
Hape Kerkeling wird 2027 mit dem Orden wider den tierischen Ernst des Aachener Karnevalsvereins ausgezeichnet. Der Entertainer, Schauspieler und Autor soll am 23. Januar im Eurogress Aachen zum 77. Ordensritter ernannt werden. Die Ehrung fällt in eine Phase, in der der 61-Jährige wieder besonders präsent ist. Neben neuen Filmprojekten tritt Kerkeling zunehmend auch mit gesellschaftspolitischen Positionen öffentlich auf.
Der Aachener Karnevalsverein würdigt nach eigenen Angaben nicht allein Kerkelings jahrzehntelange künstlerische Arbeit. Ausgezeichnet werden soll auch sein Beitrag zu einer offenen und demokratischen Gesellschaft. Kerkeling habe sich wiederholt gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus ausgesprochen. Damit verbindet der Verein bei seiner Auswahl klassische Unterhaltung mit gesellschaftlicher Haltung.
Der Orden wider den tierischen Ernst gehört zu den bekanntesten Auszeichnungen des deutschen Karnevals. Vergeben wird er seit 1950 an Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die Humor, Menschlichkeit und gesellschaftliches Engagement miteinander verbinden. Traditionell stammen viele Geehrte aus der Politik, doch auch Künstlerinnen und Künstler wurden bereits aufgenommen.
Zu den früheren Ordensrittern zählen unter anderem Konrad Adenauer, Helmut Schmidt, Johannes Rau, Annalena Baerbock, Armin Laschet und Lars Klingbeil. Auch Schauspieler Mario Adorf und Schauspielerin Iris Berben gehören zu den bisherigen Ausgezeichneten.
Kerkeling wird im kommenden Jahr der 77. Ordensritter. Zugleich feiert die Veranstaltung ihr karnevalistisches Jubiläum von sieben mal elf Jahren. Die Laudatio soll Bundesforschungsministerin Dorothee Bär halten, die selbst die derzeitige Trägerin des Ordens ist. Zwei Tage nach der Veranstaltung, am 25. Januar 2027, soll die Aufzeichnung im Ersten ausgestrahlt werden.
Für Kerkeling selbst hat die Auszeichnung auch einen persönlichen Bezug zur Fernsehgeschichte. Er erklärte, die Veranstaltung bereits aus seiner Kindheit zu kennen. Mit Figuren wie Horst Schlämmer, Uschi Blum oder Siegfried Schwäbli sowie mit seiner Parodie auf die niederländische Königin Beatrix wurde er später selbst zu einer der bekanntesten Figuren der deutschen Fernsehunterhaltung.
Dass Kerkeling derzeit nicht nur als Komiker und Schauspieler öffentlich wahrgenommen wird, zeigte sich unmittelbar vor der Bekanntgabe des Aachener Ordens. Am Donnerstag sprach er bei der Klausurtagung der SPD-Bundestagsfraktion in Berlin.
Sein Impuls beschäftigte sich mit den Grenzen von Toleranz in einer Demokratie. Dabei warnte Kerkeling vor Extremismus und davor, überprüfte Tatsachen und unbelegte Behauptungen im öffentlichen Diskurs gleichzubehandeln. Nach der nichtöffentlichen Veranstaltung veröffentlichte die SPD Auszüge aus seiner Rede.
Kerkeling erinnerte dabei auch an den früheren SPD-Vorsitzenden Otto Wels. Dieser hatte am 23. März 1933 im Reichstag für die SPD gegen das Ermächtigungsgesetz der Nationalsozialisten gesprochen. Kerkeling stellte dessen Haltung als historischen Bezugspunkt für die Verteidigung demokratischer Grundwerte heraus.
Der Auftritt zeigt eine Entwicklung, die bereits bei anderen öffentlichen Äußerungen Kerkelings sichtbar geworden war. Er beschränkt sich gegenwärtig nicht auf klassische Unterhaltung, sondern äußert sich regelmäßig zu Demokratie, Rechtsextremismus und gesellschaftlicher Toleranz. Der Aachener Karnevalsverein nennt genau diese Verbindung aus Humor und öffentlicher Haltung als einen Grund für seine Entscheidung.
Parallel dazu hat Kerkeling seine Präsenz in Film und Fernsehen deutlich ausgebaut. 2026 war er gleich mit zwei Kinoprojekten verbunden. In der Gesellschaftskomödie „Extrawurst“ spielte er Heribert Bräsemann. Außerdem kehrte seine bekannte Kunstfigur Horst Schlämmer in „Horst Schlämmer sucht das Glück“ auf die Kinoleinwand zurück.
Diese Arbeiten brachten ihm auch eine Nominierung für die Goldene Henne 2026 ein. In der Kategorie Film und Fernsehen trat Kerkeling bei der Publikumswahl unter anderem gegen Charly Hübner und Christiane Paul, Felix Kramer und Susanne Wolff, André Kaczmarczyk sowie Sebastian Bezzel an.
Die 32. Goldene Henne wurde am Freitagabend auf der Leipziger Messe vergeben und live im Ersten übertragen. Über die Gewinner der Publikumskategorien entscheiden Zuschauer sowie Leserinnen und Leser. Eine offizielle Bestätigung, dass Kerkeling die Goldene Film- und Fernseh-Henne 2026 gewonnen hat, lag zunächst nicht vor.
Kerkeling hat die Goldene Henne allerdings bereits früher erhalten. Zu seinen zahlreichen Auszeichnungen gehören außerdem der Deutsche Comedypreis, eine besondere Ehrung beim Grimme-Preis sowie weitere Kultur- und Medienpreise.
Die aktuelle Aufmerksamkeit für Kerkeling hat damit mehrere Ebenen. Einerseits knüpft er mit Horst Schlämmer und anderen Projekten wieder verstärkt an seine lange Karriere als Komiker und Schauspieler an. Andererseits tritt er inzwischen häufiger mit ernsthaften gesellschaftspolitischen Beiträgen auf.
Der Orden wider den tierischen Ernst passt in diese Kombination. Die Aachener Auszeichnung ist zwar fest im Karneval verankert, richtet sich aber traditionell an Personen, die Politik und Gesellschaft mit Humor kommentieren oder öffentliche Verantwortung mit Selbstironie verbinden.
Mit Hape Kerkeling erhält 2027 deshalb ein Künstler den Orden, dessen Karriere seit Jahrzehnten von Satire, Rollenwechseln und Beobachtungen über Politik und Gesellschaft geprägt ist. Seine jüngsten Auftritte zeigen zugleich, dass er sich aktuell nicht allein als Unterhalter in die öffentliche Debatte einbringt.
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