
Die deutsche Fertighausbranche arbeitet sich nur langsam aus einer schweren Baukrise. Nach dem historischen Einbruch beim Neubau von Einfamilienhäusern steigen die Genehmigungszahlen inzwischen wieder. Das Ausgangsniveau bleibt jedoch niedrig. Gleichzeitig reagieren die Hersteller auf die veränderten Bedingungen und erschließen Geschäftsfelder außerhalb des klassischen Eigenheims. Dazu zählen Mehrfamilienhäuser, größere Wohnprojekte, Aufstockungen, serielle Sanierungen sowie Gebäude für Unternehmen und öffentliche Auftraggeber.
Die Fertighaus-Branche 2026 befindet sich damit in einer Übergangsphase. Das traditionelle Geschäft mit privaten Bauherren ist weit von den Spitzenwerten früherer Jahre entfernt. Gleichzeitig sprechen die jüngsten Genehmigungszahlen gegen die Annahme, dass sich der Absturz 2026 ungebremst fortsetzt. Vielmehr gibt es erste deutliche Erholungssignale.
Das Ausmaß der Krise zeigt der Vergleich mit dem Boomjahr 2021. Damals wurden bundesweit rund 110.000 Ein- und Zweifamilienhäuser genehmigt, darunter mehr als 25.000 Häuser in Holzfertigbauweise. In den folgenden drei Jahren brachen die Genehmigungen nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Fertigbau, kurz BDF, bei Ein- und Zweifamilienhäusern insgesamt um 60 Prozent ein. Bei Fertighäusern betrug der Rückgang 54 Prozent.
2025 setzte eine Gegenbewegung ein. Insgesamt wurden 50.755 Ein- und Zweifamilienhäuser genehmigt, 14,6 Prozent mehr als 2024. Davon entfielen 13.473 auf Fertighäuser. Das waren 16,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Weil sich der Fertigbau etwas stärker erholte als andere Bauweisen, erreichte sein Anteil an den genehmigten Ein- und Zweifamilienhäusern mit 26,5 Prozent sogar einen neuen Höchststand.
Das darf jedoch nicht mit einer Rückkehr des früheren Baubooms verwechselt werden. Der Marktanteil ist gestiegen, weil Fertighäuser innerhalb eines stark geschrumpften Gesamtmarktes vergleichsweise gut abschneiden.
Neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes vom 18. August 2026 bestätigen die Erholung im Wohnungsbau. Im ersten Halbjahr wurden in Deutschland 126.300 Wohnungen in neuen und bestehenden Gebäuden genehmigt. Das waren 15,1 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2025. Bei neu errichteten Einfamilienhäusern stieg die Zahl der Genehmigungen um 12,7 Prozent auf 24.000.
Im Juni allein wurden 21.600 Wohnungen genehmigt, 13,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das Statistische Bundesamt weist zugleich darauf hin, dass der Anstieg von einem außergewöhnlich niedrigen Niveau ausgeht. Die Zahl der Genehmigungen lag in den ersten Halbjahren 2024 und 2025 mit 106.700 beziehungsweise 109.800 Wohnungen auf einem Niveau, das zuletzt Anfang der 2010er Jahre erreicht worden war.
Eine aktuelle bundesweite Zahl speziell zu den Auftragseingängen der Fertighaushersteller für das Jahr 2026 hat der BDF bislang nicht ausgewiesen. Zahlen zum gesamten Bauhauptgewerbe können nicht unmittelbar auf Fertighäuser übertragen werden. Dort lag der reale Auftragseingang 2025 zwar 6,8 Prozent über dem Vorjahr. Das Statistische Bundesamt führt einen wesentlichen Teil dieses Zuwachses jedoch auf Großaufträge unter anderem für Bahnstrecken und digitale Infrastruktur zurück.
Die Folgen der mehrjährigen Schwäche sind in den Unternehmen weiterhin zu spüren. Nach Angaben des BDF sank der Branchenumsatz 2025 voraussichtlich um 3,7 Prozent auf 3,38 Milliarden Euro. Für 2026 erwartet der Verband eine bessere Umsatzentwicklung.
Auch bei der Beschäftigung hat die Branche seit den Boomjahren Kapazitäten verloren. Ende 2022 arbeiteten nach damaligen Verbandsangaben 15.053 Menschen in der Holzfertigbauindustrie. Aktuell umfasst die Branche nach Angaben des BDF rund 50 Hersteller mit etwa 13.000 Beschäftigten. Damit liegt die Größenordnung um gut 2.000 Arbeitsplätze beziehungsweise rund 14 Prozent niedriger als Ende 2022.
Einzelne Hersteller zeigen allerdings, dass die Entwicklung nicht überall gleich verläuft. WeberHaus beschäftigte im Sommer 2026 nach eigenen Angaben 1.299 Mitarbeiter einschließlich 59 Auszubildenden. Das Unternehmen meldete für 2025 einen um etwa acht Prozent niedrigeren Umsatz, zugleich aber steigende Auftragseingänge und mehr Neuverträge als intern geplant.
Die Ursachen des Einbruchs liegen vor allem in den veränderten Bedingungen für private Bauprojekte. Der BDF nennt gestiegene Bauzinsen, höhere Material- und Energiekosten, eine zurückhaltende Investitionsbereitschaft und unsichere Förderbedingungen als wesentliche Gründe für die seit 2022 anhaltende Krise.
Auch die Baukosten geben bislang kaum nach. Die Preise für den Neubau konventionell gefertigter Wohngebäude lagen im Mai 2026 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes fünf Prozent höher als ein Jahr zuvor. Damit verteuert sich der Neubau trotz der schwachen Nachfrage weiter.
Gerade für private Haushalte wirken mehrere Belastungen gleichzeitig. Neben den eigentlichen Baukosten müssen Grundstück, Nebenkosten und Finanzierung getragen werden. Für Fertighausanbieter ist das besonders relevant, weil Ein- und Zweifamilienhäuser traditionell ihr wichtigstes Geschäftsfeld darstellen.
Die Unternehmen reagieren deshalb mit einer breiteren Aufstellung. Eine BDF-Erhebung aus dem Frühjahr 2026 zeigt, wie weit diese Strategie bereits fortgeschritten ist. 86 Prozent der befragten Mitgliedsunternehmen sind inzwischen im Geschoss- oder Reihenwohnungsbau aktiv. 82 Prozent bauen Mehrfamilienhäuser der Gebäudeklassen drei und vier.
68 Prozent der Unternehmen sind im Objektbau tätig. Dazu können unter anderem Bürogebäude, Gewerbebauten, Schulen, Kindertagesstätten oder andere größere Gebäude gehören. 59 Prozent beschäftigen sich mit Aufstockungen, 27 Prozent mit Quartiersentwicklungen und 23 Prozent mit seriellen Sanierungen. Rund 30 Prozent sehen bei Quartiersentwicklung und serieller Sanierung weiteres Potenzial und planen einen Einstieg.
FingerHaus zeigt diese Entwicklung exemplarisch. Der Hersteller baut in Frankenberg ein neues Hochschulgebäude mit Flächen für die Technische Hochschule Mittelhessen und 22 Wohnungen. Der Anteil des Objektbaus am Umsatz des Unternehmens liegt nach Angaben der Geschäftsführung inzwischen bei rund zehn Prozent. FingerHaus beschäftigt mehr als 950 Mitarbeiter und baut weiterhin mehrere hundert Eigenheime im Jahr.
Damit verschiebt sich ein Teil des Geschäfts von einzelnen privaten Bauherren hin zu größeren Auftraggebern. Kommunen, Wohnungsunternehmen, Gewerbebetriebe und andere institutionelle Bauherren sind für die Fertigbauindustrie attraktiver geworden. Gerade die industrielle Vorfertigung lässt sich auch auf Schulen, Wohnheime, Verwaltungsgebäude oder größere Wohnprojekte übertragen.
Von einer vollständigen Abkehr vom Eigenheim kann dennoch keine Rede sein. Ein- und Zweifamilienhäuser bleiben nach Angaben des Branchenverbandes das Kerngeschäft. Die Strategie besteht vielmehr darin, die vorhandenen Werke, Planungsabteilungen und Montagekapazitäten zusätzlich für andere Gebäudearten einzusetzen.
Die Fertighausindustrie steht damit 2026 zwischen Krise und Erholung. Die Zahl der Genehmigungen steigt wieder, und Fertighäuser gewinnen Marktanteile. Das Volumen des privaten Eigenheimmarktes liegt aber weiterhin weit unter den Spitzenwerten von 2021. Ob aus den steigenden Genehmigungen dauerhaft mehr Aufträge und Produktion entstehen, hängt insbesondere davon ab, ob sich Finanzierung und Baukosten für private Haushalte wieder verbessern.
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