
Die Almil AG im oberbayerischen Weiding hat einen Insolvenzantrag gestellt. Das Unternehmen, das als Allgäuer Alpenmilchwerk firmiert und zur Hochwald-Gruppe gehört, will das Verfahren in Eigenverwaltung durchführen. Rund 110 Beschäftigte arbeiten an dem Standort. Der Geschäftsbetrieb soll nach Angaben des Unternehmens zunächst ohne Einschränkungen weiterlaufen.
Der Insolvenzantrag der Almil AG wurde am 18. August 2026 beim Amtsgericht Mühldorf am Inn gestellt. Ziel sei eine wirtschaftliche Stabilisierung und Sanierung des Unternehmens. Die Gehälter der Beschäftigten seien über das Insolvenzgeld bis einschließlich Oktober abgesichert.
Mit dem Antrag verbindet Almil das Ziel, die bestehenden Unternehmensstrukturen an veränderte Marktbedingungen anzupassen. Nach Darstellung des Unternehmens soll der bisherige Vorstand die Sanierung weiter steuern. Für Beschäftigte, Kunden und Geschäftspartner seien zunächst keine Veränderungen vorgesehen.
Eine Eigenverwaltung bedeutet allerdings nicht, dass ein Unternehmen ohne gerichtliche Kontrolle saniert wird. Nach der Insolvenzordnung kann ein Schuldner sein Vermögen unter Aufsicht eines Sachwalters selbst verwalten, wenn das Insolvenzgericht die Eigenverwaltung anordnet. Im eröffneten Verfahren tritt der Sachwalter dabei an die Stelle eines regulären Insolvenzverwalters und überwacht unter anderem die wirtschaftliche Lage und die Geschäftsführung.
Damit ist zwischen dem Antrag der Almil AG und einer späteren gerichtlichen Entscheidung über das Verfahren zu unterscheiden. Offiziell bestätigt war zunächst der Antrag auf ein Insolvenzverfahren mit dem Ziel der Eigenverwaltung.
Als wirtschaftlichen Hintergrund nennt Almil die Entwicklung auf den Märkten für die in Weiding hergestellten Produkte. Seit Ende 2025 seien die Preise für sogenannte Commodities wie Vollmilchpulver, Magermilchpulver und Butteröl deutlich zurückgegangen. Mit der Sanierung solle deshalb insbesondere die Kostenstruktur am Standort verbessert werden.
Welche konkreten Maßnahmen dafür vorgesehen sind, war zunächst nicht bekannt. Ebenso lagen zunächst keine gesicherten Angaben dazu vor, ob im Zuge der Sanierung Arbeitsplätze entfallen könnten. Die bislang kommunizierte Zahl von rund 110 Beschäftigten beschreibt die aktuelle Belegschaft und bedeutet nicht, dass bereits ein entsprechender Stellenabbau beschlossen wäre.
Auch Auswirkungen auf die Anlieferung und Verarbeitung von Milch waren zunächst nicht abschließend geklärt. Der Betrieb soll nach Unternehmensangaben vorerst fortgeführt werden. Zu längerfristigen Veränderungen bei Produktionsmengen oder Lieferbeziehungen gab es zunächst keine belastbaren Angaben.
Der Name des Werks ist auch wegen seiner Geschichte mit der bekannten Milchmarke Bärenmarke verbunden. Hochwald hatte 2003 von Nestlé unter anderem die Marken Bärenmarke und Glücksklee sowie den entsprechenden Betriebsteil in Weiding übernommen. Später entschied sich die Gruppe, ihre Produktionsstruktur neu auszurichten. Das Werk wurde 2018 schrittweise von der Almil AG übernommen.
Die Almil AG ist deshalb nicht mit der heutigen Bärenmarke-Gesellschaft gleichzusetzen. Die Marke Bärenmarke gehört weiterhin zum Portfolio der Hochwald-Gruppe. Hochwald führt sie neben weiteren nationalen und internationalen Milchmarken. Die Almil AG betreibt dagegen das Produktionswerk in Weiding, dessen Schwerpunkt inzwischen bei Milchpulver, Butteröl und weiteren Zutaten für die Lebensmittelindustrie liegt.
Seit 2020 hält die Hochwald-Gruppe nach eigenen Unternehmensunterlagen eine Mehrheitsbeteiligung an Almil. Im Konzernabschluss wird die Gesellschaft als Betreiberin des Werks in Weiding geführt.
Hochwald ist eine genossenschaftlich geprägte Molkereigruppe mit Produktionsstandorten in Deutschland und den Niederlanden. Zum Markenportfolio gehören unter anderem Bärenmarke, Hochwald, Glücksklee und Tuffi. Die Produkte der Gruppe werden nach Unternehmensangaben in mehr als 100 Länder exportiert.
Der Insolvenzantrag betrifft nach derzeitigem Stand die Almil AG und damit das Werk in Weiding. Eine Insolvenz der gesamten Hochwald-Gruppe oder der Marke Bärenmarke ist damit nicht verbunden.
Für die rund 110 Beschäftigten steht zunächst die geplante Fortführung des Betriebs im Mittelpunkt. Entscheidend für die weitere Entwicklung wird sein, welche Sanierungsmaßnahmen ausgearbeitet werden und wie das Insolvenzgericht über das beantragte Eigenverwaltungsverfahren entscheidet.
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