
Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft haben sich aufgehellt. Das ifo Institut rechnet für 2026 inzwischen mit einem Anstieg des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts um 1,4 Prozent. Damit fällt die aktuelle Prognose deutlich günstiger aus als noch im Sommer. Gleichzeitig zeigt sich auf Unternehmensebene ein anderes Bild: Die Zahl besonders großer Insolvenzen ist im ersten Halbjahr weiter gestiegen. Die deutsche Konjunktur 2026 ist damit von einer Erholung geprägt, die bislang nicht alle Unternehmen und Branchen gleichermaßen erreicht.
Das ifo Institut veröffentlichte seine neue Herbstprognose am 3. September 2026. Demnach dürfte die deutsche Wirtschaftsleistung im laufenden Jahr um 1,4 Prozent gegenüber 2025 wachsen. Für 2027 erwartet das Institut derzeit ein Plus von 1,2 Prozent, für 2028 von 0,8 Prozent.
Gegenüber seiner Sommerprognose erhöhte das Institut die Erwartung für 2026 um 0,6 Prozentpunkte. Für 2027 fiel die Korrektur um 0,4 Prozentpunkte nach oben aus. Zu der veränderten Einschätzung trugen nach Angaben des Instituts sowohl revidierte Daten des Statistischen Bundesamtes als auch eine günstigere Bewertung der konjunkturellen Grunddynamik bei.
Stützen sollen die Entwicklung unter anderem stärkere Impulse aus dem Ausland sowie höhere staatliche Ausgaben für Infrastruktur, Klima und Verteidigung. Gleichzeitig belasten gestiegene Energiepreise und höhere Transportkosten infolge niedriger Wasserstände auf wichtigen Flüssen Teile der Wirtschaft. Besonders bei konsumnahen Dienstleistungen bleibt die Entwicklung nach Einschätzung des ifo Instituts verhalten.
Die jüngsten amtlichen Daten stützen grundsätzlich das Bild einer wirtschaftlichen Erholung. Das Bruttoinlandsprodukt lag im zweiten Quartal 2026 preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,3 Prozent über dem Niveau des ersten Quartals. Gegenüber dem zweiten Quartal 2025 lag die Wirtschaftsleistung preisbereinigt um 1,0 Prozent höher.
Damit setzte sich die positive Entwicklung vom Jahresbeginn fort. Im ersten Quartal 2026 war das BIP gegenüber dem vorherigen Quartal um 0,4 Prozent gestiegen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes trugen im zweiten Quartal unter anderem die Exporte zur Entwicklung bei. Auch die Umsätze im Groß- und Einzelhandel entwickelten sich besser als zunächst angenommen.
Die Erholung bleibt allerdings von Belastungen begleitet. Die vorläufige Inflationsrate lag im August 2026 bei 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Besonders deutlich verteuerte sich Energie. Die Energiepreise lagen nach den vorläufigen Berechnungen 10,5 Prozent über dem Niveau von August 2025. Die Kerninflation ohne Nahrungsmittel und Energie lag bei 2,4 Prozent.
Während die Gesamtwirtschaft wächst, bleibt die Lage für zahlreiche Unternehmen angespannt. Allianz Trade registrierte im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 33 Großinsolvenzen in Deutschland. Als Großinsolvenz zählt der Kreditversicherer dabei Insolvenzfälle von Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 50 Millionen Euro.
Die Zahl lag damit um 10 Prozent über dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Bereits 2025 hatte Allianz Trade 94 solcher Fälle gezählt. Das war nach Angaben des Unternehmens der höchste Jahreswert seit Beginn seiner entsprechenden Auswertung im Jahr 2015. Im Jahr 2024 waren 87 Großinsolvenzen registriert worden.
Besonders häufig betroffen war im ersten Halbjahr 2026 die Automobilbranche mit sieben größeren Insolvenzfällen. Im Einzelhandel waren es fünf. Maschinenbau und Dienstleistungen kamen jeweils auf vier Fälle. Der zusammengerechnete Jahresumsatz der betroffenen Unternehmen lag bei rund 4,5 Milliarden Euro und damit etwa 3 Prozent über dem Wert des Vorjahreszeitraums.
Die Allianz-Trade-Zahlen sind nicht mit der amtlichen Insolvenzstatistik gleichzusetzen. Das Statistische Bundesamt erfasst grundsätzlich Unternehmensinsolvenzen unabhängig davon, ob es sich um große oder kleinere Firmen handelt.
Für Mai 2026 registrierten die deutschen Amtsgerichte 1.995 beantragte Unternehmensinsolvenzen. Das waren 2,0 Prozent weniger als im Mai 2025. Im längeren Vergleich blieb die Entwicklung jedoch nach oben gerichtet: Von Januar bis Mai 2026 wurden insgesamt 10.546 Unternehmensinsolvenzen registriert. Die Zahl lag 4,9 Prozent über dem entsprechenden Zeitraum des Vorjahres.
Hinzu kommt eine zeitliche Verzögerung in der amtlichen Statistik. Die Insolvenzanträge fließen erst ein, nachdem ein Insolvenzgericht eine erste Entscheidung getroffen hat. Zwischen dem tatsächlichen Antrag und seiner statistischen Erfassung liegen deshalb häufig mehrere Monate.
Der Anstieg großer Unternehmensinsolvenzen ist kein ausschließlich deutsches Phänomen. Allianz Trade registrierte weltweit im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 247 Großinsolvenzen. Das waren 13 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2025. Besonders stark betroffen war Westeuropa. Die Region stand für mehr als 60 Prozent der weltweit erfassten Fälle.
Betrachtet man die zurückliegenden vier Quartale, entfielen nach der Auswertung 97 von 325 westeuropäischen Großinsolvenzen auf Deutschland. Es folgten Frankreich mit 69, Italien mit 62 und Großbritannien mit 45 Fällen. Damit hat Deutschland innerhalb der von Allianz Trade verwendeten Auswertung ein besonders hohes Gewicht.
Der scheinbare Widerspruch zwischen steigender Wirtschaftsleistung und hohen Insolvenzzahlen lässt sich dadurch erklären, dass beide Kennzahlen unterschiedliche Entwicklungen messen. Das Bruttoinlandsprodukt bildet die gesamte wirtschaftliche Wertschöpfung ab. Unternehmensinsolvenzen können dagegen durch branchenspezifische Probleme, Finanzierungskosten, Energiepreise, strukturellen Anpassungsdruck oder die wirtschaftliche Entwicklung einzelner Firmen beeinflusst werden.
Für 2026 zeichnet sich deshalb ein gemischtes Bild ab. Die gesamtwirtschaftlichen Daten sprechen derzeit für eine Erholung nach mehreren schwachen Jahren. Gleichzeitig bleiben Teile der Industrie, des Handels und anderer Branchen unter erheblichem Anpassungsdruck. Die höhere ifo-Prognose bedeutet daher nicht, dass sich die wirtschaftliche Lage bereits für sämtliche Unternehmen gleichermaßen verbessert hat.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu