Deutschlands Wirtschaft wächst 2026 stärker als erwartet

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft 2026 haben sich innerhalb weniger Monate deutlich aufgehellt. Mehrere der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Wachstumsprognosen Anfang September kräftig nach oben korrigiert. Für das Gesamtjahr erwarten sie inzwischen einen realen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts zwischen 1,2 und 1,4 Prozent. Ausschlaggebend sind vor allem überraschend starke Exporte, höhere staatliche Ausgaben und geringere wirtschaftliche Folgen der gestiegenen Energiepreise als zwischenzeitlich befürchtet. Von einem breit getragenen Boom kann allerdings keine Rede sein. Der private Konsum und die Unternehmensinvestitionen bleiben schwach, während hohe Energiepreise und strukturelle Standortprobleme die weitere Entwicklung belasten.

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Fünf Institute erwarten für 2026 mindestens 1,2 Prozent Wachstum

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin veröffentlichte seine Herbstprognose am 2. September 2026 und erwartet für das laufende Jahr ein Wachstum des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts von 1,2 Prozent. Im Sommer hatte das DIW noch mit ungefähr halb so viel Wachstum gerechnet. Für 2027 erwartet das Institut 1,0 Prozent und für 2028 noch 0,7 Prozent.

Am 3. September folgten mehrere weitere Institute. Das ifo Institut rechnet für 2026 mit einem BIP-Zuwachs von 1,4 Prozent. Gegenüber seiner vorherigen Prognose ist das eine Anhebung um 0,6 Prozentpunkte. Für 2027 erwartet ifo ein Wachstum von 1,2 Prozent und für 2028 von 0,8 Prozent. Ebenfalls 1,4 Prozent für 2026 prognostiziert das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle, IWH. Dort hatte die Erwartung im Juni noch bei 0,9 Prozent gelegen. Für 2027 geht das IWH nun von 0,8 Prozent aus.

Das RWI in Essen erwartet nach seiner am 3. September veröffentlichten Prognose ein Wachstum von 1,3 Prozent im Jahr 2026. Im Frühsommer hatte das Institut lediglich 0,8 Prozent erwartet. Für 2027 liegt die neue Prognose bei 1,1 Prozent, für 2028 bei 0,5 Prozent. Das Kiel Institut für Weltwirtschaft, IfW Kiel, erhöhte seine Erwartung für 2026 ebenfalls von 0,8 auf 1,3 Prozent. Für 2027 werden 1,0 Prozent und für 2028 0,5 Prozent erwartet.

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Prognosen liegen deutlich über der bisherigen Regierungsschätzung

Damit liegen die aktuellen Erwartungen der Forschungsinstitute deutlich über der bislang gültigen Projektion der Bundesregierung. Diese geht für 2026 noch von einem realen Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent aus. Die nächste Herbstprojektion der Bundesregierung ist für den 8. Oktober vorgesehen.

Auch eine neue gemeinsame Prognose der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute liegt derzeit noch nicht vor. Die sogenannte Gemeinschaftsdiagnose soll am 24. September veröffentlicht werden. Die aktuell diskutierten Zahlen stammen deshalb aus getrennten Herbstprognosen der einzelnen Institute. Sie bewegen sich für 2026 allerdings in einer vergleichsweise engen Spanne von 1,2 bis 1,4 Prozent.

Exporte überraschen die Konjunkturforscher

Ein wesentlicher Grund für die Korrekturen ist die bessere Entwicklung des Außenhandels. Die Exporte liefen im ersten Halbjahr stärker als viele Konjunkturforscher zuvor erwartet hatten. Das RWI verweist insbesondere auf eine kräftige Nachfrage aus anderen EU-Staaten und auf eine Erholung des Geschäfts mit den USA. Auch DIW, IfW, ifo und IWH sehen in der Auslandsnachfrage einen wichtigen Grund dafür, dass die Wirtschaft bisher widerstandsfähiger geblieben ist.

