Ali G ist zurück und in Großbritannien beginnt alter Streit neu

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Sacha Baron Cohen bringt eine seiner bekanntesten Kunstfiguren nach mehr als zwei Jahrzehnten wieder auf die große Leinwand. Ali G: Who Iz I? soll im Oktober 2026 in die Kinos kommen. Noch vor dem Start hat sich in Großbritannien Widerstand gegen den Film formiert. Die Organisation NewsCord fordert Kinobetreiber im In- und Ausland auf, den neuen Ali-G-Film nicht ins Programm zu nehmen. Sie begründet ihre Kampagne mit dem Vorwurf, die Figur bediene rassistische Stereotype. Cohen selbst hat das Comeback mit einem ironischen Hinweis auf Debatten über politisch unkorrekten Humor angekündigt.

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Ali G: Who Iz I? ist als Mockumentary angelegt und bringt Cohen erneut mit realen Personen zusammen. Amazon MGM Studios ist an der Produktion beteiligt. International wird der Film von Sony Pictures vertrieben. In Deutschland ist der Kinostart für den 22. Oktober angekündigt, in Großbritannien und den USA soll der Film am 23. Oktober erscheinen. Cohen führt erstmals bei einem Spielfilm selbst Regie und übernimmt zugleich die Hauptrolle.

Auf Anfrage von Variety hatten sich Amazon und Cohens Vertreter bei der Künstleragentur CAA bis zur Veröffentlichung des Berichts nicht zu den gegen den Film erhobenen Vorwürfen geäußert. Eine öffentliche Stellungnahme von Sony Pictures zur Kritik war zunächst ebenfalls nicht dokumentiert. Cohen hatte allerdings unabhängig von der Boykottkampagne die Rückkehr Ali Gs auf X ironisch damit kommentiert, dass in einer Zeit, in der ein unpolitisch korrekter Witz die Karriere eines Komikers beenden könne, diese Figur für ihn offenbar die sichere Wahl sei.

NewsCord fordert Kinos zum Verzicht auf

Hinter der Kampagne steht NewsCord, eine britische Plattform für Nachrichtenvergleich und Medienbeobachtung. Sie startete am Mittwoch eine Aktion, über die registrierte Unterstützer personalisierte Schreiben an Kinoketten versenden lassen können. Angeschrieben werden nach Angaben der Organisation Betreiber unter anderem in Großbritannien, den USA, Kanada, Australien, Europa, Mexiko und dem Nahen Osten.

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NewsCord gab zunächst mehr als 36.000 und später mehr als 37.000 versandte E-Mails an. Diese Zahl stammt von der Organisation selbst. Eine unabhängige Bestätigung für den genauen Umfang der versandten Schreiben lag zunächst nicht vor. Mehrere US-amerikanische und britische Fachmedien übernahmen die Größenordnung ausdrücklich als Angabe der Kampagneninitiatoren.

NewsCord wirft Cohen vor, Satire könne bei Ali G als Deckmantel für rassistische Stereotype dienen. Die Organisation verweist dabei auch auf Kritik, die bereits zu Beginn der Karriere der Figur geäußert worden sei. Der britische Schauspieler und Komiker Felix Dexter habe im Jahr 2000 argumentiert, Ali G ermögliche einem liberalen Publikum, über schwarze Straßenkultur zu lachen und sich zugleich politisch korrekt zu fühlen. Auch die Schriftstellerin Jeanette Winterson habe damals einen Vergleich mit der rassistischen Tradition der Black and White Minstrel Show gezogen. Diese Bewertungen stammen von den jeweils genannten Kritikern und sind keine Tatsachenfeststellungen über die Wirkung oder Absicht der Figur.

Die britische Autorin und Journalistin Afua Hirsch schrieb anlässlich des neuen Films, sie habe Ali G bereits früher als Spott über schwarze Menschen wahrgenommen. Sie vertritt zudem die Auffassung, Cohens Darstellung schwarzer Kultur, von Frauen und sozialer Herkunft passe nicht mehr in die heutige gesellschaftliche Debatte. Auch dies ist eine persönliche Bewertung Hirschs.

Picturehouse hat keinen Boykott bestätigt

Besondere Aufmerksamkeit bekam die Reaktion der britischen Kinokette Picturehouse. Das Unternehmen erklärte auf eine Anfrage, derzeit keine Pläne zu haben, den Film zum Kinostart zu zeigen. NewsCord wertete diese Antwort zunächst als Erfolg seiner Kampagne. Daraus lässt sich jedoch kein bestätigter Boykott ableiten.

Nach Informationen des Branchenmagazins Variety handelte es sich bei der Nachricht von Picturehouse um eine übliche Kundenantwort für Filme, die noch nicht gebucht worden seien und deshalb nicht im aktuellen Programm auftauchten. Eine endgültige Entscheidung über Ali G: Who Iz I? sei zu diesem Zeitpunkt noch nicht getroffen worden. Die Aussage, Picturehouse habe sich aufgrund der Protestaktion grundsätzlich gegen den Film entschieden, wäre deshalb nicht belegt.

Auch der britische Kinobranchenverband UK Cinema Association stellte sich nicht hinter einen allgemeinen Boykottaufruf. Geschäftsführer Phil Clapp erklärte gegenüber Variety, Kinos sollten ein möglichst breites Publikum unterhalten und seien nicht dafür zuständig, als Zensoren des öffentlichen Geschmacks aufzutreten. Die Entscheidung über eine Aufführung solle bei entsprechend freigegebenen Filmen vor allem davon abhängen, welches Interesse die Betreiber bei ihrem Publikum erwarteten.

Ali G entstand Ende der 1990er Jahre

Cohen entwickelte Ali G Ende der 1990er Jahre für die britische Fernsehsendung The 11 O Clock Show. Die Figur ist ein weißer Mann aus Staines, der sich mit Hip-Hop-Kleidung, Slang und Verhaltensweisen inszeniert, die an schwarze britische und jamaikanische Jugendkultur angelehnt sind. Später folgten Da Ali G Show und 2002 der Kinofilm Ali G Indahouse. Cohen kündigte 2007 zeitweise den Abschied von der Figur an, ließ sie danach aber vereinzelt wieder auftreten.

Die ursprüngliche satirische Idee wird unterschiedlich interpretiert. Die Figur sollte nach der verbreiteten Beschreibung einen ignoranten weißen Vorstadtbewohner darstellen, der sich eine Kultur aneignet, die er selbst kaum versteht. Kritiker wie NewsCord vertreten dagegen die Auffassung, dass dieser Aufbau nicht verhindere, dass schwarze beziehungsweise jamaikanische Kultur selbst zum Gegenstand des Spotts werde. Diese Auseinandersetzung begleitet Ali G bereits seit seiner frühen Fernsehzeit.

Der neue Film greift das Prinzip der Kunstfigur wieder auf. Ali G erfährt darin, dass seine langjährige Freundin Julie schwanger ist, und reist in die USA, um an seinen früheren Ruhm anzuknüpfen. Morgana Robinson spielt Julie. Der bereits veröffentlichte Trailer zeigt erneut Begegnungen Cohens in seiner Rolle mit realen Personen.

Kinostart bleibt bislang bestehen

Die Kampagne hat den geplanten internationalen Kinostart bislang nicht verändert. Amazon MGM Studios kündigt Ali G: Who Iz I? weiterhin für Oktober an, während Sony Pictures den Film international vermarktet. Für Deutschland wird der 22. Oktober 2026 als Starttermin genannt.

Ebenso wenig lässt sich aus der bislang bekannten Reaktion von Picturehouse schließen, dass größere Kinoketten die Forderung von NewsCord übernehmen werden. Bestätigte Absagen aufgrund der vorgebrachten Kritik waren zunächst nicht in größerem Umfang bekannt. Die Kampagne dokumentiert vor allem den Versuch, Kinobetreiber vor ihren endgültigen Programmentscheidungen direkt unter Druck zu setzen.

Damit wird das Comeback von Ali G schon vor dem Kinostart erneut von jener Auseinandersetzung begleitet, die die Figur seit ihren Anfängen prägt. Im Zentrum steht die Frage, ob Cohen mit einer bewusst ignoranten weißen Kunstfigur Vorurteile und kulturelle Aneignung satirisch bloßstellt oder ob die Darstellung nach Auffassung seiner Kritiker selbst Stereotype reproduziere. Während NewsCord und weitere Kritiker Letzteres vertreten, ist der Film weiterhin regulär für einen internationalen Kinostart im Oktober vorgesehen.

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