
Im Ukraine-Krieg gibt es neue Signale für eine Wiederaufnahme der direkten Gespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA. Die ukrainische Führung bereitet sich nach Angaben aus dem Präsidentenbüro auf eine mögliche neue Verhandlungsrunde im Oktober vor. Auch Moskau schließt eine Rückkehr zu dem trilateralen Format nicht aus. Einen gemeinsam vereinbarten Termin für neue Ukraine-Friedensgespräche im Oktober gibt es bislang allerdings nicht.
Der neue diplomatische Anlauf folgt auf eine Reise der US-Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner nach Russland und in die Ukraine Anfang September. Beide trafen zunächst den russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau und anschließend den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Kiew. Dabei wurde nach Angaben der Beteiligten ausdrücklich über Möglichkeiten gesprochen, den ins Stocken geratenen Verhandlungsprozess wieder aufzunehmen.
Das bislang deutlichste Signal für einen möglichen Termin kam aus Kiew. Kyrylo Budanow, Leiter des ukrainischen Präsidentenbüros, erklärte am Rande einer Veranstaltung in der ukrainischen Hauptstadt, die Ukraine bereite sich auf Oktober vor. Dabei gehe es um ein trilaterales Format mit der Ukraine, Russland und den Vereinigten Staaten. Einen möglichen Verhandlungsort nannte er nicht.
Damit geht die ukrainische Seite inzwischen über die zuvor allgemein formulierte Bereitschaft zu weiteren Gesprächen hinaus. Selenskyj hatte nach dem Treffen mit Witkoff und Kushner Anfang September erklärt, dass die Wiederaufnahme des Verhandlungsprozesses wichtig sei. Die US-Unterhändler hatten zuvor sowohl mit Putin als auch mit der ukrainischen Führung über ein mögliches Dreiertreffen gesprochen. Selenskyj machte allerdings am 10. September deutlich, dass er vor der für den 20. September geplanten russischen Parlamentswahl nicht mit einer solchen Runde rechne.
Von russischer Seite liegt bislang keine gleichwertige Bestätigung für Verhandlungen im Oktober vor. Der Kreml hat erklärt, dass eine Wiederaufnahme der Gespräche zwischen Russland, der Ukraine und den Vereinigten Staaten nicht ausgeschlossen werde. Zugleich bezeichnete Moskau konkrete Angaben zu Ort und Zeitpunkt als verfrüht.
Damit unterscheiden sich die Signale aus Kiew und Moskau in einem entscheidenden Punkt. Die Ukraine nennt Oktober inzwischen ausdrücklich als Zeitraum für ihre Vorbereitungen. Russland hält die Tür für weitere Gespräche offen, hat sich öffentlich aber noch nicht auf diesen Monat festgelegt. Offiziell bestätigt war zunächst deshalb nur, dass beide Seiten grundsätzlich mit den USA über eine Fortsetzung des diplomatischen Prozesses sprechen.
Die jüngste Initiative wird maßgeblich von Washington vorangetrieben. Witkoff und Kushner trafen Putin am 5. September in Moskau und reisten anschließend weiter nach Kiew, wo sie am 6. September mit Selenskyj und Vertretern europäischer Staaten zusammenkamen. Das Weiße Haus beschreibt die Reise als Teil der Bemühungen, den Dialog über ein Ende des Krieges fortzusetzen.
Bei den Gesprächen in Kiew wurden nach ukrainischen Angaben verschiedene Möglichkeiten für eine Wiederaufnahme der Verhandlungen erörtert. Selenskyj sprach anschließend von neuen Ansätzen der amerikanischen Seite, ohne einen fertigen Friedensplan oder eine politische Einigung bekanntzugeben. Als mögliche Gastgeber weiterer Gespräche waren zuletzt unter anderem die Türkei, die Vereinigten Arabischen Emirate und die Schweiz im Gespräch. Festgelegt wurde ein Veranstaltungsort bislang nicht.
Das trilaterale Format ist nicht neu. Vertreter Russlands, der Ukraine und der USA hatten bereits im Februar 2026 in Genf miteinander verhandelt. Die zweitägigen Gespräche endeten ohne Durchbruch. Zwar kündigten die Delegationen damals weitere Kontakte an, zentrale Konfliktpunkte blieben jedoch ungelöst. Danach geriet der Prozess ins Stocken.
Zu den schwierigsten Fragen gehört weiterhin die territoriale Zukunft der von Russland beanspruchten ukrainischen Gebiete. Besonders umstritten ist der Donbas. Russland verlangt weitreichende territoriale Zugeständnisse, während die ukrainische Regierung diese Forderungen zurückweist. Hinzu kommen Fragen zu Sicherheitsgarantien für die Ukraine, zur militärischen Absicherung eines möglichen Abkommens und zum künftigen Status des von Russland kontrollierten Atomkraftwerks Saporischschja.
Neben einer umfassenden politischen Lösung werden auch begrenztere Vereinbarungen diskutiert. Bei den jüngsten Kontakten spielten unter anderem Angriffe auf Energieanlagen, der Getreidehandel und Gefangenenaustausche eine Rolle. Solche Themen könnten Ansatzpunkte für Vereinbarungen bilden, selbst wenn die grundlegenden territorialen Streitfragen zunächst ungelöst bleiben.
Gleichzeitig gehen die Kampfhandlungen weiter. Damit unterscheiden sich die derzeitigen diplomatischen Signale deutlich von einem vereinbarten Waffenstillstand. Weder Russland noch die Ukraine haben im Zusammenhang mit den möglichen Oktober-Gesprächen eine allgemeine Feuerpause angekündigt. Auch die jüngste Reise der US-Unterhändler führte nicht zu einer umfassenden Einstellung der militärischen Angriffe.
Für die kommenden Wochen zeichnet sich damit eine neue diplomatische Phase ab, ohne dass bereits von einer fest vereinbarten Friedenskonferenz gesprochen werden kann. Die USA versuchen, den seit Monaten stockenden Prozess wieder in Gang zu bringen. Kiew hat seine Bereitschaft zur Teilnahme erklärt und bereitet sich nach eigenen Angaben auf Oktober vor. Moskau signalisiert ebenfalls Gesprächsbereitschaft, hält sich bei Datum und Ort jedoch zurück.
Ob daraus tatsächlich neue trilaterale Verhandlungen entstehen, hängt deshalb noch von weiteren Absprachen zwischen Washington, Moskau und Kiew ab. Ein Treffen im Oktober erscheint nach den jüngsten Aussagen möglich. Eine verbindliche Vereinbarung darüber war bis Sonntag, 13. September 2026, jedoch nicht bekannt.
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