
Blohm+Voss fährt Produktion hoch. Die traditionsreiche Hamburger Werft, die seit Anfang März 2026 zum Rheinmetall-Konzern gehört, soll innerhalb der neuen Marinesparte Naval Systems eine deutlich größere Rolle übernehmen. Neben der Endausrüstung großer Marineschiffe entsteht auf dem Gelände eine Serienfertigung für unbemannte Wasserfahrzeuge. Gleichzeitig zeigt der überraschende Wegfall des deutschen Fregattenprogramms F126, wie stark einzelne Großprojekte die Auslastung einer Werft beeinflussen können.
Blohm+Voss hat in den vergangenen Jahren einen tiefgreifenden Wandel durchlaufen. Unter dem früheren Eigentümer Lürssen gehörte die Werft zur Marinesparte NVL. Rheinmetall schloss die Übernahme dieser Sparte Ende Februar 2026 ab und stieg damit selbst in den Bau militärischer Schiffe ein.
In Hamburg soll sich Blohm+Voss weiterhin vor allem auf die Ausrüstung, Integration, Inbetriebnahme und Erprobung komplexer Marineschiffe konzentrieren. Parallel baut Rheinmetall einen neuen Produktionszweig für unbemannte maritime Systeme auf.
Die Serienproduktion des gemeinsam mit dem britischen Unternehmen Kraken Technology entwickelten K3 Scout startete im April 2026. Nach Angaben von Rheinmetall ist die Fertigung zunächst auf rund 200 Einheiten pro Jahr ausgelegt. Bei ausreichend hoher Nachfrage könne die Kapazität später auf bis zu 1.000 Fahrzeuge jährlich steigen.
Der K3 Scout ist rund 8,5 Meter lang und erreicht nach Herstellerangaben Geschwindigkeiten von bis zu 55 Knoten. Die Plattform kann unterschiedlich ausgerüstet werden und unter anderem für Überwachung, Aufklärung sowie zum Schutz kritischer Infrastruktur eingesetzt werden.
Auch beim Personal zeigt sich der Wandel des Standorts. Bei einer aktuellen Veranstaltung zur Rolle der Industrie und maritimen Sicherheit wurde Blohm+Voss als hoch spezialisierter Standort mit rund 1.000 Beschäftigten beschrieben. Diese Zahl ist allerdings nicht unmittelbar mit älteren Angaben zur Stammbelegschaft vergleichbar.
Für 2025 wurde die Zahl der direkt bei Blohm+Voss beschäftigten Fachkräfte noch mit rund 450 angegeben. Im Frühjahr 2026 war von einer Stammbelegschaft von etwa 650 Menschen und einem möglichen späteren Ausbau in Richtung 1.000 Beschäftigte die Rede. Auf einem großen Werftgelände arbeiten neben der eigenen Belegschaft regelmäßig auch Beschäftigte anderer Unternehmen, Projektpartner und Dienstleister.
Eine aktuelle detaillierte Aufschlüsselung, wie viele der rund 1.000 Menschen unmittelbar bei Blohm+Voss angestellt sind und wie viele anderen Unternehmen zuzurechnen sind, lag zunächst nicht vor.
Rheinmetall hatte im Frühjahr einen erheblichen Personalaufbau für seine neue Marinesparte angekündigt. Konzernchef Armin Papperger sprach damals von mehr als 500 zusätzlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die insbesondere für Blohm+Voss gesucht würden. Gefragt seien unter anderem Ingenieure, Physiker, Schweißer und weitere Fachkräfte.
Die grundsätzliche Auftragslage der Marinesparte ist umfangreich. Bei der erstmaligen Einbeziehung von Naval Systems in die Rheinmetall-Zahlen lag der zugeordnete Auftragsbestand Ende März 2026 bei rund 5,5 Milliarden Euro.
Bis zum 30. Juni stieg der für Naval Systems ausgewiesene Auftragsbestand auf 6,255 Milliarden Euro. Einen wesentlichen neuen Beitrag lieferte ein von Rumänien finanzierter Auftrag über vier Marineschiffe mit einem Volumen von 920 Millionen Euro. Weitere Geschäftsfelder sind laufende Neubauprogramme, Reparaturen und Modernisierungen.
Für die kleineren unbemannten Fahrzeuge hatte der Chef von Rheinmetalls Marinesparte, Tim Wagner, bereits im März erklärt, dass Bestellungen von mehreren Nato-Marinen vorlägen. Nach seinen damaligen Angaben waren 150 Boote vertraglich vereinbart. Welche Staaten diese Fahrzeuge bestellt haben und welche Liefertermine gelten, wurde nicht öffentlich aufgeschlüsselt.
Der Ausbau ist dennoch nicht ohne Risiken. Besonders deutlich wurde dies beim deutschen Fregattenprogramm F126. Nachdem das Bundesverteidigungsministerium Ende Juni entschieden hatte, das bisherige Bauprogramm in dieser Form nicht fortzuführen, beendete Blohm+Voss Mitte Juli die bestehende Unterauftragnehmerbeziehung mit dem bisherigen Generalauftragnehmer Damen Naval.
Rheinmetall strich daraufhin einen dem Projekt zugeordneten Auftragsbestand von 2,153 Milliarden Euro bei Naval Systems. Der Konzern rechnet für 2026 deshalb mit negativen Umsatzauswirkungen von bis zu 300 Millionen Euro in der Marinesparte.
Der Fall macht deutlich, dass ein hoher Auftragsbestand nicht automatisch eine vollständig gesicherte langfristige Auslastung bedeutet. Großprojekte im Marineschiffbau hängen von staatlichen Beschaffungsentscheidungen, Haushaltsfreigaben und der konkreten Ausgestaltung der Programme ab.
Hinzu kommt die Frage nach dem geplanten Personalaufbau. Die IG Metall Küste erklärte am 27. August, Rheinmetall habe einen größeren Stellenaufbau bei Blohm+Voss zunächst zurückgestellt. Eine aktuelle konkrete Zielzahl des Unternehmens für Neueinstellungen am Hamburger Standort war damit zunächst nicht bestätigt.
Unabhängig vom F126-Projekt treibt Rheinmetall den Umbau von Blohm+Voss zu einem Technologiezentrum für unbemannte und autonome maritime Systeme weiter voran. Die Hamburger Werft verfügt dafür über ein rund 451.000 Quadratmeter großes Gelände, mehrere Schiffbauhallen, Werkstätten, lange Kaianlagen und sieben Docks.
Die Strategie sieht vor, bemannte Marineschiffe und kleinere unbemannte Plattformen parallel weiterzuentwickeln. Große Fregatten, Korvetten und Spezialschiffe sollen auch künftig eine zentrale Rolle spielen. Autonome und ferngesteuerte Fahrzeuge sollen diese Plattformen ergänzen.
Blohm+Voss-Geschäftsführer Nils Moser setzt zugleich auf eine stärkere Zusammenarbeit mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Genannt wurden unter anderem die Technische Universität Hamburg, die Helmut-Schmidt-Universität, die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg und das Fraunhofer-Center für Maritime Logistik und Dienstleistungen.
Damit hängt der weitere Hochlauf nicht allein von zusätzlichen Hallen oder Produktionslinien ab. Entscheidend sind auch Fachkräfte, konkrete Bestellungen und die Entwicklung der großen Beschaffungsprogramme. Blohm+Voss fährt Produktion hoch, doch wie weit der Ausbau in den kommenden Jahren tatsächlich reicht, wird vor allem von verbindlichen Aufträgen bestimmt.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu