Großbrand bei Grünkraut: Zwei Stallgebäude brennen, sieben Feuerwehrleute verletzt

Symbolbild: Blaulicht auf dem Dach eines Einsatzfahrzeugs
Symbolbild Feuerwehreinsatz

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Der Großbrand in Ottershofen bei Grünkraut im Landkreis Ravensburg hat am Mittwochabend zwei landwirtschaftliche Gebäude schwer getroffen, sieben Feuerwehrleute verletzt und zahlreiche Rinder das Leben gekostet. Nach Angaben der Polizei entstand ein Sachschaden in Millionenhöhe. Mehr als 200 Feuerwehrangehörige waren allein auf Seiten der Wehren im Einsatz, insgesamt waren nach Angaben der Einsatzleitung rund 250 Kräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei und Technischem Hilfswerk beteiligt. Am frühen Donnerstagmorgen war der Brand gelöscht.

Erste Alarmierung gegen 18.30 Uhr

Der Einsatz begann nach Angaben des Polizeipräsidiums Ravensburg am Mittwoch, 12. August, gegen 18.30 Uhr. Gemeldet worden waren Flammen aus einem Stallgebäude im Grünkrauter Ortsteil Ottershofen. Die Freiwilligen Feuerwehren aus der Umgebung rückten mit mehr als 200 Wehrleuten an. Das erste landwirtschaftliche Gebäude stand in Vollbrand. Menschen und Tiere befanden sich nach Polizeiangaben zu diesem Zeitpunkt nicht mehr darin.

Die Einsatzkräfte konzentrierten sich zunächst darauf, das Feuer zu bekämpfen und ein Übergreifen auf benachbarte Wohngebäude zu verhindern. Das gelang nach den ersten Erkenntnissen. Die Lage blieb dennoch hochdynamisch. Während der Löscharbeiten kam es im ersten Brandobjekt zu mehreren Explosionen. Außerdem wurden mehrere Feuerwehrfahrzeuge beschädigt. Der Brand führte im Ort zu einem vollständigen Stromausfall. Bewohner wurden vorsorglich aus ihren Häusern gebracht und durch den Rettungsdienst betreut.

Gegen 19.15 Uhr brennt ein zweites Stallgebäude

Rund 45 Minuten nach der ersten Alarmierung verschärfte sich die Lage. Gegen 19.15 Uhr wurde nach Polizeiangaben ein weiterer Brand gemeldet. Betroffen war ein zweites Stallgebäude im selben Ort, etwa 100 Meter vom ersten Brandort entfernt. Auch dieses Gebäude stand in Vollbrand. Anders als beim ersten Gebäude befanden sich dort Rinder.

Die Polizei schließt nach dem bisherigen Ermittlungsstand nicht aus, dass Funkenflug vom ersten Brand zur Entzündung des zweiten Gebäudes geführt haben könnte. Der stellvertretende Kreisbrandmeister hielt diese Erklärung ebenfalls für wahrscheinlich. Festgestellt ist die Ursache des zweiten Feuers damit nicht. Die Polizei ermittelt weiter. Das zweite Stallgebäude wurde durch den Brand so stark beschädigt, dass es nach Angaben der Feuerwehr einstürzte.

Sieben Feuerwehrleute werden verletzt

Bei den Explosionen während des Einsatzes wurden nach Angaben des stellvertretenden Kreisbrandmeisters insgesamt sieben Feuerwehrleute verletzt. Fast alle erlitten demnach ein Knalltrauma und wurden zur Behandlung in eine Klinik gebracht. Ein weiterer Feuerwehrangehöriger verletzte sich im Verlauf des Einsatzes an der Achillessehne. Angaben dazu, wie lange die Verletzten in medizinischer Behandlung bleiben mussten, lagen am frühen Donnerstagmorgen noch nicht vor.

Die schriftliche Mitteilung des Polizeipräsidiums hatte zunächst allgemein von mehreren verletzten Feuerwehrangehörigen gesprochen. Dort wurde bestätigt, dass mehrere Einsatzkräfte durch die Explosionen ein Knalltrauma erlitten und teilweise in einer Klinik behandelt werden mussten. Die genauere Zahl von sieben Verletzten wurde später von der Feuerwehr genannt. Hinweise auf Verletzungen unter den evakuierten Anwohnern gab es nach den bisherigen Angaben nicht.

Ursache der Explosionen noch nicht abschließend geklärt

Warum es im ersten Brandobjekt zu mehreren Explosionen kam, war am Donnerstagmorgen noch nicht abschließend festgestellt. Die schriftliche Polizeimeldung benennt keinen konkreten Stoff oder Gegenstand als Auslöser. Ein Polizeisprecher verwies auf zwei Autos, die sich nach bisherigen Erkenntnissen in einem der Stallgebäude befunden haben sollen, als möglichen Zusammenhang mit den Explosionen.

Von der Feuerwehr wurde zugleich auf gelagerte Gasflaschen als wahrscheinlichen Auslöser einer Explosion verwiesen. Eine abschließende behördliche Festlegung lag dazu zunächst nicht vor. Deshalb lässt sich derzeit weder ausschließen noch bestätigen, ob eine der beiden Erklärungen allein für sämtliche Explosionen verantwortlich war. Gesichert ist lediglich, dass es während der Löscharbeiten zu mehreren Detonationen kam, Feuerwehrleute verletzt und Einsatzfahrzeuge beschädigt wurden.

22 Rinder sterben, acht Tiere können gerettet werden

Besonders schwere Folgen hatte das Feuer im zweiten Stall für die dort untergebrachten Tiere. Nach den späteren Polizeiangaben kamen 22 Rinder ums Leben. Acht weitere Tiere konnten gerettet werden. Im ersten Brandobjekt befanden sich beim Eintreffen der Einsatzkräfte nach Polizeiangaben keine Tiere mehr, dort gab es deshalb keine Tierverluste.

Die Rettung der Tiere im zweiten Stall wurde durch die rasche Brandausbreitung und die massive Zerstörung des Gebäudes erschwert. Das Stallgebäude stürzte nach Angaben der Feuerwehr im Verlauf des Brandes ein. Weitere belastbare Angaben zum Zustand der geretteten Rinder lagen zunächst nicht vor. Die Zahl der verendeten Tiere wurde am frühen Donnerstagmorgen mit 22 angegeben.

Rund 250 Einsatzkräfte und Hilfe von Landwirten

Der Umfang des Einsatzes war erheblich. Das Polizeipräsidium Ravensburg sprach von mehr als 200 Feuerwehrangehörigen aus den Freiwilligen Feuerwehren der umliegenden Gemeinden. Nach Angaben des stellvertretenden Kreisbrandmeisters waren insgesamt rund 250 Einsatzkräfte beteiligt. Neben den Feuerwehren waren Rettungskräfte, Polizei, das Technische Hilfswerk und Notfallseelsorger vor Ort.

Das THW unterstützte den Einsatz unter anderem bei der Ausleuchtung der Brandstellen, nachdem die Stromversorgung in Ottershofen aus Sicherheitsgründen abgeschaltet worden war. Landwirte aus der Umgebung halfen bei der Löschwasserversorgung. Sie brachten mit Güllefässern Wasser zu den beiden Brandstellen. Eine vollständige amtliche Aufstellung aller einzelnen beteiligten Feuerwehren mit jeweiliger Personalstärke lag am Donnerstagmorgen noch nicht vor.

Evakuierung und Warnung vor Rauchgasen

Wegen des Großbrandes und des Stromausfalls wurden die Bewohner des Ortes vorsorglich evakuiert. Nach den bisherigen Angaben konnten sie unverletzt in Sicherheit gebracht werden und wurden durch den Rettungsdienst betreut. Parallel dazu war die Rauchentwicklung weithin sichtbar. Die Rauchsäule war bis in den Raum Friedrichshafen zu erkennen.

Über die Warnapp NINA wurde zeitweise nicht nur im Landkreis Ravensburg, sondern auch im angrenzenden Bodenseekreis vor möglichen Rauchgasen gewarnt. Die Feuerwehr konnte ein Übergreifen der Flammen auf benachbarte Wohngebäude verhindern. Damit blieb eine weitere Ausbreitung des Feuers auf die angrenzende Bebauung aus.

