
Im Ringen um die Zukunft von Commerzbank und UniCredit hat Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp erstmals konkreter beschrieben, wie ein Zusammenschluss der beiden Banken strukturiert werden könnte. Eine Möglichkeit wäre demnach, dass die Commerzbank die deutsche UniCredit-Tochter HypoVereinsbank übernimmt. Daneben nannte Orlopp zwei weitere Modelle.
Orlopp äußerte sich am Donnerstag, 24. September 2026, auf der Bank of America Financials CEO Conference. Nach ihren Angaben gehört eine Übernahme der in München ansässigen HypoVereinsbank durch die Commerzbank zu den grundsätzlich denkbaren Varianten.
Die Transaktion könnte über einen Aktientausch erfolgen. UniCredit würde im Gegenzug weitere Commerzbank-Aktien erhalten und damit ihre Beteiligung an dem Frankfurter Institut erhöhen. Eine Entscheidung für dieses Modell ist damit jedoch nicht gefallen.
Die HypoVereinsbank firmiert rechtlich als UniCredit Bank GmbH und gehört seit 2005 zum italienischen UniCredit-Konzern. Sie zählt zu den großen Banken auf dem deutschen Markt und steht insbesondere im Firmenkundengeschäft teilweise in direkter Konkurrenz zur Commerzbank.
Neben einer Übernahme der HVB durch die Commerzbank brachte Orlopp zwei weitere grundsätzliche Wege zur Sprache. Möglich wäre demnach eine direkte Fusion von Commerzbank und UniCredit.
Als dritte Variante könnte UniCredit den verbliebenen Commerzbank-Aktionären ein neues Angebot unterbreiten. Orlopp verwies dabei auf die Möglichkeit eines Angebots mit einer Prämie, mit dem UniCredit seine Beteiligung auf mehr als 90 Prozent erhöhen könnte.
Damit liegen nach Darstellung der Commerzbank-Chefin drei grundsätzliche Strukturen für die weitere Entwicklung auf dem Tisch. Konkrete Vereinbarungen über eines dieser Modelle wurden nicht bekannt.
Orlopp bezeichnete den derzeitigen Stand der Gespräche als eine frühe Phase. Zunächst stehen noch aufsichtsrechtliche Genehmigungen im Zusammenhang mit UniCredits Beteiligung an der Commerzbank aus. Sie rechnet damit, dass entsprechende Entscheidungen bis Ende 2026 oder Anfang 2027 vorliegen könnten.
Gleichzeitig sieht die Commerzbank-Chefin grundsätzlich Möglichkeiten für eine stärkere Zusammenarbeit. Bei Commerzbank und HypoVereinsbank könnten nach ihrer Einschätzung sowohl auf der Ertragsseite als auch bei den Kosten Synergien entstehen. Derzeit bleiben beide Institute jedoch eigenständige Wettbewerber.
UniCredit hatte sein Engagement bei der Commerzbank seit 2024 schrittweise ausgebaut und 2026 ein freiwilliges Übernahmeangebot gestartet. Nach Ablauf der Angebotsfrist teilte die italienische Bank im Juli mit, dass 17,60 Prozent der ausstehenden Commerzbank-Aktien eingereicht worden seien.
Zusammen mit direkt gehaltenen Aktien und weiteren Instrumenten kommt UniCredit nach eigenen Angaben auf eine Position von 47,59 Prozent des Aktienkapitals. Wegen der von der Commerzbank gehaltenen eigenen Aktien entspricht dies rechnerisch 49,65 Prozent der Stimmrechte. Die Übertragung der im Angebot eingereichten Aktien ist allerdings noch an erforderliche regulatorische Genehmigungen gebunden.
UniCredit hat im September bereits weitere gesellschaftsrechtliche Schritte für die Abwicklung des Übernahmeangebots vorbereitet. Der Verwaltungsrat beschloss eine dafür vorgesehene Kapitalerhöhung.
Die nun genannte HVB-Variante unterscheidet sich von der einfachen Vorstellung, dass UniCredit die Commerzbank vollständig übernimmt und anschließend beide deutschen Banken zusammenführt. Stattdessen würde zunächst die Commerzbank die deutsche UniCredit-Tochter übernehmen und UniCredit dafür zusätzliche Commerzbank-Aktien erhalten.
Wie eine solche Konstruktion im Detail aussehen würde, welche Bewertung für die HypoVereinsbank angesetzt werden könnte und welche organisatorischen Folgen sie hätte, ist bislang offen. Festgelegt ist auch nicht, ob am Ende dieses oder eines der beiden anderen Modelle umgesetzt wird.
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