
Tesla muss in China knapp drei Millionen Elektroautos wegen möglicher Probleme beim Öffnen der Türen in Notfällen nachbessern. Betroffen sind insgesamt 2.975.910 Fahrzeuge der Baureihen Model 3, Model Y, Model S und Model X. Der Tesla-Rückruf in China soll für die betreffenden Fahrzeuge am 25. September 2026 beginnen. Die Maßnahme umfasst sowohl in China produzierte als auch importierte Fahrzeuge.
Im Mittelpunkt stehen nach den Angaben der chinesischen Marktaufsicht die mechanischen Notöffner im Innenraum. Bei den betroffenen Fahrzeugen können diese aufgrund ihrer farblichen Ähnlichkeit mit der Innenausstattung schwer zu erkennen und zu bedienen sein. Relevant wird das vor allem in Situationen, in denen nach einem schweren Unfall das Niedervoltsystem des Fahrzeugs ausfällt und die reguläre elektrische Türöffnung nicht mehr zur Verfügung steht.
Den weitaus größten Teil der Aktion bilden in China produzierte Fahrzeuge. Betroffen sind 973.156 Model 3, die zwischen dem 4. März 2019 und dem 29. April 2026 hergestellt wurden. Hinzu kommen 1.956.713 Model Y aus dem Produktionszeitraum vom 16. November 2020 bis zum 30. April 2026.
Auch importierte Fahrzeuge werden einbezogen. Dazu gehören 35.590 Model 3 aus dem Zeitraum vom 22. August 2018 bis zum 20. November 2019, außerdem 8.328 Model X, die zwischen dem 27. Oktober 2022 und dem 13. Februar 2026 produziert wurden. Beim Model S betrifft die Maßnahme 2.123 Fahrzeuge aus der Produktion zwischen dem 18. Januar 2023 und dem 10. Februar 2026.
Damit erreicht die Zahl der betroffenen Tesla-Fahrzeuge 2.975.910. Die häufig verwendete Formulierung von fast drei Millionen Fahrzeugen entspricht somit der offiziell veröffentlichten Größenordnung.
Für die betroffenen Autos sieht Tesla zwei Maßnahmen vor. Die Fahrzeuge sollen kostenlos mit Hinweisen versehen werden, die die Position der mechanischen Notöffnung deutlicher kennzeichnen. Fahrzeuge, die bereits über entsprechende Markierungen verfügen, müssen nach den chinesischen Angaben nicht erneut damit ausgestattet werden.
Zusätzlich soll die Steuerungssoftware der Fenster über eine drahtlose Aktualisierung geändert werden. Nach einem schweren Unfall sollen die Fenster automatisch abgesenkt werden. Dadurch soll in bestimmten Notfallsituationen eine zusätzliche Möglichkeit geschaffen werden, das Fahrzeug zu verlassen oder von außen Zugang zum Innenraum zu erhalten. Ein Werkstattbesuch ist für die Softwareaktualisierung grundsätzlich nicht erforderlich.
Der Rückruf fällt in eine Phase verschärfter Sicherheitsanforderungen für Türsysteme in China. Dabei geht es nicht ausschließlich um Tesla. Mehrere Hersteller haben gleichzeitig Rückrufmaßnahmen für Fahrzeuge angekündigt, bei denen mechanische Notöffnungen schwer zu erkennen oder zu bedienen sein können. Insgesamt erfassen die aktuellen Aktionen verschiedener Hersteller rund 4,3 Millionen Fahrzeuge.
Parallel dazu hat China neue verbindliche technische Anforderungen für Autotürgriffe beschlossen. Der neue Standard GB 48001-2026 soll am 1. Januar 2027 in Kraft treten. Er verlangt unter anderem mechanisch bedienbare Türgriffe und ausreichenden Raum, um Außengriffe auch ohne funktionierende elektrische Systeme bedienen zu können. Damit werden vollständig verdeckte Lösungen bei neuen Fahrzeugen erheblich eingeschränkt.
Versenkbare und flächenbündige Außentürgriffe wurden in den vergangenen Jahren vor allem bei Elektroautos verbreitet. Tesla gehörte zu den Herstellern, die diese Gestaltung international bekannt machten. Der aktuelle Tesla-Rückruf wird von der chinesischen Behörde jedoch konkret mit den mechanischen Notöffnern im Innenraum und deren Erkennbarkeit begründet. Eine Gleichsetzung des Rückrufs mit einem generellen technischen Versagen der versenkbaren Außengriffe wäre daher nicht zutreffend.
Unabhängig von der Türgriffaktion hat die chinesische Marktaufsicht am selben Tag eine weitere Tesla-Maßnahme veröffentlicht. Sie betrifft mehr als 2,7 Millionen in China produzierte Model 3 und Model Y und steht im Zusammenhang mit der Überwachung der Fahreraufmerksamkeit bei aktivierten Fahrerassistenzfunktionen. Dabei handelt es sich um einen eigenständigen Rückruf mit einer anderen technischen Ursache.
Für diese Fahrzeuge soll Tesla die Software aktualisieren und zusätzlich zur bisherigen Überwachung über das Lenkrad die Innenraumkamera stärker zur Kontrolle der Fahreraufmerksamkeit einsetzen. Die beiden Maßnahmen überschneiden sich bei einem Teil des Fahrzeugbestands, dürfen deshalb bei der Zahl der betroffenen Autos nicht einfach zusammengerechnet werden.
Die Dimension des aktuellen Rückrufs zeigt, welche Bedeutung elektronische Türsysteme inzwischen für die Fahrzeugsicherheit haben. Bei modernen Elektroautos werden zahlreiche Funktionen elektrisch gesteuert. Mechanische Lösungen bleiben jedoch insbesondere für Situationen relevant, in denen Stromversorgung oder elektronische Systeme nach einer Kollision nicht mehr funktionieren.
Chinas neue Vorschriften zielen deshalb darauf, für solche Situationen eindeutig erkennbare und mechanisch nutzbare Öffnungsmöglichkeiten vorzuschreiben. Für Tesla bedeutet die aktuelle Maßnahme zunächst eine Nachbesserung an knapp drei Millionen Fahrzeugen auf dem chinesischen Markt. Ob vergleichbare Rückrufe für dieselben Modelle in anderen Ländern folgen, war bis Samstag, 22. August 2026, nicht offiziell bestätigt.
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