Mehr als 20 Jahre Rente: So lange beziehen Deutsche heute Geld

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Menschen in Deutschland erhalten ihre gesetzliche Rente deutlich länger als noch vor wenigen Jahrzehnten. Die Rentenbezugsdauer in Deutschland lag im Jahr 2024 bei den sogenannten Versichertenrenten durchschnittlich bei 20,5 Jahren. Das geht aus der Statistik der Deutschen Rentenversicherung hervor. Frauen bezogen diese Renten im Schnitt 22,1 Jahre lang, Männer 18,9 Jahre. Damit besteht weiterhin ein deutlicher Unterschied zwischen den Geschlechtern.

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Versichertenrenten umfassen dabei nicht nur Altersrenten, sondern auch Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit. Wer ausschließlich die Altersrenten betrachtet, kommt deshalb auf andere Werte. Das Statistische Bundesamt nennt unter Berufung auf die Deutsche Rentenversicherung für Altersrenten im Jahr 2024 eine durchschnittliche Bezugsdauer von 21,7 Jahren. Die unterschiedlichen Zahlen widersprechen sich somit nicht, sondern beruhen auf unterschiedlichen Abgrenzungen der Statistik.

Rentenbezugsdauer steigt seit Jahrzehnten

Der langfristige Vergleich zeigt, wie stark sich die Dauer verändert hat. Für das Jahr 1995 weist die Deutsche Rentenversicherung deutschlandweit bei den Versichertenrenten eine durchschnittliche Bezugsdauer von 15,8 Jahren aus. Männer kamen damals im Schnitt auf 13,6 Jahre, Frauen auf 18,2 Jahre. Im Jahr 2005 lag der Gesamtwert bereits bei 17,2 Jahren, 2010 bei 18,5 Jahren. Für 2020 verzeichnete die Rentenversicherung 20,2 Jahre, für 2024 schließlich 20,5 Jahre.

Ein direkter gesamtdeutscher Vergleich mit 1990 ist anhand dieser Zeitreihe nicht möglich. Die Deutsche Rentenversicherung weist für 1990 Werte für die alten Bundesländer aus. Dort lag die durchschnittliche Bezugsdauer damals bei 15,4 Jahren. Männer bezogen ihre Versichertenrente durchschnittlich 13,9 Jahre und Frauen 17,2 Jahre. Für Gesamtdeutschland enthält die veröffentlichte Reihe vergleichbare Werte ab 1995.

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Seit 1995 ist die bundesweite durchschnittliche Bezugsdauer damit von 15,8 auf 20,5 Jahre gestiegen. Das entspricht einem Zuwachs von 4,7 Jahren innerhalb von knapp drei Jahrzehnten. Besonders deutlich war die Entwicklung bei Männern. Ihre durchschnittliche Bezugsdauer erhöhte sich von 13,6 Jahren im Jahr 1995 auf 18,9 Jahre im Jahr 2024. Bei Frauen stieg sie im selben Zeitraum von 18,2 auf 22,1 Jahre.

Frauen beziehen im Schnitt gut drei Jahre länger Rente

Der Abstand zwischen Frauen und Männern lag 2024 bei 3,2 Jahren. Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung bezogen Frauen Versichertenrenten durchschnittlich 22,1 Jahre, Männer 18,9 Jahre. Bereits 2019 waren es 21,7 Jahre bei Frauen und 18,2 Jahre bei Männern.

Die längere Rentenbezugsdauer steht vor allem im Zusammenhang mit der höheren durchschnittlichen Lebenserwartung von Frauen. Die Deutsche Rentenversicherung verweist ausdrücklich darauf, dass die gestiegene Lebenserwartung eine wesentliche Ursache dafür ist, dass Renten heute deutlich länger gezahlt werden als vor Jahrzehnten.

Allerdings steigt die Bezugsdauer inzwischen langsamer als in früheren Jahrzehnten. Nach Einschätzung der Deutschen Rentenversicherung wirken dabei unter anderem höhere Altersgrenzen und der Wegfall früher nutzbarer Altersrentenarten. Zwischen 2019 und 2024 nahm die durchschnittliche Bezugsdauer bei Männern um 0,7 Jahre und bei Frauen um 0,4 Jahre zu.

Die statistische Bezugsdauer ist zudem keine Prognose dafür, wie lange ein heute neu in Rente gehender Mensch persönlich Leistungen erhalten wird. Die Deutsche Rentenversicherung berechnet die Werte als Querschnitt aus den Renten, die im jeweiligen Berichtsjahr weggefallen sind. Rechtsänderungen, Altersstrukturen und besondere Entwicklungen können die Jahreswerte beeinflussen.

