Eli Lilly will mit Merida seine Immunologie-Pipeline ausbauen

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

Teilen:

Der US-Pharmakonzern Eli Lilly will das Biotechnologieunternehmen Merida Biosciences übernehmen und dafür bis zu 2,875 Milliarden Dollar in bar zahlen. Mit der Vereinbarung verstärkt der Konzern seine Aktivitäten bei Autoimmunerkrankungen und Allergien. Zugleich reiht sich die geplante Transaktion in eine auffällige Serie milliardenschwerer Übernahmen ein, mit denen große Arzneimittelhersteller derzeit ihre Entwicklungspipelines erweitern.

Anzeige

Eli Lilly und das in Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts ansässige Unternehmen Merida gaben die Vereinbarung am 31. August 2026 bekannt. Der mögliche Gesamtbetrag umfasst eine Vorauszahlung sowie weitere Zahlungen, die an das Erreichen bestimmter Meilensteine gebunden sind. Wie hoch der unmittelbar bei Abschluss fällige Anteil ausfällt, wurde nicht veröffentlicht. Die Unternehmen rechnen mit einem Abschluss im vierten Quartal 2026. Zuvor müssen unter anderem die erforderlichen regulatorischen Voraussetzungen erfüllt werden.

Merida entwickelt gezielte Therapien gegen Autoantikörper

Im Mittelpunkt des Kaufs steht eine Technologie, mit der krankheitsverursachende Autoantikörper gezielt aus dem Körper entfernt werden sollen. Solche Antikörper richten sich gegen körpereigene Strukturen und spielen bei verschiedenen Autoimmunerkrankungen eine zentrale Rolle. Meridas Ansatz soll bestimmte problematische Antikörper beseitigen, ohne das Immunsystem insgesamt breit zu unterdrücken.

Das am weitesten entwickelte Mittel des Unternehmens trägt die Bezeichnung MER511. Es befindet sich in einer klinischen Studie der Phase 1 und wird für die Behandlung von Morbus Basedow sowie der damit verbundenen Schilddrüsenaugenerkrankung entwickelt. Bei Morbus Basedow stimulieren bestimmte Autoantikörper den Rezeptor für das schilddrüsenstimulierende Hormon und können dadurch eine Überfunktion der Schilddrüse auslösen.

Anzeige

Nach Angaben der Unternehmen zeigten erste Daten aus der frühen klinischen Entwicklung eine deutliche Verringerung der betreffenden Antikörper bei einem zunächst günstigen Sicherheitsprofil. Die Ergebnisse stammen allerdings aus einer frühen Entwicklungsphase. Ob das Präparat einen belastbaren klinischen Nutzen bietet und die für eine Zulassung erforderlichen Anforderungen erfüllt, müssen weitere Studien erst zeigen.

Weitere Programme gegen Allergien und Nierenerkrankungen

Meridas Technologie ist nicht auf Schilddrüsenerkrankungen beschränkt. Mit MER769 arbeitet das Unternehmen an einem noch vorklinischen Programm für Erkrankungen wie Nahrungsmittelallergien, Asthma und chronische spontane Urtikaria. Weitere frühe Forschungsprogramme befassen sich unter anderem mit immunologisch bedingten Nierenerkrankungen.

Für Lilly ist deshalb nicht nur der einzelne Wirkstoff MER511 interessant. Der Konzern erhält mit der Übernahme Zugang zu einer Plattform, aus der langfristig mehrere Medikamente gegen unterschiedliche antikörpergetriebene Erkrankungen entstehen könnten. Ob daraus tatsächlich zugelassene Arzneimittel hervorgehen, ist angesichts der frühen Entwicklungsstadien noch offen.

Bemerkenswert ist auch die Geschwindigkeit, mit der Merida in den Fokus eines der weltweit größten Pharmakonzerne gerückt ist. Das Unternehmen trat erst im April 2025 mit einer Finanzierungsrunde über 121 Millionen Dollar öffentlich in Erscheinung. Zu den damaligen Geldgebern gehörten mehrere auf Biotechnologie spezialisierte Investmentgesellschaften.

Lilly investiert Milliarden außerhalb des Abnehmgeschäfts

Der Kauf passt zu einer umfangreichen Einkaufspolitik von Eli Lilly im laufenden Jahr. Das Unternehmen profitiert derzeit stark von seinen Medikamenten Mounjaro und Zepbound, die auf dem Wirkstoff Tirzepatid basieren und unter anderem bei Diabetes beziehungsweise Adipositas eingesetzt werden. Im zweiten Quartal 2026 stieg der Konzernumsatz um 48 Prozent auf 23 Milliarden Dollar. Lilly hob anschließend seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr auf 85 bis 87 Milliarden Dollar an.

Einen beträchtlichen Teil seiner finanziellen Möglichkeiten verwendet der Konzern, um zusätzliche Geschäftsfelder auszubauen. Bereits im Januar vereinbarte Lilly den Kauf des Entzündungsspezialisten Ventyx Biosciences für einen Eigenkapitalwert von rund 1,2 Milliarden Dollar. Im Februar folgte die Vereinbarung zur Übernahme von Orna Therapeutics für bis zu 2,4 Milliarden Dollar.

Noch größer war der Kauf von Centessa Pharmaceuticals. Lilly vereinbarte im März eine Transaktion mit einem möglichen Gesamtwert von bis zu 7,8 Milliarden Dollar und schloss die Übernahme im Juni ab. Centessa entwickelt unter anderem Medikamente gegen Narkolepsie und andere Schlaf-Wach-Störungen. Hinzu kamen der Kauf von Ajax Therapeutics mit möglichen Zahlungen von bis zu 2,3 Milliarden Dollar sowie weitere Transaktionen.

Milliarden auch für neue Psychiatrie-Medikamente

Im Juli setzte Lilly die Serie mit AtaiBeckley fort. Das Biotechunternehmen entwickelt neue Wirkstoffe gegen schwer behandelbare psychische Erkrankungen. Für die ausstehenden Aktien sind beim Abschluss zunächst rund 2,8 Milliarden Dollar vorgesehen. Weitere erfolgsabhängige Zahlungen können den Gesamtwert um etwa eine Milliarde Dollar erhöhen.

Damit verteilt Lilly seine Zukäufe über mehrere medizinische Bereiche. Neben Immunologie gehören dazu Neurologie, Psychiatrie, Krebsmedizin, genetische Medizin und Zelltherapien. Die Strategie verringert langfristig die Abhängigkeit vom derzeit besonders erfolgreichen Geschäft mit Diabetes- und Adipositasmedikamenten und verschafft dem Konzern Zugriff auf Technologien, die intern erst mit erheblichem Zeitaufwand aufgebaut werden müssten.

Der Merida-Deal unterscheidet sich dabei in einem wichtigen Punkt von einer klassischen Übernahme eines Unternehmens mit bereits etablierten Medikamenten. Lilly kauft vor allem Forschung, Technologie und Entwicklungspotenzial. Ein großer Teil des wirtschaftlichen Wertes hängt deshalb davon ab, ob die Programme klinisch erfolgreich sind.

Pharmaindustrie beschleunigt Übernahmen

Lilly steht mit dieser Strategie nicht allein. Das Geschäft mit Übernahmen in der Pharma- und Biotechnologiebranche hat 2026 deutlich an Fahrt aufgenommen. Nach Berechnungen von PwC überstieg das Transaktionsvolumen im Pharma- und Life-Sciences-Sektor allein im ersten Quartal 65 Milliarden Dollar. Damit gehörte das Quartal zu den stärksten der vergangenen Jahre. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum 16 Biopharma-Transaktionen mit einem Volumen von jeweils mindestens einer Milliarde Dollar angekündigt.

Hinter dem zunehmenden Interesse an Biotechunternehmen stehen mehrere Entwicklungen. Große Pharmakonzerne müssen ihre Produktportfolios erneuern, weil bei zahlreichen umsatzstarken Medikamenten in den kommenden Jahren Patente oder andere Exklusivitätsrechte auslaufen. PwC schätzt, dass im laufenden Jahrzehnt mehr als 300 Milliarden Dollar Umsatz mit Markenmedikamenten von solchen Exklusivitätsverlusten betroffen sein könnten.

Gleichzeitig haben kleinere Biotechnologieunternehmen häufig Wirkstoffe und Plattformtechnologien entwickelt, deren Übernahme für große Konzerne schneller sein kann als der Aufbau eigener Programme. Besonders gefragt sind Bereiche wie Immunologie, Krebsmedizin, Stoffwechselerkrankungen, neuartige RNA-Technologien, Zelltherapien und andere spezialisierte Behandlungsansätze.

Erfolg der Forschung entscheidet über den Wert des Deals

Viele aktuelle Pharmaübernahmen sind deshalb so konstruiert, dass ein Teil des Kaufpreises erst bei klinischen oder regulatorischen Erfolgen fällig wird. Auch die Merida-Vereinbarung folgt diesem Modell. Die maximalen 2,875 Milliarden Dollar entsprechen nicht automatisch einer sofortigen Zahlung in dieser Höhe.

Für Lilly hängt der langfristige Wert der Transaktion vor allem davon ab, ob MER511 und weitere Wirkstoffe aus Meridas Plattform die klinische Entwicklung erfolgreich durchlaufen. Der Konzern sichert sich mit dem Kauf frühzeitig Zugang zu einer Technologie, deren medizinisches und kommerzielles Potenzial noch nicht abschließend beurteilt werden kann.

Gerade diese Kombination prägt einen großen Teil der derzeitigen Übernahmewelle: Statt ausschließlich etablierte Pharmakonzerne miteinander zu verschmelzen, investieren große Hersteller Milliardenbeträge in kleinere Biotechunternehmen mit spezialisierten Technologien und noch nicht zugelassenen Medikamenten. Der geplante Kauf von Merida ist dafür ein weiteres Beispiel.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu