Handelsgespräche zwischen USA und Kanada vorerst gescheitert

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

Teilen:

Die USA und Kanada haben ihren jüngsten Versuch zur Beilegung des Handelsstreits ohne Einigung beendet. Seit Samstag, 22. August 2026, erheben die Vereinigten Staaten zusätzliche Zölle von 50 Prozent auf eine Reihe kanadischer Waren. Betroffen sind Importe mit einem Wert von rund 20 Milliarden US-Dollar. Kanadas Ministerpräsident Mark Carney kündigte als Reaktion Gegenmaßnahmen im gleichen Umfang an und setzte die Handelsgespräche mit Washington vorerst aus.

Anzeige

Damit ist ein Kompromiss gescheitert, der noch wenige Tage zuvor in greifbare Nähe gerückt schien. US-Präsident Donald Trump hatte die Einführung der neuen Abgaben zunächst um drei Tage verschoben, um den Unterhändlern mehr Zeit zu geben. Noch am Freitag wurde in Washington weiterverhandelt. Bis zum Ablauf der Frist kam jedoch keine abschließende Vereinbarung zustande.

Washington und Ottawa geben einander die Verantwortung

Beide Seiten stellen den Verlauf der letzten Verhandlungsstunden unterschiedlich dar. Der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer erklärte, Kanada habe eine Vereinbarung nicht zu Bedingungen abschließen wollen, auf die man sich zuvor verständigt habe. Nach Darstellung der US-Regierung habe Washington Kanada weitreichende Vergünstigungen angeboten. Dazu sollten niedrigere Belastungen in wichtigen Bereichen wie Stahl, Aluminium, Fahrzeugen und Holz gehören.

Carney widersprach dieser Darstellung in wesentlichen Punkten. Nach Angaben des kanadischen Regierungschefs hatte es zwar Fortschritte gegeben, diese hätten die Ziele seiner Regierung aber nicht ausreichend erfüllt. Zudem warf er Washington vor, vorgeschlagene Bedingungen in letzter Minute verändert zu haben. Carney bezeichnete diese Änderungen als wirtschaftlich nicht akzeptabel und erklärte, sie hätten Zweifel an der Verlässlichkeit einer möglichen Vereinbarung geweckt. Die unterschiedlichen Darstellungen der letzten Verhandlungsphase ließen sich zunächst nicht unabhängig auflösen.

Anzeige

Neue US-Zölle treffen einen begrenzten Teil der Exporte

Die jetzt in Kraft getretenen zusätzlichen US-Zölle betragen 50 Prozent und erfassen Warenimporte im Wert von ungefähr 20 Milliarden US-Dollar. Dazu gehören verschiedene Konsumgüter und Industrieprodukte. Gemessen am gesamten kanadischen Exportgeschäft mit den Vereinigten Staaten ist der unmittelbar betroffene Anteil begrenzt. Die Waren entsprechen etwas mehr als fünf Prozent der kanadischen Güterexporte in die USA.

Die neuen Abgaben kommen allerdings zu bereits bestehenden Handelshemmnissen hinzu. Besonders die kanadische Stahlindustrie, die Aluminiumbranche, der Automobilsektor und die Holzindustrie waren in den vergangenen Monaten bereits von US-Handelsmaßnahmen betroffen. Genau für mehrere dieser Branchen hatte Ottawa während der jüngsten Gespräche Entlastungen erreichen wollen.

Kanada will auf die neuen Maßnahmen mit Zöllen in entsprechender Höhe reagieren. Carney kündigte an, die US-Abgaben Dollar für Dollar auszugleichen. Welche amerikanischen Produkte von den neuen kanadischen Maßnahmen erfasst werden und wie die Gegenmaßnahmen im Einzelnen umgesetzt werden, war am Samstag zunächst noch nicht vollständig konkretisiert. Die kanadische Regierung stellte zudem weitere Hilfen für betroffene Unternehmen und Beschäftigte in Aussicht.

Bestehendes Freihandelsabkommen bleibt in Kraft

Das Scheitern der Gespräche bedeutet nicht, dass das bestehende Freihandelsabkommen zwischen den USA, Kanada und Mexiko beendet wurde. Das USMCA, in Kanada CUSMA genannt, bleibt weiterhin die zentrale Grundlage für den Handel zwischen den drei nordamerikanischen Staaten. Große Teile des Warenverkehrs zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten werden weiterhin nach dessen Regeln abgewickelt.

Die neuen US-Zölle gehen jedoch über den bisherigen Handelsrahmen hinaus. Washington stützt die zusätzlichen Abgaben auf Section 338 des amerikanischen Tariff Act von 1930. Die US-Regierung wirft Kanada eine Benachteiligung amerikanischer Unternehmen und Produkte vor, unter anderem bei alkoholischen Getränken, Milchprodukten und Fahrzeugen. Ottawa weist die amerikanische Begründung für die bisherigen Handelsmaßnahmen zurück und sieht mehrere US-Zölle als unvereinbar mit dem Freihandelsabkommen an.

USMCA-Verhandlungen werden schwieriger

Über den unmittelbaren Zollstreit hinaus bekommt das Scheitern der Gespräche Bedeutung für die weitere wirtschaftliche Zusammenarbeit in Nordamerika. Die Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko stehen vor Verhandlungen über die Zukunft und mögliche Änderungen des USMCA. Washington hat bereits Gespräche mit Mexiko über die Weiterentwicklung des Abkommens aufgenommen. Mit Kanada waren entsprechende formelle Verhandlungen noch nicht angelaufen.

Der neue Konflikt dürfte diesen Prozess komplizierter machen. Die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen beiden Ländern bleiben trotz der politischen Auseinandersetzungen außergewöhnlich eng. Rund 72 Prozent der kanadischen Güterexporte gingen im vergangenen Jahr in die Vereinigten Staaten. Auch zahlreiche amerikanische Unternehmen sind auf kanadische Rohstoffe, Bauteile und grenzüberschreitende Lieferketten angewiesen.

Vorerst keine weiteren Gespräche geplant

Ein konkreter Termin für eine Wiederaufnahme der Verhandlungen war am Samstag zunächst nicht bekannt. Nach Angaben aus der US-Regierung waren unmittelbar nach dem Scheitern der Gespräche keine weiteren Verhandlungsrunden angesetzt. Carney ordnete an, dass die kanadischen Unterhändler nach Ottawa zurückkehren.

Damit verschiebt sich der Handelskonflikt zunächst von Verhandlungen zu gegenseitigen Zollmaßnahmen. Welche wirtschaftlichen Auswirkungen die zusätzlichen Abgaben tatsächlich haben werden, hängt unter anderem davon ab, wie lange sie bestehen bleiben, welche kanadischen Gegenmaßnahmen folgen und ob beide Regierungen die Gespräche wieder aufnehmen. Für Unternehmen auf beiden Seiten der Grenze steigt vorerst die Unsicherheit über Kosten und Bedingungen im nordamerikanischen Handel.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu