
Siemens Energy stellt einen bedeutenden Teil seines Konzerns neu auf. Der Aufsichtsrat hat den Weg dafür freigemacht, den Geschäftsbereich Transformation of Industry rechtlich und operativ zu verselbstständigen. In der Sparte arbeiten rund 17.000 Menschen. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte sie einen Umsatz von 5,7 Milliarden Euro und eine Ergebnismarge vor Sondereffekten von 11,3 Prozent.
Die Abspaltung bei Siemens Energy soll zunächst dazu führen, Transformation of Industry als eigenständiges Unternehmen aufzustellen. In einem zweiten Schritt will der Energietechnikkonzern die Eigentümerstruktur neu ordnen. Dabei kommen nach Angaben des Unternehmens sowohl externe Investoren als auch eine Transaktion am Kapitalmarkt infrage. Siemens Energy strebt an, die Sparte künftig nicht mehr im eigenen Konzernabschluss voll zu konsolidieren, will aber eine bedeutende Minderheitsbeteiligung behalten.
Der betroffene Geschäftsbereich bündelt mehrere unterschiedliche Industrieaktivitäten. Dazu zählen industrielle Dampfturbinen und Generatoren, Kompressoren, Technik für die Wasserstoffproduktion, elektrische Antriebe sowie Lösungen für maritime Anwendungen und Unterwassertechnik. Die Sparte bedient unter anderem Unternehmen aus der Öl- und Gasindustrie, der Chemiebranche, der Prozessindustrie, der Papier- und Zementproduktion sowie dem maritimen Sektor.
Damit geht der jetzt angekündigte Umbau deutlich über das Dampfturbinengeschäft hinaus. Siemens Energy hat offiziell keinen separaten Verkauf ausschließlich dieser Aktivitäten angekündigt. Bestätigt ist die Vorbereitung einer eigenständigen Gesellschaft für den gesamten Bereich Transformation of Industry.
Über einen möglichen Verkauf und die Einbindung der Investmentbank Goldman Sachs gab es zuvor Berichte. Dabei wurden auch mehrere Finanzinvestoren als mögliche Interessenten genannt und eine Bewertung von mehr als zehn Milliarden Euro ins Spiel gebracht. Diese Einzelheiten sind von Siemens Energy nicht bestätigt worden. Auch steht noch nicht fest, ob ein Investor einsteigt oder ob eine Kapitalmarkttransaktion gewählt wird.
Hinter dem Umbau steht eine stärkere Konzentration des Konzerns auf Stromerzeugung und Stromübertragung. Siemens Energy begründet die neue Struktur damit, dass Transformation of Industry andere Märkte bedient und mit Unternehmensbereichen um Investitionsmittel konkurriert, die derzeit noch schneller wachsen.
Vor allem das Geschäft mit Gasturbinen und Stromnetzinfrastruktur profitiert von einer weltweit steigenden Nachfrage nach zusätzlicher Erzeugungsleistung und leistungsfähigeren Stromnetzen. Siemens Energy will seinen Investitionsschwerpunkt deshalb stärker auf diese Bereiche ausrichten. Transformation of Industry soll als eigenständiges Unternehmen mehr Spielraum für Investitionen und die weitere Geschäftsentwicklung erhalten.
Die Industriesparte selbst ist dabei kein Sanierungsfall. Im Geschäftsjahr 2025 erreichte Transformation of Industry einen Umsatz von 5,723 Milliarden Euro. Die Ergebnismarge vor Sondereffekten lag bei 11,3 Prozent. Der Umsatz war auf vergleichbarer Basis gegenüber dem Vorjahr um 13,5 Prozent gestiegen.
Allein der Bereich Industrial Steam Turbines und Generators erzielte im Geschäftsjahr 2025 Erlöse von rund 1,66 Milliarden Euro. Seine Ergebnismarge vor Sondereffekten betrug 13,7 Prozent. Auch das Kompressorengeschäft kam auf einen Umsatz von rund 2,5 Milliarden Euro und eine entsprechende Marge von 13,7 Prozent.
Transformation of Industry beschäftigt weltweit etwa 17.000 Menschen. Zu den wichtigsten deutschen Standorten gehören Duisburg mit rund 1.500 Beschäftigten, Erlangen mit etwa 700 sowie Görlitz mit rund 650. Hinzu kommen Standorte in Mülheim an der Ruhr, Nürnberg, Erfurt, Hamburg, Leipzig und Berlin. Auch außerhalb Deutschlands verfügt der Geschäftsbereich über Produktionsstandorte, unter anderem in den USA, Indien, China, Brasilien und Saudi-Arabien.
Konkrete Stellenstreichungen hat Siemens Energy im Zusammenhang mit der angekündigten Verselbstständigung nicht bekannt gegeben. Aus der Entscheidung zur gesellschaftsrechtlichen Trennung lässt sich deshalb derzeit kein bestimmter Personalabbau ableiten.
Der künftige Industriekonzern verfügt nach Unternehmensangaben weltweit über mehr als 85.000 installierte Anlagen. Rund die Hälfte seines Umsatzes stammt aus dem Servicegeschäft. Siemens Energy verweist darauf, dass dieses Geschäft wiederkehrende Erlöse ermöglicht und damit eine Grundlage für die weitere eigenständige Entwicklung schaffen soll.
Wie die Verselbstständigung konkret abgeschlossen wird, ist offen. Siemens Energy nennt mehrere Möglichkeiten. Neben dem Einstieg externer Investoren ist grundsätzlich auch eine Kapitalmarkttransaktion denkbar. Das Unternehmen hat bislang weder einen Käufer noch einen verbindlichen Zeitplan für einen solchen Schritt veröffentlicht.
Damit ist auch ein vollständiger Verkauf der Industriesparte derzeit nicht beschlossen. Das erklärte Ziel besteht vielmehr darin, Transformation of Industry aus dem Siemens Energy Konzernabschluss herauszulösen und selbst nur noch eine bedeutende Minderheitsbeteiligung zu halten.
Der Umbau verändert damit die Struktur eines der weltweit größten Energietechnikkonzerne erheblich. Siemens Energy beschäftigte im Geschäftsjahr 2025 insgesamt rund 106.000 Menschen in mehr als 90 Ländern und erzielte einen Umsatz von 39,1 Milliarden Euro. Transformation of Industry stand damit für knapp 15 Prozent des Konzernumsatzes.
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