Die Institute warnen allerdings davor, die jüngsten Exportzahlen vollständig als dauerhafte Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit zu interpretieren. Ein Teil der Entwicklung kann auf zeitlich begrenzte Nachhol- und Sondereffekte zurückgehen. Gleichzeitig bleiben deutsche Unternehmen mit hohen Kosten, einem schwierigen Investitionsumfeld und Marktanteilsverlusten in Teilen der Industrie konfrontiert.

Staatsausgaben werden zum zweiten Wachstumstreiber

Neben den Exporten gewinnt die Finanzpolitik an Bedeutung. Höhere staatliche Ausgaben für Infrastruktur, Verteidigung und andere Investitionen stützen nach Einschätzung der Institute die Nachfrage. Das DIW geht davon aus, dass ein erheblicher Anteil des diesjährigen Wachstums auf öffentlichen Konsum und staatliche Investitionen zurückzuführen ist. Auch ifo, RWI, IfW und IWH rechnen mit zusätzlichen konjunkturellen Impulsen durch die expansivere Finanzpolitik.

Damit fällt die Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft 2026 zwar wesentlich günstiger aus als noch vor einigen Monaten. Die Zusammensetzung des Aufschwungs zeigt jedoch, dass die Erholung bislang nicht gleichermaßen von privaten Haushalten und Unternehmen getragen wird. Gerade die privaten Ausrüstungsinvestitionen entwickeln sich weiterhin schwach.

Hohe Preise bremsen den privaten Konsum

Auch beim privaten Verbrauch bleiben die Institute zurückhaltend. Gestiegene Energiepreise belasten die Kaufkraft. Gleichzeitig sorgt die schwache Entwicklung am Arbeitsmarkt für Unsicherheit bei vielen Haushalten. Das ifo Institut erwartet für 2026 eine durchschnittliche Inflationsrate von 2,8 Prozent. Das RWI rechnet mit 2,7 Prozent. Beide Institute sehen auch für 2027 weiterhin erhöhten Preisdruck.

Hinzu kommen Belastungen durch das niedrige Wasser wichtiger Flüsse. Besonders für Unternehmen, die auf Binnenschifffahrt und große Mengen an Rohstoffen angewiesen sind, können eingeschränkte Transportkapazitäten die Kosten erhöhen. Betroffen sind unter anderem Teile der Chemie-, Stahl- und Bauindustrie.

Geopolitische Risiken bleiben erheblich

Ein zentrales Risiko bleibt die Lage im Nahen Osten. Eine erneute Verschärfung des Konflikts könnte Energiepreise und Transportkosten weiter erhöhen und die bisherige Erholung belasten. Auch die Entwicklung der internationalen Nachfrage bleibt für die exportorientierte deutsche Wirtschaft entscheidend.

Daneben verweisen die Institute auf langfristige strukturelle Probleme. Dazu gehören die schwache Investitionstätigkeit, die demografische Entwicklung, hohe Standortkosten und eine nachlassende internationale Wettbewerbsfähigkeit in Teilen der Industrie. Das bessere Konjunkturbild für 2026 bedeutet deshalb nicht automatisch, dass diese Probleme überwunden sind.

2027 dürfte das Wachstum wieder etwas schwächer ausfallen

Die Prognosen zeigen zugleich, dass die Institute für die kommenden Jahre keinen dauerhaft kräftigen Aufschwung erwarten. Für 2027 reichen die Wachstumserwartungen derzeit von 0,8 Prozent beim IWH bis 1,2 Prozent beim ifo Institut. Für 2028 rechnen DIW, RWI, IfW und ifo mit Wachstumsraten zwischen 0,5 und 0,8 Prozent.

Der stärkere Ausblick auf 2026 beruht damit vor allem auf einem unerwartet guten Jahresauftakt, einer robusteren Exportentwicklung und zusätzlichen staatlichen Ausgaben. Ob daraus eine länger anhaltende Erholung entsteht, hängt nach Einschätzung der Forschungsinstitute wesentlich davon ab, ob auch private Investitionen und Konsum wieder stärker zulegen und sich die internationalen Energie- und Handelsrisiken nicht weiter verschärfen.

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