Dröge warnt vor Konflikten beim Ausbau von KI-Rechenzentren

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Grzegorz Walczak

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Der Ausbau von KI-Rechenzentren in Deutschland wird zunehmend zu einer politischen Verteilungsfrage. Grünen-Fraktionsvorsitzende Katharina Dröge warnt davor, die neue Infrastruktur allein unter dem Gesichtspunkt von zusätzlicher Rechenleistung zu betrachten. In einem Strategiepapier fordert sie, Kommunen und Bevölkerung stärker an den Vorteilen neuer Standorte zu beteiligen und Belastungen durch Strombedarf, Flächenverbrauch, Kühlung und Abwärme von Beginn an mitzudenken.

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Dröge hatte sich am Mittwoch in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio mit Aktivisten der Initiative Conserve Ohio getroffen. Die Gruppe setzt sich für eine Verfassungsänderung in Ohio ein, die den Bau großer Rechenzentren mit mehr als 25 Megawatt Leistung verhindern soll. Aus den Auseinandersetzungen in den USA zieht Dröge den Schluss, dass ein ungesteuerter Ausbau auch in Europa gesellschaftliche Konflikte auslösen könne. Die Politikerin stellt dabei nicht den Bedarf an Rechenleistung grundsätzlich infrage. Sie bezeichnet leistungsfähige KI-Infrastruktur vielmehr als wichtigen Faktor für den Wirtschaftsstandort.

Bund will Rechenzentrumskapazität bis 2030 verdoppeln

Der Vorstoß trifft auf eine Phase starken Ausbaus. Die Bundesregierung hat im März ihre Nationale Rechenzentrumsstrategie beschlossen. Danach soll sich die IT-Anschlussleistung deutscher Rechenzentren bis 2030 gegenüber 2025 mindestens verdoppeln. Die Kapazitäten für Künstliche Intelligenz und High Performance Computing sollen mindestens vervierfacht werden. Die Strategie verbindet dieses Ziel mit schnellerer Planung, geeigneten Flächen, einer gesicherten Stromversorgung und Nachhaltigkeitsanforderungen.

Nach einer vom Digitalverband Bitkom beim Borderstep Institut beauftragten Untersuchung lag die IT-Anschlussleistung deutscher Rechenzentren 2025 bei rund 2.980 Megawatt. Der Strombedarf lag bei 21,3 Milliarden Kilowattstunden. Rund 15 Prozent der installierten Kapazität entfielen demnach auf besonders leistungsstarke Systeme für KI und Hochleistungsrechnen. Bis 2030 erwartet die Studie einen deutlichen Anstieg. Solche Prognosen hängen allerdings stark davon ab, wie schnell Investitionen, Netzanschlüsse und Genehmigungen tatsächlich umgesetzt werden.

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Stromnetz wird zum entscheidenden Standortfaktor

Für Städte und Gemeinden beginnt die Abwägung bereits vor dem Bau. Große Rechenzentren benötigen hohe elektrische Anschlussleistungen. Das Bundeswirtschaftsministerium bezeichnet Netzanschlusskapazität inzwischen ausdrücklich als knappes Gut, um das unter anderem Rechenzentren, Batteriespeicher und Industriebetriebe konkurrieren. Ein im Juli vom Kabinett beschlossenes Netzanschlusspaket soll deshalb Verfahren verändern und Projekte bevorzugen, die tatsächlich umsetzungsreif sind.

Damit stellt sich für Kommunen die Frage, ob ein Standort nicht nur baurechtlich geeignet ist, sondern auch energiewirtschaftlich. Hinzu kommen Flächenbedarf, Kühltechnik, Wasserverbrauch, die Nähe zu leistungsfähigen Netzen und die Möglichkeit, entstehende Wärme sinnvoll zu nutzen. Die Bundesregierung nennt in ihrer Rechenzentrumsstrategie ausdrücklich wassersparende Kühlsysteme, Energieeffizienz und Abwärmenutzung als zentrale Faktoren.

