
Venezuela und die Vereinigten Staaten stehen möglicherweise vor einer weitreichenden Neuordnung ihrer Beziehungen im Ölgeschäft. Nach übereinstimmenden Berichten auf Grundlage nicht namentlich genannter Beteiligter wird über einen langfristigen Zugang der USA zu ausgewählten venezolanischen Ölfeldern gesprochen. Dabei sollen amerikanische Unternehmen die Förderung übernehmen oder ausbauen können. Auch ein ungewöhnlich langfristiges Pachtmodell ist demnach Gegenstand der Gespräche. Offiziell abgeschlossen oder veröffentlicht war ein solches Abkommen zunächst nicht.
Der mögliche Öl-Deal zwischen Venezuela und den USA fällt in eine Phase, in der Washington die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Geschäfte mit dem südamerikanischen Staat bereits deutlich verändert hat. Das US-Finanzministerium passte am Donnerstag, 27. August, mehrere Venezuela-Lizenzen an. Sie betreffen unter anderem den Handel mit venezolanischem Öl, Dienstleistungen für den Öl- und Gassektor sowie Geschäfte mit dem staatlichen Energiekonzern PDVSA. Das Ministerium begründete weitere Änderungen ausdrücklich mit venezolanischen Investitionsreformen seit Januar 2026.
Reuters zufolge geht es bei den Verhandlungen um 17 Ölfelder. Dazu sollen sowohl bislang wenig entwickelte Vorkommen im Orinoco-Gürtel als auch ältere Fördergebiete rund um den Maracaibo-See gehören. Das Modell soll den USA langfristigen Zugriff auf daraus gefördertes Rohöl sichern. Eine unabhängige Bestätigung der Zahl der Felder durch die Regierungen in Washington oder Caracas lag zunächst nicht vor.
Axios berichtete ebenfalls unter Berufung auf US-Regierungsvertreter über Gespräche zu mehr als einem Dutzend Feldern. Dem Bericht zufolge könnten die entsprechenden Lagerstätten zusammen rund 90 Milliarden Barrel umfassen. Auch diese Größenordnung wurde zunächst nicht durch eine veröffentlichte Vereinbarung bestätigt.
Die Dimension wäre dennoch erheblich. Venezuela verfügt laut US-Energiebehörde EIA über rund 303 Milliarden Barrel nachgewiesene Rohölreserven und damit über die größten bekannten Reserven weltweit. Viele davon bestehen aus besonders schwerem Rohöl im Orinoco-Gürtel. Dessen Förderung und Verarbeitung erfordern erheblichen technischen und finanziellen Aufwand. Trotz der großen Reserven lag Venezuelas tatsächlicher Anteil an der weltweiten Förderung deshalb lange weit unter seinem theoretischen Potenzial.
Besonders ungewöhnlich ist die Konstruktion, über die derzeit gesprochen wird. Eine Quelle nannte gegenüber Reuters ein Leasingmodell als eine mögliche rechtliche Grundlage. Bloomberg berichtete darüber hinaus, dass in den Gesprächen sogar eine Laufzeit von bis zu 100 Jahren für mehrere Felder erörtert worden sei. Eine abschließende Festlegung darauf gab es demnach nicht.
Ein solches Modell wäre für Venezuela ein deutlicher Bruch mit der jahrzehntelangen Struktur seines Ölsektors. Die wichtigsten Aktivitäten der Branche waren traditionell stark auf den Staat und PDVSA zugeschnitten. Bereits Anfang 2026 änderte die Nationalversammlung allerdings das Kohlenwasserstoffrecht. Die Reform ermöglicht privaten und ausländischen Unternehmen mehr operative Eigenständigkeit und erweitert unter anderem Möglichkeiten für Produktionsbeteiligungen und die Übertragung bestimmter Vermögenswerte.
Damit wurde der rechtliche Spielraum für ausländische Investitionen größer. Ein klassisches Pachtmodell für komplette Fördergebiete ist damit jedoch nicht automatisch geklärt. Die konkrete juristische Ausgestaltung eines möglichen US-Abkommens blieb zunächst offen.
Die Gespräche stehen nicht isoliert. Mehrere internationale Energieunternehmen bauen ihre Aktivitäten in Venezuela bereits wieder aus. Chevron arbeitet weiterhin über Gemeinschaftsunternehmen mit PDVSA. Repsol und Eni haben neue Vereinbarungen im Gasgeschäft abgeschlossen. Auch der US-Öldienstleister SLB erhielt zuletzt Zugang zu wichtigen venezolanischen Felddaten, um die teilweise veraltete Dateninfrastruktur von PDVSA zu modernisieren.
