
Nach der verheerenden Sturzflut im Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet werden auch auf chinesischer Seite deutsche Staatsangehörige vermisst. Nach Angaben der Behörden in der Autonomen Region Tibet befinden sich drei Deutsche unter den weiterhin nicht gefundenen Ausländern. Gleichzeitig suchen Rettungskräfte in Nepal und China nach insgesamt rund 3.000 Vermissten. Die Zahl der bestätigten Todesopfer ist bis Sonntag auf 750 gestiegen.
In der chinesischen Region Tibet galten am Sonntag noch 546 Menschen als vermisst. Unter ihnen befinden sich nach Angaben der dortigen Behörden 261 ausländische Staatsangehörige aus insgesamt 23 Ländern. Drei der Vermissten sind Deutsche. Hinzu kommen unter anderem 18 Menschen aus den USA und 15 aus Großbritannien.
Wie viele Deutsche im gesamten Katastrophengebiet tatsächlich vermisst werden, war zunächst nicht eindeutig festzustellen. Das Auswärtige Amt hatte zuvor von einer hohen einstelligen Zahl vermisster deutscher Staatsangehöriger in der Region gesprochen. Auf nepalesischer Seite galten zuletzt acht Deutsche als vermisst. Ob die drei nun von China genannten Personen zusätzlich zu diesen Fällen gezählt werden müssen oder ob sich Angaben überschneiden, war zunächst unklar.
Damit lässt sich derzeit keine belastbare Gesamtzahl aller vermissten Deutschen in Nepal und Tibet nennen. Die unterschiedlichen Angaben hängen auch damit zusammen, dass Reisende während der Katastrophe teilweise zwischen beiden Ländern unterwegs waren und sich die Erfassung der Betroffenen weiterhin verändert.
Das Ausmaß der Katastrophe hat sich seit Mittwoch deutlich vergrößert. Nach Angaben der nepalesischen Katastrophenschutzbehörde wurden bis Sonntag 734 Todesfälle in Nepal registriert. Auf chinesischer Seite wurden im Kreis Gyirong 16 Tote bestätigt. Zusammen ergibt dies 750 bestätigte Todesopfer.
In Nepal galten zuletzt 2.498 Menschen als vermisst. China meldete weitere 546 Vermisste. Damit werden auf beiden Seiten der Grenze mehr als 3.000 Menschen gesucht. Mehr als 7.500 Menschen konnten allein in Nepal nach Behördenangaben bereits gerettet werden.
Besonders schwierig gestaltet sich die Suche in den stark beschädigten Gebirgstälern. Straßen, Brücken, Stromleitungen und Kommunikationsverbindungen wurden zerstört oder unterbrochen. Auf chinesischer Seite waren zeitweise ganze Zufahrtswege zum Grenzübergang Gyirong abgeschnitten. Die Regierung in Peking mobilisierte nach Angaben staatlicher Stellen mehr als 2.100 Einsatzkräfte für Rettung und Versorgung.
Ein Schwerpunkt der Arbeiten liegt in Nepal an beschädigten Wasserkraftanlagen. Dort werden zahlreiche Beschäftigte vermisst. Nach Angaben der nepalesischen Behörden konzentrieren sich Rettungsmannschaften unter anderem auf Tunnel, in denen Menschen eingeschlossen sein könnten.
Insgesamt wurden zuletzt 933 Arbeiter vermisst, die an Wasserkraftprojekten beschäftigt waren. Die Behörden gehen davon aus, dass sich mehr als hundert von ihnen möglicherweise noch in einem Tunnel befinden. Regenfälle, instabile Hänge und steigende Wasserstände erschweren jedoch die Arbeiten.
Nepal hat deshalb internationale technische Unterstützung angefordert. Benötigt werden unter anderem Spezialisten für Tunnelrettungen sowie Unterstützung bei DNA-Analysen und der Identifizierung von Toten.
Auch mehrere Tage nach der Flut ist die Situation in Teilen der Region nicht stabil. Nepals Katastrophenschutz warnte vor steigenden Wasserständen am Bhotekoshi. Bewohner in den Distrikten Rasuwa, Nuwakot und Dhading wurden zu besonderer Vorsicht aufgerufen.
Nach der Katastrophe hatten sich durch Geröll und Erdrutsche neue natürliche Barrieren und Seen gebildet. Ein solcher aufgestauter See hatte zeitweise die Gefahr weiterer Überschwemmungen erhöht. Am Samstag entdeckten Drohnen außerdem einen neuen Erdrutsch, der erneut Wasser aufstaute.
Die schwierigen Wetterbedingungen führten bereits mehrfach dazu, dass Suchaktionen unterbrochen werden mussten.
Nach bisherigen Erkenntnissen wurde die Katastrophe durch den Abbruch großer Eis- und Gesteinsmassen im Hochgebirge ausgelöst. Die dadurch freigesetzte Masse aus Wasser, Eis, Schlamm und Geröll raste durch die Täler und erreichte auch den wichtigen Grenzübergang Gyirong zwischen Nepal und Tibet.
Chinesische Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass die Flutwelle vom nepalesischen Gebiet aus nur sechs bis sieben Minuten benötigte, um den Grenzübergang zu erreichen. Die chinesische Regierung spricht von einer besonders schweren grenzüberschreitenden Naturkatastrophe.
Fachleute sehen in der Katastrophe zugleich ein Beispiel für die wachsenden Risiken in den Hochgebirgsregionen des Himalaya. Steigende Temperaturen können Gletscher, Permafrost und steile Felshänge destabilisieren. Welche Rolle die langfristige Erderwärmung bei diesem konkreten Ereignis im Einzelnen spielte, wird weiterhin wissenschaftlich untersucht.
Für die Angehörigen der Vermissten bleibt die Lage unterdessen ungewiss. Offiziell bestätigt ist inzwischen, dass drei Deutsche auf chinesischer Seite vermisst werden. Ob sich dadurch die Gesamtzahl der vermissten deutschen Staatsangehörigen erhöht, war zunächst nicht geklärt.
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