
Die Aktie von Siemens Energy ist am Montag deutlich unter Druck geraten. Im Tagesverlauf gehörte das Papier zeitweise zu den schwächsten Werten im DAX. Auslöser war unter anderem eine neue Entwicklung im boomenden Markt für Gasturbinen: Elon Musk hat bestätigt, dass SpaceX wichtige Turbinenkomponenten künftig selbst herstellen will. Dabei geht es um hochkomplexe Schaufeln und Leitschaufeln, deren begrenzte Produktionskapazität derzeit zu den Engpässen der Branche zählt.
Eine unmittelbare Konkurrenz zu Siemens Energy durch komplette SpaceX Gasturbinen ist damit allerdings nicht bestätigt. Musk sprach konkret von der internen Fertigung bestimmter Komponenten. Gleichzeitig befindet sich Siemens Energy operativ in einer ungewöhnlich starken Position. Der Energietechnikkonzern meldete zuletzt einen Auftragsbestand von rund 162 Milliarden Euro.
Die Siemens Energy Aktie geriet bereits zu Handelsbeginn unter Druck. Nach Xetra-Kursdaten, die finanzen.net am Montag um 9.07 Uhr auswies, lag das Papier mit 143,76 Euro rund 4,0 Prozent unter dem vorherigen Schlusskurs.
Im weiteren Tagesverlauf blieb die Aktie schwach. Gegen 15.46 Uhr wurde Siemens Energy mit einem Minus von rund 3,5 Prozent als schwächster Wert unter den 40 DAX-Unternehmen geführt. Die Kursbewegung verstärkte sich anschließend erneut. Um 16.08 Uhr lag die Aktie laut den von finanzen.net ausgewiesenen Xetra-Daten bei 143,02 Euro und damit 4,5 Prozent im Minus.
Der Gesamtmarkt stand am Montag ebenfalls unter Druck. Der DAX verlor zeitweise rund 0,7 Prozent. Steigende Ölpreise und höhere Anleiherenditen belasteten die europäischen Börsen. Der Rückgang bei Siemens Energy fiel jedoch deutlich stärker aus.
Hinter der zusätzlichen Nervosität bei Turbinenherstellern steht eine Aussage von Elon Musk vom Samstag, 29. August. Der SpaceX-Chef bestätigte auf X, dass sein Unternehmen das Gießen von Schaufeln und Leitschaufeln für Gasturbinen selbst übernehmen will.
Musk bezeichnete die Herstellung dieser Bauteile als begrenzenden Faktor bei der Produktion neuer Gasturbinen. Durch eine interne Fertigung bei SpaceX könnten neue Anlagen seiner Darstellung zufolge bis zu 18 Monate schneller in Betrieb gehen.
Zuvor waren Hinweise auf eine entsprechende Fertigung in Bastrop im US-Bundesstaat Texas bekannt geworden. Stellenausschreibungen von SpaceX nennen unter anderem eine neue Produktionslinie für Schaufeln und Leitschaufeln industrieller Gasturbinen. Auch der Aufbau einer entsprechenden Gießerei wird dort beschrieben.
Damit ist die Absicht zur eigenen Komponentenfertigung deutlich konkreter als eine bloße Branchenüberlegung. Eine unabhängige Bestätigung dafür, dass SpaceX selbst vollständige große Kraftwerksgasturbinen entwickeln und damit unmittelbar als neuer Wettbewerber von Siemens Energy, GE Vernova oder Mitsubishi Power auftreten will, lag zunächst jedoch nicht vor.
Die Entwicklung trifft einen Markt, in dem sich die Nachfrage innerhalb weniger Jahre stark verändert hat. Der weltweite Ausbau von Rechenzentren, insbesondere für Anwendungen künstlicher Intelligenz, erhöht den Strombedarf vor allem in den USA erheblich. Gleichzeitig investieren Stromversorger in neue Kraftwerkskapazitäten und Stromnetze.
Gasturbinen haben dabei wieder an Bedeutung gewonnen. Sie können vergleichsweise schnell regelbare Leistung liefern und werden deshalb unter anderem als Ergänzung zu erneuerbaren Energien eingesetzt. Gleichzeitig ist ihre Fertigung technisch anspruchsvoll und kann nicht kurzfristig beliebig erweitert werden.
Besonders kritisch sind Komponenten im heißen Bereich einer Turbine. Schaufeln und Leitschaufeln müssen extremen Temperaturen und mechanischen Belastungen standhalten. Ihre Produktion verlangt spezielle Legierungen, komplexe Gießverfahren und präzise Bearbeitung.
Die hohe Nachfrage trifft deshalb auf begrenzte Fertigungskapazitäten. GE Vernova meldete Ende Juni einen Bestand aus festen Aufträgen und reservierten Produktionskapazitäten für Gasturbinen von 116 Gigawatt. Bis Ende 2026 sollen mindestens 125 Gigawatt erreicht werden. Das Unternehmen baut gleichzeitig seine jährliche Produktionskapazität aus und plant für 2030 eine Fertigungsleistung von 30 Gigawatt.
Auch Siemens Energy erweitert seine Kapazitäten.
Die jüngsten Geschäftszahlen zeigen, warum die SpaceX-Pläne nicht mit einem unmittelbaren Einbruch des Geschäfts von Siemens Energy gleichgesetzt werden können.
Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 erreichte der Konzern einen Auftragseingang von 17,9 Milliarden Euro. Der gesamte Auftragsbestand stieg auf den Rekordwert von rund 162 Milliarden Euro. Ein Jahr zuvor hatte er noch bei rund 136 Milliarden Euro gelegen.
Allein bei Gasturbinen umfasst der Bestand nach Angaben aus der Ergebnispräsentation etwa 69 Gigawatt. Im dritten Geschäftsquartal kamen Bestellungen über rund 15 Gigawatt hinzu. Gleichzeitig lieferte Siemens Energy in diesem Zeitraum Turbinen mit einer Leistung von etwa sechs Gigawatt aus.
Die langen Lieferzeiten verdeutlichen die Lage am Markt. Bei Teilen des Geschäfts reichen die Vorlaufzeiten inzwischen drei bis vier Jahre und teilweise darüber hinaus. Siemens Energy erhöht deshalb ebenfalls seine Fertigungskapazitäten. Bei mittelgroßen Gasturbinen wurde die Kapazität von ungefähr 50 Einheiten auf rund 80 Einheiten im Geschäftsjahr 2026 erhöht. Bis 2028 sind etwa 100 Einheiten vorgesehen. Bei großen Gasturbinen soll die Kapazität von rund 35 auf etwa 50 Einheiten steigen.
Auch die übrigen Geschäftszahlen zeigen bislang keine Abschwächung der Nachfrage. Siemens Energy erzielte im dritten Geschäftsquartal Umsatzerlöse von rund 11,4 Milliarden Euro. Bereinigt um Währungs- und Portfolioeffekte entsprach das einem Wachstum von 18,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Das Ergebnis vor Sondereffekten stieg von 497 Millionen Euro im Vorjahresquartal auf rund 1,62 Milliarden Euro. Der Nettogewinn lag bei knapp 1,19 Milliarden Euro.
Der Konzern richtet seine Struktur zugleich stärker auf Stromerzeugung und Netzinfrastruktur aus. Ende August kündigte Siemens Energy an, für große Teile des Geschäftsbereichs Transformation of Industry eine neue Eigentümerstruktur zu suchen. Das Unternehmen will sich damit stärker auf Bereiche wie Gasturbinen und Netztechnik konzentrieren. Transformation of Industry erzielte im vergangenen Geschäftsjahr rund 5,7 Milliarden Euro Umsatz und beschäftigt etwa 17.000 Menschen.
Für Siemens Energy liegt die Bedeutung der SpaceX-Pläne deshalb vor allem in einer möglichen Veränderung der Lieferkette. Wenn SpaceX tatsächlich große Stückzahlen technisch anspruchsvoller Turbinenschaufeln herstellen kann, könnte dies einen Engpass beseitigen, der derzeit die Geschwindigkeit beim Bau zusätzlicher Gaskraftwerkskapazitäten begrenzt.
Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass bestehende Turbinenhersteller Aufträge verlieren. Denkbar ist grundsätzlich auch, dass zusätzliche Komponentenproduktion die Fertigung kompletter Anlagen beschleunigt. Welche Rolle SpaceX innerhalb der Lieferkette konkret übernehmen will und für welche Turbinen die Bauteile bestimmt sind, war zunächst nicht vollständig geklärt.
Der aktuelle Kursrückgang trifft damit auf zwei gegenläufige Entwicklungen. Anleger reagieren auf die Möglichkeit, dass ein finanzstarker Technologiekonzern in einen bislang stark begrenzten Teil der Turbinenlieferkette einsteigt. Gleichzeitig verfügen Siemens Energy und andere etablierte Hersteller über langfristig gefüllte Auftragsbücher und bauen ihre Produktionskapazitäten angesichts der außergewöhnlich hohen Nachfrage weiter aus.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu