Blohm+Voss baut neue Produktion auf und sucht Ersatz für Fregattenauftrag

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Auf der Hamburger Blohm+Voss Werft wird wieder stärker produziert. Unter dem neuen Eigentümer Rheinmetall soll der traditionsreiche Standort im Hamburger Hafen vor allem für Marineschiffe und unbemannte Überwasserfahrzeuge genutzt werden. Rund 450 eigene Beschäftigte waren zuletzt für Blohm+Voss am Standort ausgewiesen. Eine aktuellere, taggenaue Zahl allein für die Stammbelegschaft auf dem Werftgelände war bis Donnerstag nicht veröffentlicht. Gleichzeitig arbeiten je nach Projekt Beschäftigte anderer Unternehmen und Partner auf dem weitläufigen Gelände. Die Werft steht damit exemplarisch für den derzeitigen Aufschwung des deutschen Marineschiffbaus, aber auch für dessen Abhängigkeit von einzelnen großen Beschaffungsentscheidungen.

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Blohm+Voss gehört seit März 2026 zum Düsseldorfer Rheinmetall-Konzern. Rheinmetall hatte die Marinesparte NVL der Bremer Lürssen-Gruppe übernommen. Zur neuen Division Naval Systems gehören neben Blohm+Voss auch die Hamburger Norderwerft, die Peene-Werft in Wolgast und die Neue Jadewerft in Wilhelmshaven. Für die gesamte Division nennt Rheinmetall rund 2.100 Beschäftigte. Die IG Metall Küste ordnete Rheinmetall in ihrer am Donnerstag veröffentlichten Schiffbauumfrage mit knapp 1.700 Beschäftigten in den von der Erhebung erfassten norddeutschen Betrieben ein. Die Zahlen sind wegen unterschiedlicher Abgrenzungen nicht unmittelbar miteinander vergleichbar.

Drohnenboote sollen neue Serienproduktion bringen

Ein zentraler Baustein für die weitere Auslastung in Hamburg ist die Produktion unbemannter Überwasserfahrzeuge. Rheinmetall hat im Frühjahr gemeinsam mit der britischen Kraken Technology Group die Serienfertigung des K3 Scout bei Blohm+Voss gestartet. Das Boot kann ferngesteuert eingesetzt werden und soll perspektivisch auch autonome Funktionen erhalten. Je nach Ausstattung sind militärische und zivile Anwendungen möglich.

Zum Produktionsstart hatte Blohm+Voss-Geschäftsführer Nils Moser angekündigt, zunächst Kapazitäten für rund 200 Fahrzeuge pro Jahr vorzubereiten. Rheinmetall-Manager Tim Wagner erklärte im März, dass zunächst 15 Einheiten gefertigt werden sollten. Anschließend könne die Produktion auf etwa 200 Boote jährlich wachsen. Für den Fall einer hohen Nachfrage nannte Rheinmetall eine mögliche Kapazität von bis zu 1.000 Einheiten pro Jahr im Dreischichtbetrieb. Das ist eine mögliche Ausbaugröße und keine gesicherte Produktionsmenge.

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Nach Angaben Wagners waren zu diesem Zeitpunkt 150 Boote vertraglich vereinbart. Als Kunden wurden Marinen aus Nato-Staaten genannt, einzelne Länder veröffentlichte das Unternehmen nicht. Damit gibt es für die neue Fertigung einen belegten Auftragsbestand. Ob und wann die wesentlich größere Produktionskapazität benötigt wird, hängt von weiteren Bestellungen ab.

Stopp der F126 trifft Blohm+Voss

Die neue Produktion trifft allerdings auf eine erhebliche Lücke bei einem anderen Großprojekt. Das Bundesverteidigungsministerium entschied Ende Juni, den bisherigen Bau der sechs Fregatten vom Typ F126 nicht fortzusetzen. Blohm+Voss war als Unterauftragnehmer an dem Programm beteiligt und für einen wesentlichen Teil der Arbeiten vorgesehen. Rheinmetall teilte in seinem Halbjahresbericht mit, dass Blohm+Voss die entsprechende Vertragsbeziehung mit dem bisherigen Generalunternehmer Damen Mitte Juli beendet habe. Aus dem Auftragsbestand der Sparte Naval Systems wurden dadurch Aufträge im Volumen von 2,153 Milliarden Euro ausgebucht.

Damit ist eines der zentralen Risiken für die Hamburger Werft sichtbar. Große Marineschiffbauprogramme laufen über viele Jahre und sichern entsprechend lange Beschäftigung und Kapazitätsauslastung. Werden solche Projekte verschoben, verändert oder beendet, entstehen kurzfristig Lücken in der Produktionsplanung. Die IG Metall Küste erklärte am Donnerstag, Rheinmetall habe einen ursprünglich vorgesehenen größeren Stellenaufbau zunächst zurückgestellt. Eine weitergehende Aussage, dass Arbeitsplätze bei Blohm+Voss abgebaut werden sollen, ist damit nicht verbunden.

