
Senta Berger hat im „Kölner Treff“ ungewöhnlich persönlich über das Älterwerden und die Veränderungen nach dem Tod ihres Mannes Michael Verhoeven gesprochen. In der Jubiläumsausgabe der WDR-Talkshow am Freitagabend beschrieb die 85-Jährige, wie anders sie diese Lebensphase seit dem Verlust ihres langjährigen Partners erlebt. Dabei machte sie zugleich deutlich, dass Momente des Alleinseins nicht ihren gesamten Alltag bestimmen.
Senta Berger im Kölner Treff war Teil einer besonderen Ausgabe zum 50-jährigen Bestehen der Sendung. Gemeinsam mit weiteren Gästen blickte die Schauspielerin auf ihre lange Karriere und auf ihr aktuelles Leben zurück. Auf die Frage, wo sie heute stehe, verwies Berger darauf, dass sie Witwe sei. Dieser Umstand spiele eine wichtige Rolle dafür, wie sie inzwischen über das Alter nachdenke.
Michael Verhoeven starb am 22. April 2024 im Alter von 85 Jahren. Berger und der Regisseur und Produzent waren seit 1966 verheiratet und über Jahrzehnte auch beruflich eng miteinander verbunden. Verhoeven gehörte zu den prägenden deutschen Filmemachern seiner Generation. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen „Die weiße Rose“ und „Das schreckliche Mädchen“.
Im Gespräch im „Kölner Treff“ erklärte Berger, dass ihr das Älterwerden zu Lebzeiten ihres Mannes leichter gefallen sei. Beide hätten auch im Umgang mit dem zunehmenden Alter Humor miteinander geteilt. Seit seinem Tod nehme sie manche Gedanken anders wahr. Sie bezeichnete ihren gegenwärtigen Lebensabschnitt als letztes Kapitel ihres Lebens, ohne daraus eine dramatische Bilanz zu machen.
Berger schilderte auch Momente, in denen ihr das Alleinsein besonders bewusst werde. Manchmal wache sie morgens auf und denke: „Ich bin so alleine“. Gleichzeitig erzählte sie, dass ihre Familie sie aus solchen Momenten wieder in den Alltag hole. Ihre Kinder würden sie beispielsweise dazu bewegen, gemeinsam etwas zu unternehmen. Damit beschrieb sie keine dauerhafte Isolation, sondern wechselnde Erfahrungen zwischen Alleinsein, Familie und einem weiterhin aktiven Leben.
Das Alter habe nicht nur ihre Sicht auf Verlust verändert, sagte Berger. Sie nehme auch Veränderungen an sich selbst wahr. Früher habe sie sich mehr zugetraut und sei extrovertierter gewesen. Heute empfinde sie sich als zurückhaltender. Diese Entwicklung bezeichnete sie im Gespräch ausdrücklich nicht als Krankheit, sondern als Veränderung, die sich im Laufe eines Lebens ergeben könne.
Ihre Aussagen fielen damit deutlich differenzierter aus, als es die einzelne Bemerkung über Einsamkeit vermuten lässt. Berger sprach über Verlust und über die Begrenztheit des Lebens, aber ebenso über Familie, Arbeit und darüber, wie sich Eigenschaften im Alter verändern können. Gerade der Tod ihres Mannes bildet für sie erkennbar einen Einschnitt, wenn sie über diese Lebensphase spricht.
Berger blickt zugleich auf ein beruflich besonderes Jahr zurück. Im Mai feierte sie ihren 85. Geburtstag. Wenige Wochen später erhielt sie beim Deutschen Filmpreis die Lola als beste weibliche Hauptdarstellerin für „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“. In dem Film ihres Sohnes Simon Verhoeven spielt sie die Großmutter Inge. Die Produktion basiert auf dem gleichnamigen autobiografisch geprägten Roman von Joachim Meyerhoff.
Der Film war für Berger auch deshalb besonders, weil sie nach eigenen Angaben zunächst gezögert hatte, die Rolle anzunehmen. Im „Kölner Treff“ erzählte sie, dass Michael Verhoeven sie noch dazu ermutigt habe. Gedreht wurde später unter der Regie ihres Sohnes. Die Auszeichnung beim Deutschen Filmpreis gab diesem späten Abschnitt ihrer jahrzehntelangen Laufbahn zusätzliches Gewicht.
Berger gehört seit den späten 1950er-Jahren zu den bekanntesten deutschsprachigen Schauspielerinnen. Sie arbeitete sowohl in internationalen Produktionen als auch in zahlreichen deutschen Kino- und Fernsehfilmen. Zu ihren besonders bekannten Rollen zählen Auftritte in „Kir Royal“, „Die schnelle Gerdi“ und der langjährigen ZDF-Reihe „Unter Verdacht“. Trotz ihrer prominenten Stellung hat sie sich selbst wiederholt eher als Schauspielerin denn als Star beschrieben.
Im Jubiläums-„Kölner Treff“ stand deshalb weniger eine abschließende Bilanz ihrer Karriere im Mittelpunkt als die Frage, wie sich ein langes Leben verändert, wenn ein Mensch fehlt, der über Jahrzehnte dazugehört hat. Berger sprach dabei offen über Trauer und einzelne Momente von Einsamkeit, ohne ihr gegenwärtiges Leben darauf zu reduzieren.
Auch ihre Aussagen über das Alter blieben persönlich. Sie erhob ihre Erfahrungen nicht zum allgemeinen Urteil darüber, wie Menschen mit Verlust oder dem Älterwerden umgehen. Vielmehr beschrieb sie, was sich für sie selbst verändert hat, seit Michael Verhoeven nicht mehr an ihrer Seite ist. Gerade diese Zurückhaltung macht ihre Äußerungen zu einem seltenen Einblick in eine Lebensphase, über die öffentlich häufig entweder beschönigend oder stark zugespitzt gesprochen wird.
Zwei Jahre nach dem Tod ihres Mannes verbindet sich bei Berger damit vieles gleichzeitig: die Erinnerung an eine jahrzehntelange Partnerschaft, die Erfahrung des Alleinseins, die Nähe ihrer Familie und eine Karriere, die ihr noch mit 85 Jahren eine der wichtigsten deutschen Filmauszeichnungen eingebracht hat.
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