Abwärme verbindet Rechenzentren mit kommunaler Wärmeplanung

Gerade die Abwärme macht aus einem Rechenzentrum mehr als ein gewöhnliches Gewerbeprojekt. Kommunen müssen bei ihrer Wärmeplanung prüfen, welche erneuerbaren Wärmequellen und welche unvermeidbare Abwärme vor Ort nutzbar sind. Dazu kann auch Wärme aus Rechenzentren gehören. Ob sie tatsächlich für Wohngebiete oder Betriebe eingesetzt werden kann, hängt jedoch von Entfernung, Temperaturniveau, vorhandenen Wärmenetzen und den Kosten der notwendigen Infrastruktur ab.

Das geltende Energieeffizienzgesetz enthält bereits Vorgaben für neue Rechenzentren. Für Anlagen, die seit dem 1. Juli 2026 in Betrieb gehen, gelten Anforderungen an die Energieverbrauchseffektivität und an den Anteil wiederverwendeter Energie. Zugleich hat die Bundesregierung im Juni einen Gesetzentwurf beschlossen, der mehrere Vorgaben flexibler gestalten soll. Unter anderem soll Abwärme bei neuen Rechenzentren nur dann verpflichtend genutzt werden, wenn ein Wärmenetz vorhanden ist. Das Gesetzgebungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

Gewerbesteuer wird zum Streitpunkt für Standortkommunen

Dröge fordert außerdem eine stärkere finanzielle Beteiligung der Standortkommunen. Hintergrund ist die Gewerbesteuer. Hat ein Unternehmen Betriebsstätten in mehreren Gemeinden, wird der Steuermessbetrag nach geltendem Recht grundsätzlich anhand der dort gezahlten Arbeitslöhne aufgeteilt. Bei hochautomatisierten Rechenzentren mit vergleichsweise wenigen Beschäftigten kann das für die Standortgemeinde ungünstig sein, obwohl sie Flächen bereitstellt und Infrastruktur vorhalten muss.

Dröge schlägt deshalb vor, bei großen Betrieben mit wenigen Beschäftigten zusätzlich den Stromverbrauch für die Verteilung der Gewerbesteuer heranzuziehen. Die Bundesregierung hat das Problem grundsätzlich ebenfalls erkannt. Ihre Rechenzentrumsstrategie sieht wirtschaftliche Anreize für betroffene Kommunen vor, und Bundesdigitalminister Karsten Wildberger erklärte im Bundestag, Standortkommunen sollten an den Gewerbesteuereinnahmen beteiligt werden. Eine entsprechende Sonderregel für Rechenzentren enthält das geltende Gewerbesteuergesetz bislang nicht.

Der Boom ist längst ein internationales Infrastrukturthema

Die Debatte reicht weit über Deutschland hinaus. Die Internationale Energieagentur geht in ihrer 2026 aktualisierten Analyse davon aus, dass sich der weltweite Stromverbrauch von Rechenzentren von rund 485 Terawattstunden im Jahr 2025 auf etwa 950 Terawattstunden im Jahr 2030 ungefähr verdoppeln könnte. Der Stromverbrauch von speziell auf KI ausgerichteten Rechenzentren könnte sich im selben Zeitraum verdreifachen.

Damit verschiebt sich die politische Frage. Es geht nicht mehr nur darum, wie viele KI-Rechenzentren in Deutschland entstehen, sondern unter welchen Bedingungen sie gebaut werden. Stromnetz, Flächen, Wasser, Wärmenutzung und kommunale Einnahmen werden zu Standortfaktoren, die über Akzeptanz und Tempo des Ausbaus mitentscheiden. Dröges Warnung zielt damit auf einen Konflikt, den die Bundesregierung in ihrer eigenen Strategie bereits teilweise adressiert, dessen konkrete Regeln aber an mehreren Stellen noch offen sind.

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