Zugleich hat sich der venezolanische Ölhandel verändert. Mitte 2026 lag die Förderung nach Reuters-Angaben bereits bei mehr als 1,2 Millionen Barrel pro Tag. Raffinerien und Produzenten schlossen wieder verstärkt direkte Lieferverträge mit PDVSA ab. Etwa die Hälfte der venezolanischen Exporte ging zu diesem Zeitpunkt demnach in die Vereinigten Staaten.
Von den früheren Fördermengen bleibt Venezuela dennoch weit entfernt. Große Teile der Infrastruktur gelten als veraltet oder beschädigt. Für einen deutlichen Produktionsanstieg wären neue Bohrungen, Reparaturen, moderne Fördertechnik und hohe Investitionen erforderlich. Gerade das besonders schwere venezolanische Rohöl lässt sich nicht ohne erhebliche technische Kapazitäten schnell auf den Markt bringen.
Parallel zu den Ölgesprächen wird auch über Venezuelas Verhältnis zur OPEC diskutiert. Bloomberg berichtete unter Berufung auf mit den Gesprächen vertraute Personen, Caracas prüfe einen Austritt aus der Organisation. Die Möglichkeit sei demnach auch in Gesprächen mit US-Vertretern angesprochen worden. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen. Eine offizielle Erklärung Venezuelas oder der OPEC zu einem Austritt lag zunächst nicht vor.
Ein solcher Schritt hätte große symbolische Bedeutung. Venezuela gehörte 1960 zu den fünf Gründungsstaaten der OPEC. Das Land ist außerdem weiterhin in den Führungsgremien der erweiterten OPEC+-Kooperation vertreten. Noch Anfang August nahm Venezuela am Gemeinsamen Ministeriellen Überwachungsausschuss der Gruppe teil.
Für die kurzfristige weltweite Ölversorgung wäre ein Austritt allein jedoch weniger entscheidend als ein tatsächlicher Anstieg der venezolanischen Produktion. Die Fördermenge des Landes liegt trotz jüngster Fortschritte weit unter seinem historischen Niveau und deutlich unter dem Potenzial seiner Reserven.
Die weltweiten Rohölmärkte befinden sich derzeit in einer besonders angespannten geopolitischen Lage. Brent-Rohöl lag am Freitag gegen Mittag nach Reuters-Angaben bei rund 89,66 Dollar je Barrel, US-Öl der Sorte WTI bei etwa 83,21 Dollar. Beide Sorten bewegten sich damit auf einen Wochenverlust zu. Belastend wirkten unter anderem Veränderungen bei den Lieferströmen aus dem Nahen Osten und die Erwartungen hinsichtlich weiterer diplomatischer Entwicklungen rund um Iran.
Gleichzeitig hat OPEC+ ihre freiwilligen Produktionskürzungen weiter zurückgenommen. Für September beschlossen sieben beteiligte Staaten eine zusätzliche Anpassung um 188.000 Barrel pro Tag. Die Gruppe überprüft derzeit zudem Produktionskapazitäten, die als Grundlage für Quoten ab 2027 dienen sollen.
Sollte Venezuela in den kommenden Jahren deutlich mehr Rohöl produzieren und einen größeren Anteil langfristig in die USA liefern, könnte dies zusätzliche Mengen außerhalb der bisherigen OPEC-Steuerung auf den Markt bringen. Kurzfristig dürfte der Effekt jedoch begrenzt bleiben. Selbst große Reserven führen nicht automatisch zu schneller zusätzlicher Förderung. Entscheidend wären Investitionen, Infrastruktur, rechtliche Sicherheit und die tatsächliche Umsetzung neuer Projekte.
Ein langfristiges Abkommen zwischen Washington und Caracas könnte deshalb vor allem die Richtung vorgeben: weg von einem weitgehend abgeschotteten venezolanischen Staatssektor und hin zu einer stärkeren Einbindung US-amerikanischer Ölunternehmen. Wie weit diese Öffnung reicht und ob Venezuela dafür tatsächlich seine historische Bindung an die OPEC aufgibt, war am Freitag noch nicht entschieden.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu