China-Konkurrenz setzt Deutschlands Industrie unter Druck

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

Teilen:

Die Warnungen vor einem China-Schock für die deutsche Industrie werden derzeit mit zwei großen Zahlen verbunden: bis zu 15.000 verlorenen Industriearbeitsplätzen pro Monat und rund 70 Prozent angeblich gefährdeten Industriejobs. Beide Angaben brauchen eine genaue Einordnung. Der Arbeitsplatzabbau ist amtlich klar belegt. Die 70-Prozent-Zahl beschreibt dagegen keine Prognose für den Verlust von Arbeitsplätzen.

Anzeige

Wer die Zahlen von 10.000, 12.000 und 15.000 nannte

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Johannes Volkmann sagte am 10. Juli 2026, Deutschland verliere aktuell 10.000 bis 12.000 Industriearbeitsplätze im Monat. Volkmann, der dem CDU-Bundesvorstand angehört und sich intensiv mit China befasst, führte einen großen Teil des Drucks auf unfairen Wettbewerb, Überkapazitäten und Wechselkursfragen zurück.

Die Zahl von 15.000 stammt nicht aus diesem aktuellen Statement Volkmanns. Der CDU-Wirtschaftspolitiker Sepp Müller hatte bereits am 26. Oktober 2025 erklärt, nach seinem damaligen Kenntnisstand gingen monatlich sogar 15.000 Industriearbeitsplätze verloren. Ende Juli 2026 verwendete auch BDI-Hauptgeschäftsführerin Tanja Gönner die Größenordnung von rund 15.000 Stellen pro Monat. Anfang August sprach Gönner angesichts des Wettbewerbs mit China von einem „China-Schock 2.0“.

Amtliche Daten zeigen starken Stellenabbau

Die Bundesagentur für Arbeit meldete Mitte Juli, dass die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Verarbeitenden Gewerbe im Jahr 2025 um 177.000 gesunken ist. Im Dezember 2025 arbeiteten dort noch 6,5 Millionen Menschen. Auf zwölf Monate umgerechnet entspricht der Rückgang rechnerisch knapp 15.000 Beschäftigten pro Monat. Das stützt die Größenordnung, nicht aber die Aussage, in jedem einzelnen Monat seien exakt so viele Stellen weggefallen.

Anzeige

Besonders betroffen waren die Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen mit 52.000 Beschäftigten weniger, der Maschinenbau mit einem Minus von 28.000 und die Herstellung von Metallerzeugnissen mit 24.000 weniger Beschäftigten. Die Statistik weist den Rückgang nach Branchen aus, sie ordnet die verlorenen Stellen jedoch nicht einzelnen Ursachen wie China, Energiepreisen, schwacher Nachfrage oder Strukturwandel zu.

Die 70-Prozent-Zahl meint Produktion, nicht Jobs

Für die Behauptung, rund 70 Prozent der deutschen Industriearbeitsplätze seien durch China gefährdet, gibt es keine entsprechende amtliche Kennzahl. Eine mögliche Quelle der Verwechslung ist eine im Februar 2026 veröffentlichte Untersuchung des französischen Haut-Commissariat à la Stratégie et au Plan.

Darin wird geschätzt, dass bei einer Fortsetzung der aktuellen Trends mittelfristig etwa 70 Prozent der deutschen verarbeitenden Produktion einem besonders starken Wettbewerbsdruck durch chinesische Importe ausgesetzt sein könnten. Gemeint ist der Anteil der Produktion, nicht der Beschäftigten. Zudem handelt es sich um eine modellgestützte Risikoeinschätzung, nicht um die Vorhersage, dass 70 Prozent der Produktion oder Arbeitsplätze tatsächlich verschwinden.

Eine weitere 70-Prozent-Zahl verwendet der Verband der Automobilindustrie. Nach dessen Angaben hängen etwa 70 Prozent der Arbeitsplätze in der deutschen Autobranche von der Exportstärke ab. Auch daraus folgt nicht, dass diese Arbeitsplätze konkret gefährdet sind.

Der Handel mit China verschiebt sich deutlich

Die Außenhandelszahlen zeigen, warum der Wettbewerbsdruck stärker diskutiert wird. Von Januar bis Mai 2026 stiegen die deutschen Importe aus China laut Statistischem Bundesamt um 6,2 Prozent auf 72,4 Milliarden Euro. Die Exporte nach China sanken dagegen um 14,5 Prozent auf 29,6 Milliarden Euro. Der Importüberschuss wuchs auf 42,8 Milliarden Euro.

Besonders deutlich war der Rückgang bei deutschen Kraftfahrzeugexporten nach China. Sie lagen in den ersten fünf Monaten 2026 um 26,1 Prozent unter dem Vorjahreswert. Gleichzeitig zeigen die jüngsten Konjunkturdaten kein einheitliches Bild: Die Produktion im Produzierenden Gewerbe stieg im Juni um 0,2 Prozent zum Vormonat, lag aber 0,1 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Der industrielle Stellenabbau in Deutschland ist real und erheblich. Wie groß der Anteil Chinas daran ist, lässt sich aus den amtlichen Arbeitsmarktdaten nicht beziffern. Die oft vermischten Zahlen stehen für unterschiedliche Sachverhalte: 10.000 bis 12.000 Stellen waren Volkmanns aktuelle Größenordnung, 15.000 wurden von Sepp Müller bereits 2025 und zuletzt vom BDI genannt, 70 Prozent beziehen sich nicht auf bedrohte Industriearbeitsplätze.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu