
Elektroautos stoßen in Deutschland auf wachsendes Interesse. Bei einem Autokauf würden 25 Prozent der Erwachsenen ein rein batterieelektrisches Fahrzeug bevorzugen. Weitere 25 Prozent würden sich für einen Hybrid entscheiden, 35 Prozent für einen Pkw mit Verbrennungsmotor und vier Prozent für einen Wasserstoffantrieb. Das geht aus der TÜV Mobility Studie 2026 hervor, die der TÜV-Verband am Dienstag vorgestellt hat.
Die Ergebnisse beruhen auf einer repräsentativen Befragung von 2.504 Menschen ab 18 Jahren. Das Meinungsforschungsinstitut Forsa führte die Erhebung vom 19. März bis 10. April 2026 im Auftrag des TÜV-Verbands durch. Die Prozentwerte beschreiben damit Einstellungen und Erfahrungen der Befragten. Sie sind keine objektive Bestandsaufnahme beispielsweise der Qualität des Nahverkehrs oder der Zahl tatsächlich verfügbarer Ladesäulen.
Trotz des gestiegenen Interesses sehen viele Befragte weiterhin Hürden beim Umstieg auf ein Elektroauto. 57 Prozent nennen zu hohe Anschaffungskosten, 52 Prozent eine aus ihrer Sicht zu geringe Reichweite und 50 Prozent zu wenige Ladestationen. Unter Befragten in Großstädten liegt der Anteil, der die Zahl der Lademöglichkeiten kritisiert, bei 58 Prozent.
Auch Menschen, die bereits ein Elektroauto besitzen, berichten in der Umfrage über praktische Schwierigkeiten. 61 Prozent dieser Gruppe nennen eine deutlich geringere Reichweite im Winter als Herausforderung. 49 Prozent kritisieren nach Angaben des TÜV-Verbands intransparente Preise an öffentlichen Ladesäulen, 48 Prozent die Vielfalt und Komplexität der Bezahlsysteme.
Die Befragung fällt in eine Phase, in der batterieelektrische Autos bei den tatsächlichen Neuzulassungen deutlich zulegen. Von Januar bis Juni 2026 wurden nach Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes rund 368.000 rein elektrische Pkw neu zugelassen. Bei insgesamt rund 1,48 Millionen Pkw-Neuzulassungen entsprach das einem Marktanteil von rund 24,8 Prozent. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 stieg die Zahl der neuen Batterieautos um etwa 48 Prozent.
Damit passen die amtlichen Marktdaten grundsätzlich zu dem in der Befragung erkennbaren größeren Interesse an Elektrofahrzeugen. Sie beantworten allerdings eine andere Frage: Zulassungszahlen erfassen tatsächliche Neufahrzeuge, während die TÜV-Studie nach Präferenzen bei einem möglichen Autokauf fragt.
Beim täglichen Mobilitätsverhalten bleibt das Auto laut Umfrage mit deutlichem Abstand das meistgenutzte Verkehrsmittel. 83 Prozent der Befragten geben an, mindestens einmal pro Woche einen Pkw zu nutzen. 63 Prozent sind regelmäßig zu Fuß unterwegs, 20 Prozent fahren mit einem klassischen Fahrrad und 14 Prozent mit einem E-Bike. Ebenfalls 20 Prozent nutzen mindestens wöchentlich den öffentlichen Personennahverkehr.
Besonders groß sind nach den Angaben Unterschiede zwischen Stadt und Land. In Orten mit weniger als 5.000 Einwohnern geben 96 Prozent der Befragten eine regelmäßige Autonutzung an. Selbst in Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern sind es noch 66 Prozent. Beim ÖPNV zeigt sich das umgekehrte Bild: In Orten mit weniger als 100.000 Einwohnern geben je nach Ortsgröße lediglich 8 bis 12 Prozent an, Busse oder andere Nahverkehrsangebote mindestens einmal pro Woche zu nutzen. In Städten zwischen 100.000 und 500.000 Einwohnern sind es 35 Prozent, in Metropolen 47 Prozent.
Zugleich sprechen sich 76 Prozent der Befragten dafür aus, den ÖPNV politisch stärker zu fördern als bisher. Beim Regional- und Fernbahnverkehr liegt die Zustimmung zu einer stärkeren Förderung bei 72 Prozent. Einen Ausbau des ÖPNV in ländlichen Regionen befürworten 92 Prozent.
Auch bei der Verkehrsinfrastruktur zeigt die Studie deutliche Unzufriedenheit. 67 Prozent der Befragten bewerten den Zustand von Straßen, Radwegen und Gehwegen an ihrem Wohnort als eher schlecht oder sehr schlecht. 50 Prozent halten die Verfügbarkeit von Radwegen für unzureichend, 47 Prozent äußern diese Einschätzung zum öffentlichen Nahverkehr. Die Werte geben die Wahrnehmung der Befragten wieder und erlauben keine Aussage darüber, wie der bauliche Zustand bundesweit objektiv einzustufen ist.
Beim Schutz besonders gefährdeter Verkehrsteilnehmer sehen ebenfalls viele Befragte Verbesserungsbedarf. 74 Prozent meinen, die Bedürfnisse von Menschen mit körperlichen Einschränkungen würden bei der Planung der Verkehrsinfrastruktur zu wenig berücksichtigt. Bei älteren Menschen ab 75 Jahren sowie bei allein unterwegs befindlichen Schulkindern teilen jeweils 67 Prozent diese Einschätzung.
Für mehr Sicherheit von Fußgängern halten 90 Prozent eine bessere Instandhaltung von Gehwegen im Winter für wichtig oder sehr wichtig. 84 Prozent nennen den Ausbau barrierefreier Infrastruktur und 79 Prozent mehr sichere Straßenüberquerungen. Beim Radverkehr sprechen sich 81 Prozent für mehr vom Autoverkehr getrennte Radwege aus.
Der TÜV-Verband verbindet die Befragungsergebnisse mit der Forderung, das europäische Leitbild Vision Zero mit dem Ziel möglichst keiner Verkehrstoten stärker in der deutschen Verkehrspolitik zu verankern. Diese Forderung ist eine politische Position des Verbands und kein Ergebnis der Befragung selbst.
Amtliche Unfallzahlen zeigen zugleich, dass Verkehrssicherheit weiterhin eine zentrale Herausforderung bleibt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes kamen 2025 in Deutschland 2.814 Menschen bei Straßenverkehrsunfällen ums Leben. Das waren nach der im Februar veröffentlichten vorläufigen Bilanz 44 mehr als 2024. Rund 366.000 Menschen wurden verletzt.
Auch auf europäischer Ebene ist Vision Zero ein langfristiges Ziel. In der Europäischen Union wurden 2024 knapp 20.000 Menschen im Straßenverkehr getötet. Die EU will die Zahl der Verkehrstoten und Schwerverletzten bis 2030 deutlich reduzieren und strebt für 2050 einen Straßenverkehr mit nahezu keinen Todesfällen oder schweren Verletzungen an.
Die TÜV Mobility Studie 2026 zeichnet damit vor allem ein Bild der Erwartungen der Bevölkerung: Elektroautos werden für einen größeren Teil der Befragten zu einer möglichen Alternative, gleichzeitig wünschen sich viele bessere öffentliche Verkehrsangebote, einfacheres Laden und eine sicherere Infrastruktur. Ob und wie schnell daraus Veränderungen im tatsächlichen Mobilitätsverhalten entstehen, lässt sich aus einer Einstellungsbefragung allein nicht ableiten.
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