Warum eine längere Rentenzeit die Finanzierung beeinflusst

Für die gesetzliche Rentenversicherung ist eine längere Bezugsdauer ein wichtiger Faktor, weil Rentenleistungen dadurch über einen längeren Zeitraum finanziert werden müssen. Sie ist aber nicht die einzige entscheidende Größe. Für die Finanzlage sind ebenso die Zahl der Beitragszahlenden, ihre Löhne und Gehälter, die Zahl der Rentnerinnen und Rentner, die Rentenhöhe, die Beschäftigungsentwicklung und die Bundesmittel relevant.

Im Jahr 2024 nahm die gesetzliche Rentenversicherung nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung insgesamt rund 402,0 Milliarden Euro ein. Die Beitragseinnahmen lagen bei rund 305,9 Milliarden Euro. Der allgemeine Bundeszuschuss einschließlich des Defizitausgleichs der knappschaftlichen Rentenversicherung lag bei rund 61,8 Milliarden Euro, hinzu kamen rund 30,8 Milliarden Euro zusätzlicher Bundeszuschuss.

Die gesamten Ausgaben der Rentenversicherung lagen 2024 bei rund 402,8 Milliarden Euro. Davon entfielen rund 360,1 Milliarden Euro auf Rentenausgaben. Damit machen die eigentlichen Rentenzahlungen den mit Abstand größten Ausgabenposten aus.

Eine steigende Rentenbezugsdauer erhöht den langfristigen Finanzierungsbedarf grundsätzlich, wenn andere Faktoren unverändert bleiben. Gleichzeitig lässt sich die finanzielle Entwicklung nicht allein aus der Zahl der Rentenjahre ableiten. Ein späterer Renteneintritt, steigende Beschäftigung oder höhere beitragspflichtige Einkommen können die Einnahmeseite stärken.

Babyboomer verändern das Verhältnis zwischen Erwerbstätigen und Rentnern

Zusätzlich zur längeren Bezugsdauer verändert sich die Altersstruktur der Bevölkerung. Nach der 16. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes wird im Jahr 2035 rund ein Viertel der Bevölkerung in Deutschland mindestens 67 Jahre alt sein. Im Jahr 2024 war es etwa ein Fünftel.

Destatis erwartet, dass die Zahl der Menschen ab 67 Jahren bis 2038 je nach Entwicklung der Lebenserwartung auf 20,5 bis 21,3 Millionen steigt. Das wären 3,8 bis 4,5 Millionen Menschen mehr als 2024. Hintergrund ist insbesondere der Übergang der geburtenstarken Babyboomer-Jahrgänge in den Ruhestand. Gleichzeitig folgen zahlenmäßig kleinere Generationen im Erwerbsalter nach.

Nach den Berechnungen von Destatis kamen 2024 auf 100 Menschen im Erwerbsalter rund 33 Menschen im Rentenalter. Für 2070 reichen die Vorausberechnungen je nach Annahmen von 43 bis 61 Personen im Rentenalter je 100 Menschen im Erwerbsalter. Wie sich das Verhältnis tatsächlich entwickelt, hängt unter anderem von Geburtenrate, Lebenserwartung und Zuwanderung ab.

Beitragssatz dürfte langfristig steigen

Die demografische Entwicklung schlägt sich auch in den Modellrechnungen zur gesetzlichen Rentenversicherung nieder. Nach dem Rentenversicherungsbericht 2025 des Bundesarbeitsministeriums liegt der Beitragssatz derzeit bei 18,6 Prozent. In der Modellrechnung bleibt er bis einschließlich 2027 stabil. Für 2028 werden 19,8 Prozent, für 2029 20,0 Prozent und für 2039 21,2 Prozent ausgewiesen.

Diese Werte sind keine sicheren Prognosen. Das Bundesarbeitsministerium weist ausdrücklich darauf hin, dass die Berechnungen auf Annahmen zur wirtschaftlichen und demografischen Entwicklung sowie auf dem jeweils zugrunde gelegten Rechtsstand beruhen. Veränderungen bei Beschäftigung, Löhnen, Migration oder gesetzlichen Regelungen können die Ergebnisse verschieben.

Das Sicherungsniveau vor Steuern liegt nach dem Rentenversicherungsbericht 2025 aktuell bei 48 Prozent und soll auf Grundlage der berücksichtigten gesetzlichen Regelungen bis 2031 auf diesem Niveau gehalten werden. Danach sinkt es in der Modellrechnung bis 2039 auf 46,3 Prozent.

Die aktuellen Zahlen zur Rentenbezugsdauer zeigen damit vor allem einen langfristigen strukturellen Wandel. Renten werden heute im Durchschnitt mehrere Jahre länger gezahlt als Mitte der 1990er Jahre. Zusammen mit dem Übergang der Babyboomer in den Ruhestand und den kleineren nachfolgenden Jahrgängen erhöht das die Anforderungen an die Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung. Wie stark Beiträge und Bundesmittel künftig tatsächlich steigen, hängt jedoch von mehreren wirtschaftlichen, demografischen und politischen Faktoren ab.

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