SoftBank-Tochter SB Energy öffnet Bücher für milliardenschweren IPO

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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SB Energy bereitet einen Börsengang in den USA vor und macht damit erstmals umfassende Zahlen zu seinem milliardenschweren Ausbau von Energieanlagen und Rechenzentren öffentlich. Das von der japanischen SoftBank Group kontrollierte Unternehmen reichte seine Registrierung auf Form S-1 bei der US-Börsenaufsicht SEC am 1. September 2026 ein. Die Unterlagen waren bereits am Abend des 31. August von der Behörde angenommen worden. Geplant ist eine Notierung unter dem Kürzel SBE am Nasdaq Global Select Market sowie am Nasdaq Texas.

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Wie groß der SB Energy Börsengang tatsächlich wird, steht allerdings noch nicht fest. In der ersten öffentlich zugänglichen Fassung fehlen sowohl die Zahl der angebotenen Aktien als auch die Preisspanne. Damit lässt sich auch das endgültige Emissionsvolumen noch nicht berechnen. Reuters hatte bereits im Mai berichtet, SB Energy könne bei dem Börsengang eine Bewertung von mehr als 50 Milliarden Dollar anstreben. Ein solcher Wert ist bislang jedoch keine offiziell festgelegte IPO-Bewertung. Auch Medienangaben über eine Platzierung im Bereich von fünf bis sieben Milliarden Dollar stellen noch keine endgültigen Angebotskonditionen dar.

Umsatz steigt deutlich, Milliardenverlust bleibt

SB Energy erzielte im ersten Halbjahr 2026 einen Umsatz von 138,7 Millionen Dollar. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum lag er bei 83,3 Millionen Dollar. Daraus ergibt sich der gemeldete Anstieg von 66,4 Prozent. Gleichzeitig lag der Nettoverlust, der SB Energy zuzurechnen ist, in den ersten sechs Monaten 2026 bei rund 3,21 Milliarden Dollar. Ein Jahr zuvor lag der Nettoverlust bei rund 215,5 Millionen Dollar. Der operative Verlust weitete sich ebenfalls aus und lag im ersten Halbjahr 2026 bei rund 551,6 Millionen Dollar.

Der hohe Nettoverlust lässt sich deshalb nicht allein als Ergebnis des laufenden Betriebs lesen. Ein erheblicher Teil hängt mit Bewertungsänderungen bei Finanzinstrumenten und Beteiligungsvereinbarungen zusammen. Zugleich verdient SB Energy derzeit noch kein Geld mit laufenden Rechenzentren. Die bestehenden Erlöse stammen überwiegend aus dem bisherigen Energiegeschäft mit Solarenergie, Batteriespeichern und dazugehörigen Dienstleistungen. Reuters Breakingviews zufolge generieren die Rechenzentrumsaktivitäten bislang noch keinen Umsatz.

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Das zeigt, wie stark sich das Geschäftsprofil des Unternehmens verändert. SB Energy wurde 2019 aufgebaut und war zunächst vor allem als Entwickler und Betreiber erneuerbarer Energieprojekte bekannt. Inzwischen beschreibt sich das Unternehmen als integrierter Anbieter von Rechenzentrums- und Energieinfrastruktur. Es will große Rechenzentrumscampusse entwickeln, bauen und künftig betreiben sowie gleichzeitig die dafür benötigte Energieerzeugung errichten und kontrollieren.

Nvidia sagt 1,5 Milliarden Dollar zur IPO-Platzierung zu

Besondere Bedeutung für den Börsengang hat Nvidia. Ein am 17. August 2026 unterzeichneter Aktienkaufvertrag sieht vor, dass der Chipkonzern im Zusammenhang mit dem IPO nicht stimmberechtigte Class-N-Aktien von SB Energy im Wert von bis zu 1,5 Milliarden Dollar übernimmt. Der Kaufpreis je Aktie entspricht dem endgültigen Ausgabepreis des Börsengangs. Voraussetzung ist unter anderem, dass SB Energy selbst mit neu ausgegebenen Aktien mindestens 1,5 Milliarden Dollar Bruttoerlös aus dem IPO erzielt.

Daneben hat Nvidia bereits einen sogenannten Prepaid Forward Contract über weitere 1,5 Milliarden Dollar abgeschlossen. Nvidia zahlte diesen Betrag im Voraus. Bei einem Börsengang kann das Instrument in Aktien umgewandelt werden. Für diesen Vertrag ist ein Abschlag vorgesehen, bei einem IPO errechnet sich der Umwandlungspreis aus 90 Prozent des endgültigen Börsenpreises. Zusammengenommen umfassen diese beiden dokumentierten Nvidia-Transaktionen damit 3 Milliarden Dollar, wobei es sich um unterschiedliche Finanzierungsvereinbarungen handelt.

Die Beziehungen reichen weit über eine reine Finanzbeteiligung hinaus. Nvidia hat im August zudem Garantien mit einem maximalen Gesamtumfang von 105 Milliarden Dollar für bestimmte Verpflichtungen rund um den geplanten PORTS Technology Campus im US-Bundesstaat Ohio übernommen. Die Garantien beziehen sich auf etwa 4,25 Gigawatt IT-Leistung und greifen nur unter vertraglich definierten Bedingungen, etwa bei bestimmten Ausfällen des Mieters. Sie stellen daher keine sofortige Zahlung Nvidias in dieser Höhe dar. Nvidia verfügt zusätzlich über eine Option, weitere rund 3,8 Gigawatt abzusichern.

OpenAI wird zum zentralen Kunden

Der Campus im Pike County in Ohio verdeutlicht das Geschäftsmodell. SB Energy soll das Rechenzentrum bauen, besitzen und betreiben. OpenAI ist als Kunde vorgesehen und hat langfristige Mietverpflichtungen übernommen. Nvidia soll dort die exklusive Infrastruktur für KI-Rechenleistung stellen, von begrenzten Ausnahmen abgesehen. Nach den im August veröffentlichten Angaben soll die erste Kapazität ab 2028 schrittweise in Betrieb gehen.

SB Energy gibt für sein Rechenzentrumsportfolio insgesamt rund 8,8 Gigawatt vertraglich vereinbarte oder bereits im Bau befindliche IT-Kapazität an. Nur ein vergleichsweise kleiner Teil davon befindet sich derzeit tatsächlich im Bau. Die Gesellschaft nennt rund 0,8 Gigawatt beziehungsweise etwa 800 Megawatt als im Bau befindlich, während weitere rund acht Gigawatt vertraglich gesichert sind. Hinzu kommen bestehende und geplante Kraftwerke sowie Speicherprojekte.

Das Unternehmen weist außerdem einen gesamten Auftragsbestand von rund 439 Milliarden Dollar aus. Davon entfallen nach den veröffentlichten Unterlagen etwa 430 Milliarden Dollar auf Rechenzentren und rund zehn Milliarden Dollar auf eigenständige Energieprojekte. Der Wert darf nicht mit bereits erzieltem Umsatz oder sicher kurzfristig zufließendem Geld gleichgesetzt werden. Ein großer Teil der vereinbarten Rechenzentrumszahlungen liegt viele Jahre in der Zukunft.

OpenAI spielt dabei eine besonders große Rolle. Neben der Stellung als Kunde ist das KI-Unternehmen auch Investor. SB Energy hat OpenAI zudem Optionsrechte auf Aktien eingeräumt. In den IPO-Unterlagen wird deren Wert zum 30. Juni mit rund 5,5 Milliarden Dollar angegeben. Reuters hatte über diese Größenordnung bereits vor Veröffentlichung der S-1-Unterlagen unter Berufung auf Entwurfsdokumente berichtet. Mit der öffentlichen Einreichung liegen die Verflechtungen zwischen beiden Unternehmen nun detaillierter vor.

SoftBank, OpenAI und Nvidia sind eng miteinander verflochten

Die Kombination aus Kunde, Investor, Technologieanbieter und Garantiegeber macht SB Energy zu einem Beispiel für die zunehmend komplexen Finanzierungsstrukturen beim Ausbau künstlicher Intelligenz. SoftBank ist Mehrheitsaktionär und zugleich über verbundene Unternehmen an Projekten beteiligt. OpenAI ist Investor und Großkunde. Nvidia stellt die benötigte Rechentechnik bereit, finanziert SB Energy und sichert einen Teil der langfristigen Verpflichtungen ab.

Diese Struktur kann den Bau außergewöhnlich großer Projekte ermöglichen, erhöht zugleich aber die Abhängigkeit von wenigen Geschäftspartnern. Reuters Breakingviews verweist darauf, dass die bislang vertraglich vereinbarte Rechenzentrumskapazität im Wesentlichen an SoftBank und OpenAI gebunden ist. Damit hängt ein erheblicher Teil des geplanten Geschäfts von der Investitionsbereitschaft und Zahlungsfähigkeit weniger Unternehmen aus dem KI-Ökosystem ab.

Genau hier liegt auch die internationale Bedeutung des Börsengangs. Der Ausbau generativer KI erfordert nicht nur Chips, sondern enorme Mengen Strom, Netzanschlüsse, Kühlung, Grundstücke und Finanzierung. Weltweit investieren Technologiekonzerne deshalb hohe Summen in neue Rechenzentren. Nach einer von Reuters zitierten McKinsey-Schätzung könnten die Investitionen in Rechenzentren weltweit bis 2030 insgesamt rund sieben Billionen Dollar erreichen. Gleichzeitig zählen fehlende Netzkapazitäten, lange Genehmigungsverfahren und Engpässe bei Transformatoren und anderer Energieausrüstung inzwischen zu den wichtigsten Hindernissen für neue Standorte.

Börsentermin und endgültiges Volumen bleiben offen

Den Börsengang führen J.P. Morgan, Goldman Sachs, Morgan Stanley, Citigroup und Mizuho als gemeinsame Lead Bookrunner an. Weitere Banken sind an der Platzierung beteiligt. SoftBank bestätigte am 2. September die öffentliche Registrierung und betonte, dass das Angebot noch von Marktbedingungen sowie dem Wirksamwerden der Registrierung bei der SEC abhängt. Ein verbindlicher Termin für Beginn oder Abschluss des Börsengangs wurde nicht genannt.

Reuters hatte zuvor berichtet, ein Börsengang könne bereits im September stattfinden. Auch diese Zeitangabe ist bislang kein verbindlicher Unternehmensfahrplan. Bevor Anleger den endgültigen Umfang des Angebots beurteilen können, muss SB Energy die Registrierung um Aktienzahl und Preisspanne ergänzen. Erst daraus werden sich der tatsächliche Bruttoerlös und eine belastbare Börsenbewertung ableiten lassen.

Fest steht bereits, dass SB Energy mit dem IPO einen besonders kapitalintensiven Teil des KI-Booms an die Börse bringen will. Anders als Chipentwickler oder Softwareanbieter setzt das Unternehmen vor allem auf physische Infrastruktur, die erst über Jahre gebaut und anschließend über langfristige Miet- und Energieverträge refinanziert werden soll. Der starke Umsatzanstieg im ersten Halbjahr zeigt das Wachstum des bestehenden Geschäfts. Die Größenordnung der geplanten Rechenzentren und die Nvidia-Verpflichtungen zeigen zugleich, wie viel Kapital inzwischen notwendig ist, um neue KI-Rechenleistung überhaupt verfügbar zu machen.

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