Eine mögliche Anschlusslösung zeichnet sich beim geplanten Kauf von Fregatten des Typs MEKO A-200 für die Deutsche Marine ab. Verteidigungsminister Boris Pistorius hatte nach dem Ende des bisherigen F126-Vorhabens erklärt, dass Blohm+Voss und die Peene-Werft in die Produktion der Alternativschiffe einbezogen werden sollen. Wie groß der konkrete Arbeitsanteil für Hamburg sein wird, hängt von der endgültigen Beschaffung und der industriellen Aufteilung ab. Ein gesichertes Auftragsvolumen für Blohm+Voss lässt sich daraus bislang nicht ableiten.

Werftgelände bietet große Reserven

Für zusätzliche Projekte verfügt die Blohm+Voss Werft über erhebliche industrielle Kapazitäten. Das Gelände auf Steinwerder umfasst rund 451.000 Quadratmeter. Zur Ausstattung gehören sieben Docks, drei Schiffbauhallen, eine Vorfertigungshalle sowie mehrere technische und mechanische Werkstätten. Die Kailänge liegt bei rund 2.100 Metern. Rheinmetall beschreibt Blohm+Voss inzwischen als seine größte Werft und sieht den Schwerpunkt bei Erstausstattung, Endausrüstung und Inbetriebnahme von Marineschiffen.

Für Blohm+Voss bedeutet die Neuordnung zugleich eine stärkere Spezialisierung. Der Standort hatte in den vergangenen Jahren unter anderem an den Korvetten K130 für die Deutsche Marine gearbeitet. Die Achterschiffe werden auf der Peene-Werft gefertigt, weitere Sektionen entstehen an anderen Standorten und werden in Hamburg zusammengefügt und ausgerüstet. Diese Arbeitsteilung soll innerhalb der neuen Rheinmetall-Sparte fortgeführt und bei künftigen Projekten ausgebaut werden.

Deutscher Schiffbau wächst vor allem durch Marineaufträge

Die Hamburger Entwicklung fügt sich in einen deutlichen Aufschwung des norddeutschen Schiffbaus ein. Nach der aktuellen Erhebung der IG Metall Küste arbeiteten 2025 in 41 untersuchten Betrieben fast 17.200 Menschen. Das war der höchste Stand seit sechs Jahren. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen rechnet mit weiter wachsender Beschäftigung. Einen wesentlichen Teil des Wachstums trägt der Marineschiffbau.

Auch der Verband für Schiffbau und Meerestechnik beschreibt eine hohe Auslastung der Branche. Neben Marineprojekten sorgen Kreuzfahrtschiffe, Spezialschiffe und Offshore-Technik für Nachfrage. Der Verband verweist zugleich auf den starken internationalen Wettbewerb, vor allem aus China. Nach seinen Angaben stieg der Gesamtumsatz der deutschen maritimen Industrie zuletzt deutlich, ebenso die Beschäftigung bei größeren Werften.

Der Marineschiffbau nimmt dabei eine besondere Stellung ein. Der Bedarf der europäischen Streitkräfte hat die Auftragsbücher zahlreicher Unternehmen gefüllt, teilweise reichen Planungen bis weit in die kommenden Jahrzehnte. Gerade der Fall Blohm+Voss zeigt jedoch, dass ein hoher politischer Bedarf nicht automatisch eine gleichmäßige Werftauslastung garantiert. Beschaffungsverfahren können sich verzögern, Programme können neu zugeschnitten werden und einzelne Großaufträge können entfallen.

Wachstum hängt von verbindlichen Aufträgen ab

Für Blohm+Voss entscheidet deshalb nicht allein die vorhandene Fläche oder die theoretisch mögliche Produktionskapazität über den weiteren Hochlauf. Maßgeblich sind verbindliche Bestellungen für Drohnenboote, konkrete Arbeitsanteile an neuen Fregattenprogrammen und weitere Marineprojekte innerhalb von Rheinmetall Naval Systems. Der Konzern hat mit der Übernahme der Werften eine langfristige Expansion im Marineschiffbau eingeleitet. Wie schnell sich diese Strategie in zusätzliche Beschäftigung in Hamburg übersetzt, bleibt von der tatsächlichen Auftragsvergabe abhängig.

Fest steht bislang, dass Rheinmetall den Standort weiter für Marineschiffbau und unbemannte Systeme nutzen will und die Serienproduktion der neuen Boote begonnen hat. Zugleich hat das Ende der F126 die zuvor erwartete Grundauslastung verändert. Die nächsten Beschaffungsentscheidungen der Bundeswehr und weitere internationale Aufträge werden damit wesentlich darüber entscheiden, wie stark Blohm+Voss seine Fertigung in den kommenden Jahren tatsächlich ausbauen kann.

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