Brand am frühen Donnerstagmorgen gelöscht

Die Löscharbeiten zogen sich über die gesamte Nacht. Zwischen etwa 4 Uhr und 4.15 Uhr am Donnerstagmorgen konnten die Feuerwehren nach Angaben der Polizei abrücken. Zu diesem Zeitpunkt galt der Brand als gelöscht. Das zweite Stallgebäude war eingestürzt. An beiden Brandstellen waren erhebliche Schäden entstanden.

Ob die Stromversorgung in allen Teilen Ottershofens zu diesem Zeitpunkt bereits wieder vollständig hergestellt war und wann sämtliche Bewohner in ihre Häuser zurückkehren konnten, war am frühen Morgen noch nicht offiziell mitgeteilt. Auch zu möglichen weiteren Sicherungsarbeiten an den Brandruinen lagen zunächst keine abschließenden Angaben vor.

Polizei beziffert Schaden nur im Millionenbereich

Das Polizeipräsidium Ravensburg ordnete den entstandenen Sachschaden bereits am Mittwochabend in den Millionenbereich ein. Eine konkrete Summe wurde zunächst nicht genannt. In die Schadensbilanz fallen die beiden landwirtschaftlichen Gebäude und die darin zerstörten oder beschädigten Gegenstände. Zudem wurden mehrere Feuerwehrfahrzeuge durch die Explosionen beschädigt.

Eine genauere Schadensbilanz war am Donnerstagmorgen noch nicht veröffentlicht. Parallel zur Ermittlung der Schadenshöhe beschäftigt die Polizei vor allem die Frage, wie das erste Feuer entstanden ist und ob zwischen den beiden Bränden ein unmittelbarer Zusammenhang besteht.

Brandursache bleibt Gegenstand der Ermittlungen

Für die Entstehung des ersten Feuers gibt es bislang kein gesichertes Ermittlungsergebnis. Die Feuerwehr hatte am Abend einen Wechselrichter einer Photovoltaikanlage als mögliche Ursache in Betracht gezogen. Die Polizei hat diese Annahme bislang nicht als festgestellte Brandursache bestätigt. Die Ermittlungen dauern an.

Auch beim zweiten Stall ist ein Zusammenhang durch Funkenflug bislang nur eine mögliche Erklärung. Die Polizei schließt dieses Szenario nicht aus, der stellvertretende Kreisbrandmeister hielt es nach dem Einsatzverlauf für wahrscheinlich. Ob Funken tatsächlich die rund 100 Meter zwischen den beiden Brandstellen überbrückten und das zweite Gebäude entzündeten, ist noch nicht abschließend geklärt.

Hohe Waldbrandgefahr und Graslandfeuergefahr in der Region

Der Brand fällt in eine Phase ausgeprägter Trockenheit in Baden-Württemberg. Der Landkreis Ravensburg hatte bereits im Juli wegen geringer Niederschläge und anhaltender Trockenheit vor erhöhter Waldbrandgefahr gewarnt. Für die DWD-Station Weingarten im Landkreis Ravensburg weist der Deutsche Wetterdienst am Donnerstag, 13. August, beim Waldbrandgefahrenindex die Stufe 4 von 5 aus. Das entspricht einer hohen meteorologischen Waldbrandgefahr.

Auch der Graslandfeuerindex des DWD liegt für Weingarten am Donnerstag bei Stufe 4 von 5. Diese Werte beschreiben das witterungsbedingte Risiko für Vegetationsbrände und deren mögliche Ausbreitung. Sie liefern ausdrücklich keinen Hinweis auf die Ursache des Gebäudebrandes in Ottershofen. Dafür bleibt allein die laufende Brandursachenermittlung maßgeblich. Die trockene Witterung bildet jedoch den regionalen Hintergrund, in dem Feuerwehren derzeit besonders auf eine schnelle Ausbreitung von Feuer in trockener Vegetation achten müssen.

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