen Tag. Im Historischen Rathaus wird die NATO mit dem Westfälischen Friedenspreis 2026 ausgezeichnet. NATO-Generalsekretär Mark Rutte nimmt den Preis entgegen, Bundeskanzler Friedrich Merz hält die Laudatio. Gleichzeitig wollen zahlreiche Kritiker gegen die Ehrung des Militärbündnisses demonstrieren.
Bereits Stunden vor dem Festakt beginnt das politische Programm. Rutte trifft gemeinsam mit Merz und dem niederländischen Ministerpräsidenten Rob Jetten Vertreter des 1. Deutsch-Niederländischen Corps am Schlossplatz. Um 13.50 Uhr ist eine gemeinsame Pressekonferenz geplant. Der eigentliche Festakt beginnt um 16 Uhr im Rathaus, Ruttes Rede ist für 17.30 Uhr angekündigt. Parallel dazu laufen in der Innenstadt mehrere Protestaktionen.
Vergeben wird der Internationale Preis des Westfälischen Friedens von der Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe. Der Hauptpreis geht in diesem Jahr an die NATO als Organisation und nicht persönlich an Rutte. Der Jugendpreis wird an das europäische Netzwerk „socioMovens – Giving Europe a Soul“ verliehen. Der Preis ist insgesamt mit 100.000 Euro dotiert.
Die Jury begründet ihre Entscheidung unter anderem mit der Rolle der NATO bei kollektiver Sicherheit und internationaler Zusammenarbeit. Sie verweist auf die Aufnahme Finnlands und Schwedens, die Unterstützung der Ukraine sowie weitere Aufgaben des Bündnisses. Die WWL vertritt dabei die Position, dass militärische Abschreckung und Friedenssicherung miteinander vereinbar sein können. Genau daran entzündet sich ein wesentlicher Teil der Kritik an der Auszeichnung.
socioMovens wird für seine Arbeit mit jungen Menschen in Europa ausgezeichnet. Das Netzwerk organisiert seit 2013 unter anderem internationale Begegnungen und soziale Projektwochen und will gesellschaftliches Engagement sowie europäische Verständigung fördern. Die Laudatio auf den Jugendpreisträger hält Kardinal Michael Czerny.
Vor der Preisverleihung steht ein sicherheitspolitischer Termin auf dem Programm. NATO-Generalsekretär Mark Rutte besucht das 1. Deutsch-Niederländische Corps und trifft dort Bundeskanzler Friedrich Merz sowie den niederländischen Ministerpräsidenten Rob Jetten.
Um 13.50 Uhr treten Rutte, Merz und Jetten gemeinsam vor die Presse. Für 17.30 Uhr ist anschließend Ruttes Rede bei der Preisverleihung angesetzt. Der Festakt selbst findet von 16 bis 18 Uhr im Historischen Rathaus statt.
Vor Beginn der Veranstaltung empfängt Oberbürgermeister Tilman Fuchs die Gäste im Friedenssaal. Dort ist auch die Eintragung ins Goldene Buch der Stadt vorgesehen.
Die Auszeichnung der NATO stößt bei verschiedenen Friedensgruppen auf Protest. Nach Angaben der Polizei sind rund um den Veranstaltungsort fünf Versammlungen angezeigt. Erwartet werden insgesamt etwa 2.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
Dabei handelt es sich nicht um eine einzige gemeinsame Demonstration. Eine größere stationäre Kundgebung unter dem Motto „Frieden statt NATO – Kein Friedenspreis fürs Militär!“ ist am Michaelisplatz beziehungsweise Domplatz gegenüber dem Rathaus angekündigt. Der aktuellste Aufruf nennt eine Dauer von 11.55 bis 20 Uhr.
Als Redner beziehungsweise Gäste werden unter anderem die frühere Bundestagsabgeordnete Sevim Dağdelen, der Europaabgeordnete Martin Sonneborn, die Schauspielerin Christine Prayon, DKP-Vorsitzender Patrik Köbele und Reiner Braun vom International Peace Bureau angekündigt.
Die Veranstalter lehnen die Preisvergabe an die NATO ab und stellen ihr ein anderes Verständnis von Friedenspolitik entgegen. In ihrem Aufruf heißt es: „Gerade in einer Zeit wachsender globaler Spannungen braucht es hingegen eine klare Stärkung von gewaltfreien Lösungsansätzen, Diplomatie und Völkerverständigung.“
Daneben gibt es eine eigenständige Protestaktion, an der unter anderem die DFG-VK Münster, die Friedensinitiative Münster, pax christi und der DGB Münster beteiligt sind. Um 15 Uhr soll die Auftaktkundgebung am Eingang des 1. Deutsch-Niederländischen Corps beginnen. Für 15.30 Uhr ist der Start des Demonstrationszuges Richtung Innenstadt vorgesehen. Die Abschlusskundgebung am Prinzipalmarkt soll gegen 16.15 Uhr beginnen.
Für Besucher der Innenstadt hat der Tag erhebliche Auswirkungen. Der Prinzipalmarkt soll ab etwa 10.30 Uhr bis voraussichtlich 18.30 Uhr für Busse, Autos und Fahrräder gesperrt sein. Fußgänger können Geschäfte und Praxen grundsätzlich weiterhin erreichen. Das Historische Rathaus, das Stadtweinhaus und der Rathausinnenhof bleiben dagegen für die Öffentlichkeit geschlossen.
Auch im Busverkehr gibt es Änderungen. Betroffen sind die Linien 2, 4, 10, 11, 12, 13, 14, 22 und N80. Unter anderem werden die Haltestellen Klemensstraße, Domplatz, Prinzipalmarkt, Picasso-Museum/Rothenburg und Aegidiimarkt/LWL-Museum zeitweise nicht regulär bedient.
Die Polizei hat außerdem ein Bürgertelefon unter der Nummer 0251 275-1112 eingerichtet, das von 8 bis 16 Uhr erreichbar ist.
Wer die Preisverleihung nicht im Rathaus verfolgen kann, hat mehrere Möglichkeiten zur Live-Übertragung. socioMovens richtet in der Bezirksregierung am Domplatz ein World Café aus, bei dem der Festakt von 16 bis 18 Uhr gezeigt wird. Auch online soll die Preisverleihung übertragen werden. Die NATO streamt zudem die gemeinsame Pressekonferenz von Rutte, Merz und Jetten.
Die Entscheidung, den Westfälischen Friedenspreis 2026 an die NATO zu vergeben, sorgt in Münster seit Monaten für Kritik. Friedensinitiativen und andere Gruppen halten die Ehrung eines Militärbündnisses für das falsche Signal. Sie fordern stattdessen mehr Diplomatie, Abrüstung und zivile Konfliktlösung.
Der Protest blieb nicht bei Stellungnahmen und Demonstrationsaufrufen. Am 25. September wurde im Historischen Rathaus erstmals ein Alternativer Westfälischer Friedenspreis verliehen. Ausgezeichnet wurde Connection e.V. aus Offenbach, ein Verein, der Kriegsdienstverweigerer, Deserteure und Menschen unterstützt, die sich dem Militärdienst entziehen. Der mit 10.000 Euro dotierte Gegenpreis entstand ausdrücklich als Reaktion auf die NATO-Auszeichnung.
Der reguläre Internationale Preis des Westfälischen Friedens wird seit 1998 alle zwei Jahre vergeben. Er erinnert an den Westfälischen Frieden von 1648, der in Münster und Osnabrück ausgehandelt wurde.






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