Volkswagen vor tiefem Umbau: Merz warnt vor Verlust von Industriejobs

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

Teilen:

Volkswagen stellt seinen Konzern grundlegend neu auf und will weltweit rund 50.000 weitere Stellen abbauen. Der Aufsichtsrat stimmte dem sogenannten Zukunftsplan 2030 einstimmig zu. Bundeskanzler Friedrich Merz sieht die Entwicklung bei Europas größtem Autobauer zugleich als Warnsignal für die gesamte deutsche und europäische Automobilindustrie.

Anzeige

Der CDU-Politiker warnte am Samstag bei einer Parteiveranstaltung in Langenhagen bei Hannover vor dem zunehmenden Verlust von Industriearbeitsplätzen. Volkswagen stehe beispielhaft für die schwierige Lage der Branche in Deutschland und Europa. Deutschland müsse nach Ansicht des Kanzlers ein Industrieland bleiben.

Volkswagen will weitere 50.000 Stellen abbauen

Der am Donnerstag beschlossene Zukunftsplan gehört zu den weitreichendsten Veränderungen in der Geschichte des Volkswagen-Konzerns. Zusätzlich zu bereits laufenden Personalprogrammen sollen konzernweit rund 50.000 weitere Stellen entfallen, darunter auch Managementpositionen. Eine genaue Verteilung auf Länder, Marken und Standorte legte Volkswagen bislang nicht vor.

Zusammen mit dem bereits zuvor vereinbarten Personalabbau geht es damit um rund 100.000 Stellen im Konzern. Volkswagen beschäftigt weltweit mehr als 650.000 Menschen. Der neue Plan beschränkt sich jedoch nicht auf die Beschäftigtenzahl. Das Modellangebot soll schrittweise um bis zu 50 Prozent verkleinert werden. Zugleich will der Konzern die Zahl der Ausstattungsvarianten deutlich reduzieren, Beteiligungen überprüfen und seine Führungs- und Entscheidungsstrukturen vereinfachen.

Anzeige

Volkswagen begründet den Umbau mit dem verschärften internationalen Wettbewerb, veränderter Nachfrage und dem technologischen Wandel in der Autoindustrie. Zugleich kündigt der Konzern Investitionen in dreistelliger Milliardenhöhe in neue Produkte, Technologien und künftige Geschäftsfelder an.

Zukunft von vier deutschen Werken weiter offen

Besonders sensibel ist die Zukunft der Werke in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm. Volkswagen erklärt, dass für diese Standorte nach aktuellem Planungsstand zwischen 2031 und 2034 keine wettbewerbsfähige Folgebelegung gesichert werden kann. Für die europäischen Werke soll deshalb bis Ende Juni 2027 ein neues Produktionskonzept entwickelt werden. Parallel prüft der Konzern alternative Nutzungen der vier Standorte.

Eine Schließung dieser Werke ist damit nicht beschlossen. IG Metall und Volkswagen-Betriebsrat betonten nach der Aufsichtsratssitzung ausdrücklich, dass kein Standort aufgegeben worden sei. Auch die zunächst diskutierte Ausgliederung der Kernmarke Volkswagen Pkw und der Komponentensparte ist nach Angaben der Arbeitnehmerseite vom Tisch.

Die Beschäftigungssicherung für große Teile der deutschen Volkswagen-Belegschaft läuft nach einer Vereinbarung aus dem Jahr 2024 bis Ende 2030. Wie der zusätzliche Stellenabbau konkret umgesetzt und auf die einzelnen Regionen verteilt wird, ist deshalb noch nicht abschließend geregelt.

Merz sieht VW als Beispiel für ein größeres Problem

Bundeskanzler Merz begrüßte, dass der Konflikt im Volkswagen-Aufsichtsrat nicht weiter eskaliert ist. Ein offener Streit über die Konzernführung bis hin zu einer außerordentlichen Hauptversammlung wäre aus seiner Sicht schädlich gewesen. Zugleich bezeichnete er die erzielte Verständigung zunächst als vorläufig.

Seine Warnung reicht über Volkswagen hinaus. Merz verwies darauf, dass gegenwärtig in erheblichem Umfang Industriearbeitsplätze verloren gingen. Bei Volkswagen seien zudem nicht nur die direkten Beschäftigten betroffen. An dem Konzern hängen zahlreiche Arbeitsplätze bei Zulieferern, im Handel und in weiteren Unternehmen.

Damit erhält der VW-Umbau auch wirtschaftspolitische Bedeutung. Deutschland ist innerhalb Europas der wichtigste Produktionsstandort der Automobilindustrie. Hersteller und Zulieferer stehen gleichzeitig unter Druck durch den schnellen technologischen Wandel, hohe Kosten, schwächere Absätze in wichtigen Märkten und wachsende Konkurrenz aus Asien.

Konkurrenz aus China und US-Zölle erhöhen den Druck

Volkswagen kämpft insbesondere mit einer schwächeren Entwicklung in China, das lange zu den profitabelsten Märkten des Konzerns gehörte. Gleichzeitig drängen chinesische Hersteller mit wettbewerbsfähigen Elektrofahrzeugen stärker auf den europäischen Markt. Hinzu kommen Belastungen durch US-Importzölle. Im ersten Halbjahr 2026 lag die operative Marge des Konzerns bei 3,8 Prozent. Im Jahr 2022 waren es noch 7,9 Prozent gewesen.

Der Zukunftsplan sieht deshalb auch Änderungen außerhalb Europas vor. In Nordamerika will Volkswagen seine Aktivitäten stärker auf profitable Fahrzeugsegmente konzentrieren. In China soll das Geschäft an die veränderten Wachstumsaussichten angepasst und der Export aus chinesischer Produktion in weitere internationale Märkte ausgebaut werden.

Mit dem einstimmigen Beschluss hat Volkswagen zunächst einen offenen Machtkampf zwischen Vorstand, Arbeitnehmervertretern und dem wichtigen Anteilseigner Niedersachsen vermieden. Viele entscheidende Fragen verlagern sich nun allerdings in die Umsetzung. Dazu gehören die Verteilung des zusätzlichen Stellenabbaus und vor allem die langfristige Zukunft der vier deutschen Werke ohne bislang gesicherte Folgeproduktion.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu