
Der österreichische Motorradhersteller KTM zeigt nach der schweren Unternehmenskrise deutliche Zeichen einer wirtschaftlichen Stabilisierung. Die Muttergesellschaft Bajaj Mobility AG, die bis Anfang 2026 Pierer Mobility hieß und die KTM AG vollständig kontrolliert, steigerte ihren Konzernumsatz im ersten Halbjahr 2026 auf 701,4 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es 425,2 Millionen Euro. Damit legten die Erlöse um 65 Prozent zu.
Die KTM Halbjahreszahlen 2026 sind allerdings nur eingeschränkt mit dem Vorjahr vergleichbar. Im ersten Halbjahr 2025 waren Produktion und Vertrieb wegen der Sanierungsverfahren zeitweise stark eingeschränkt oder vollständig zum Stillstand gekommen. Zudem hatte ein Sanierungsgewinn von rund 1,19 Milliarden Euro die damaligen Ergebniszahlen erheblich beeinflusst.
Operativ zeigt sich 2026 ein anderes Bild. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, EBITDA, lag in den ersten sechs Monaten bei 37,6 Millionen Euro. Bereinigt um den Sanierungseffekt hatte im ersten Halbjahr 2025 noch ein EBITDA von minus 183,3 Millionen Euro zu Buche gestanden. Das operative Ergebnis EBIT verbesserte sich auf minus 24,8 Millionen Euro nach bereinigt minus 256,3 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.
Unter dem Strich blieb Bajaj Mobility im ersten Halbjahr 2026 noch in den roten Zahlen. Das Periodenergebnis lag bei minus 47,0 Millionen Euro.
Besonders deutlich ist die Verbesserung im zweiten Quartal. Von April bis Juni erzielte der Konzern 370,2 Millionen Euro Umsatz, 60,5 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahresquartal. Das EBITDA erreichte 32,0 Millionen Euro, die EBITDA-Marge lag bei 8,7 Prozent.
Das EBIT kam im zweiten Quartal auf plus 1,3 Millionen Euro. Damit erreichte die Gruppe nach eigenen Angaben erstmals seit dem Abschluss der insolvenzrechtlichen Sanierungsverfahren wieder ein positives operatives Quartalsergebnis. Im zweiten Quartal 2025 hatte das um den Sanierungsgewinn bereinigte EBIT noch bei minus 164,7 Millionen Euro gelegen.
Für das gesamte erste Halbjahr reicht die Verbesserung wegen des schwächeren ersten Quartals noch nicht für ein positives EBIT. Auch der Free Cashflow blieb mit minus 22,1 Millionen Euro negativ. Im Vorjahreszeitraum hatte er bei minus 38,5 Millionen Euro gelegen.
Die Nettoverschuldung lag Ende Juni bei 826,8 Millionen Euro. Das Eigenkapital erreichte 339,9 Millionen Euro, entsprechend einer Eigenkapitalquote von 21,5 Prozent.
Deutlich erholt hat sich der Verkauf der Kernmarken. Im ersten Halbjahr setzte die Gruppe 89.004 Motorräder der Marken KTM, Husqvarna und GASGAS ab. Ein Jahr zuvor waren es 46.386 Maschinen gewesen. Das entspricht einem Anstieg um 91,9 Prozent.
Der mit diesen drei Marken erzielte Motorradumsatz stieg von 277,2 Millionen auf 579,6 Millionen Euro. Besonders kräftig entwickelte sich der Bereich der Straßenmotorräder. Hier erhöhte sich der Absatz von 25.107 auf 60.926 Maschinen.
Hinzu kamen 58.568 Motorräder, die in Indien direkt über Bajaj Auto verkauft wurden. Damit wurden über die KTM Gruppe und den indischen Partner im ersten Halbjahr weltweit 147.572 Motorräder der betreffenden Marken vertrieben.
Europa hat für das Unternehmen wieder erheblich an Bedeutung gewonnen. Im Motorradsegment wurden 43.426 Fahrzeuge in Europa abgesetzt, mehr als doppelt so viele wie ein Jahr zuvor. Die wichtigsten europäischen Einzelmärkte waren Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien.
Gleichzeitig wurden die Lagerbestände weiter reduziert. Die Bestände der Gruppe sowie der Händler und Importeure gingen seit Jahresbeginn zusammen um 10.190 Motorräder zurück. Der Abbau überhöhter Lagerbestände gehört seit Beginn der Sanierung zu den zentralen Aufgaben des Managements.
Die Erholung der Geschäftszahlen geht mit einem erheblich kleineren Personalbestand einher. Ende Juni 2026 beschäftigte die Bajaj Mobility Gruppe 3.416 Mitarbeiter. Ende Dezember 2025 waren es noch 3.782 gewesen. Innerhalb von sechs Monaten sank die Zahl damit um 366.
Bereits Anfang 2026 hatte das Unternehmen einen weiteren Abbau von rund 500 Stellen eingeleitet. Betroffen sind vor allem Angestellte und Teile des mittleren Managements. Nach Angaben im Halbjahresbericht soll diese Maßnahme im dritten Quartal 2026 vollständig abgeschlossen werden. Dafür wurden gemeinsam mit Betriebsrat und Sozialpartnern Sozialpläne ausgearbeitet.
Die Dimension der Restrukturierung wird beim längerfristigen Vergleich deutlich. Ende 2023 hatte die Gruppe noch mehr als 6.000 Beschäftigte. Neben Personalmaßnahmen wurden inzwischen Geschäftsbereiche verkauft oder eingestellt und verschiedene Tochtergesellschaften geschlossen beziehungsweise in Liquidation geschickt. Der Konzern konzentriert sich inzwischen wieder weitgehend auf Motorräder, Komponenten und die Kernmarken KTM, Husqvarna und GASGAS.
Mattighofen in Oberösterreich bleibt dabei das Zentrum der Gruppe. Dort befindet sich inzwischen auch der Sitz der Bajaj Mobility AG. Das Unternehmen hatte bereits während der Sanierung erklärt, dass Mattighofen und der benachbarte Standort Munderfing die industrielle Basis des Motorradgeschäfts bleiben sollen.
Eine Schlüsselrolle bei der Rettung von KTM spielte der indische Fahrzeughersteller Bajaj Auto. Die Zusammenarbeit beider Unternehmen reicht bis 2007 zurück. Während der Krise stellte Bajaj umfangreiche Finanzierungen bereit.
KTM AG hatte Ende November 2024 ein gerichtliches Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung beantragt. Im Februar 2025 akzeptierten die Gläubiger einen Sanierungsplan, nach dem sie eine Barquote von 30 Prozent ihrer anerkannten Forderungen erhalten sollten. Für die drei betroffenen KTM Gesellschaften waren letztlich 525 Millionen Euro für die Quotenzahlungen erforderlich. Bajaj stellte die dafür notwendigen Mittel bereit. Im Juni 2025 wurden die Sanierungspläne rechtskräftig und die Verfahren beendet.
Insgesamt arrangierte Bajaj nach eigenen Angaben ein Eigenkapital und Fremdkapital umfassendes Finanzierungspaket von 880 Millionen Euro für die Restrukturierung und Wiederaufnahme des Geschäfts.
Im November 2025 übernahm Bajaj Auto über seine Tochtergesellschaft schließlich die alleinige Kontrolle über die frühere Pierer Bajaj AG. Diese Gesellschaft hält 74,94 Prozent an der inzwischen in Bajaj Mobility AG umbenannten früheren Pierer Mobility AG. Bajaj kontrolliert damit mittelbar auch die KTM AG.
Im Februar 2026 erhielt KTM zudem einen Refinanzierungskredit über 550 Millionen Euro von einem Bankenkonsortium mit einer Laufzeit von fünf Jahren. Damit wurde unter anderem ein zuvor von Bajaj bereitgestelltes Darlehen zurückgeführt.
Unterstützung kommt derzeit auch vom europäischen Markt. Nach Zahlen des europäischen Motorradherstellerverbands ACEM wurden im ersten Halbjahr 2026 in den fünf großen Märkten Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Großbritannien insgesamt 636.490 Motorräder neu zugelassen.
Das waren 16,8 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2025. Deutschland verzeichnete mit 114.849 Neuzulassungen ein Plus von 27,6 Prozent. Der Vergleich wird allerdings durch das schwache Jahr 2025 beeinflusst. Damals hatten unter anderem regulatorische Effekte rund um die Umstellung auf Euro 5+ und vorgezogene Zulassungen Ende 2024 den Markt verzerrt.
Für KTM fällt die wirtschaftliche Erholung damit in ein günstigeres Marktumfeld. Dennoch ist die Sanierung noch nicht abgeschlossen. Das Management will in der zweiten Jahreshälfte weitere Kosten senken, die Organisationsstruktur vereinfachen und die Konzentration auf das Motorradgeschäft fortsetzen. Ob sich das positive EBIT des zweiten Quartals fortsetzt, macht das Unternehmen ausdrücklich von der Nachfrage sowie von wirtschaftlichen und geopolitischen Rahmenbedingungen abhängig. Übergeordnetes Ziel bleibt, die Profitabilität weiter zu verbessern und nachhaltig positive freie Cashflows zu erreichen.
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