
Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zeichnet sich am Sonntag eine deutlich höhere Beteiligung ab als bei der vergangenen Wahl vor fünf Jahren. Um 14 Uhr hatten 54,4 Prozent der Wahlberechtigten in den für die Zwischenmessung herangezogenen Urnenwahlbezirken ihre Stimme abgegeben. Zum gleichen Zeitpunkt bei der Landtagswahl am 6. Juni 2021 waren es 27,1 Prozent. Damit lag der Zwischenwert am Nachmittag sogar knapp mehr als doppelt so hoch.
Die Wahllokale haben seit 8 Uhr geöffnet und schließen um 18 Uhr. Nach vorläufigen Angaben der Landeswahlleiterin sind 1.706.017 Menschen wahlberechtigt. Das sind 82.973 weniger als bei der Landtagswahl 2021. Landesweit gibt es rund 2.130 Urnenwahllokale.
Der Anstieg hatte sich bereits am Vormittag abgezeichnet. Um 12 Uhr lag die Wahlbeteiligung bei 34,72 Prozent. Fünf Jahre zuvor waren zum selben Zeitpunkt erst 22,4 Prozent registriert worden. Die Landeswahlleitung meldete für den Vormittag zugleich einen reibungslosen Ablauf ohne unverhältnismäßige Wartezeiten.
Der Sprung zwischen 12 und 14 Uhr fiel besonders deutlich aus. Innerhalb dieser zwei Stunden stieg der erfasste Anteil um fast 20 Prozentpunkte auf 54,4 Prozent. Im Vergleich zu 2021 liegt der Vorsprung um 14 Uhr bei 27,3 Prozentpunkten.
Die Zwischenzahlen dürfen allerdings nicht mit der endgültigen Wahlbeteiligung gleichgesetzt werden. Grundlage sind stichprobenartige Rückmeldungen aus repräsentativen Urnenwahlbezirken. Briefwählerinnen und Briefwähler sind in diesen Werten nicht enthalten. Die landesweite Wahlbeteiligung aus sämtlichen Urnen- und Briefwahlbezirken wird erst nach 18 Uhr ermittelt und zusammen mit dem vorläufigen Ergebnis veröffentlicht.
Bei der Landtagswahl 2021 lag die endgültige Beteiligung schließlich bei 60,3 Prozent.
In Sachsen-Anhalt wird an diesem Sonntag die Zusammensetzung des Landesparlaments für die kommende Wahlperiode bestimmt. Die Wahlberechtigten haben zwei Stimmen. Mit der Erststimme bestimmen sie die Direktkandidatin oder den Direktkandidaten ihres Wahlkreises. Die Zweitstimme entscheidet maßgeblich über die Stärke der Parteien im Landtag. Sachsen-Anhalt ist in 41 Wahlkreise eingeteilt. Mit Landeslisten treten 15 Parteien an.
Die erste Prognose zum Wahlausgang wird nach Schließung der Wahllokale um 18 Uhr erwartet. Anschließend folgen Hochrechnungen, sobald erste Stimmen aus den Wahlbezirken ausgezählt sind. Nach Angaben der Landeswahlleitung wird mit ersten Zwischenergebnissen ab etwa 19 Uhr gerechnet. Das vorläufige Landesergebnis soll nach Abschluss der Auszählung in der Wahlnacht oder am frühen Montagmorgen feststehen.
Die Abstimmung wird auch bundesweit aufmerksam verfolgt. In der letzten veröffentlichten Erhebung des Sachsen-Anhalt-Trends vor der Wahl lag die AfD bei 42 Prozent und damit deutlich vor der CDU mit 22 Prozent. Umfragen sind jedoch keine Wahlergebnisse und unterliegen statistischen Unsicherheiten.
Die AfD Sachsen-Anhalt wird vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft. Diese Einstufung besteht seit 2023 und wird auch im Verfassungsschutzbericht für 2025 weiterhin aufgeführt.
Ministerpräsident ist seit Januar 2026 der CDU-Politiker Sven Schulze. Er übernahm das Amt von Reiner Haseloff und führt die bisherige Koalition von CDU, SPD und FDP. Schulze wurde am 28. Januar mit 58 Stimmen im Landtag zum Regierungschef gewählt.
Auch international stößt die Wahl auf Interesse. Für den Wahlabend waren nach Angaben aus Sachsen-Anhalt rund 800 Journalistinnen, Journalisten und Kamerateams akkreditiert, darunter etwa 70 Reporter für ausländische Medien. Genannt wurden unter anderem Redaktionen aus den USA, Kanada, China, Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien, Polen, Taiwan und Litauen.
Bis zum Nachmittag ist der außergewöhnlich hohe Zwischenstand bei der Wahlbeteiligung damit die auffälligste gesicherte Entwicklung des Wahltags. Wie hoch die Beteiligung einschließlich der Briefwahl tatsächlich ausfällt und wie sich die Stimmen auf die Parteien verteilen, zeigt sich erst nach Schließung der Wahllokale.
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