
Der Krankenstand in Westfalen-Lippe ist im ersten Halbjahr 2026 leicht zurückgegangen, bleibt aber auf einem hohen Niveau. Bei den rund 1,1 Millionen erwerbstätigen Versicherten der AOK NordWest lag er bei 7,0 Prozent. Im gleichen Zeitraum 2025 waren es noch 7,2 Prozent – damals ein Rekordwert. Der Krankenstand in Westfalen-Lippe zeigt zugleich eine auffällige Entwicklung: Langzeiterkrankungen machen einen immer größeren Teil der Fehlzeiten aus.
Von Januar bis Juni kamen die Versicherten durchschnittlich auf 12,6 Arbeitsunfähigkeitstage. Ein Jahr zuvor waren es 13,1 Tage. Den höchsten Krankenstand verzeichnete die AOK im Februar mit 8,3 Prozent, gegenüber 9,2 Prozent im Februar 2025.
Besonders deutlich zeigt sich die Belastung bei länger dauernden Erkrankungen. Nur 3,5 Prozent aller Krankheitsfälle entfielen im ersten Halbjahr auf Langzeiterkrankungen, dennoch waren sie für 38,1 Prozent sämtlicher Fehltage verantwortlich. Gemeint sind Erkrankungen mit einer Dauer von mehr als sechs Wochen.
Damit gewinnen diese Ausfälle weiter an Bedeutung. Bereits im Gesamtjahr 2025 waren 37,7 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage in Westfalen-Lippe auf Erkrankungen von mehr als sechs Wochen zurückzuführen.
Die meisten Arbeitsunfähigkeitstage gingen im ersten Halbjahr 2026 auf Muskel- und Skeletterkrankungen zurück. Ihr Anteil lag bei 21,1 Prozent. Dahinter folgten Atemwegserkrankungen mit 13,7 Prozent, psychische Erkrankungen mit 12,7 Prozent und Verletzungen mit 9,8 Prozent. Ein einzelner Krankheitsfall dauerte im Durchschnitt 9,8 Tage – genauso lange wie im Vorjahreszeitraum.
Dabei verschiebt sich das Bild gegenüber 2025. Damals hatten Atemwegserkrankungen im ersten Halbjahr noch 16,8 Prozent der Fehltage verursacht, psychische Erkrankungen dagegen 11,5 Prozent. Bei Muskel- und Skeletterkrankungen waren es 20,3 Prozent.
Nach Angaben der AOK gingen 2026 insbesondere Krankheitsfälle durch Atemwegserkrankungen und Infektionen zurück. Dagegen nahmen Fälle wegen Herz-Kreislauf-, Muskel-Skelett- und psychischen Erkrankungen zu.
Auch zwischen einzelnen Wirtschaftszweigen gibt es deutliche Unterschiede. Den höchsten Krankenstand verzeichnete die AOK im Bereich Energie, Wasser und Entsorgung mit 7,9 Prozent. Im Gesundheits- und Sozialwesen lag er bei 7,7 Prozent.
Deutlich niedriger waren die Werte in der Land- und Forstwirtschaft mit 4,5 Prozent sowie bei Banken und Versicherungen mit 4,6 Prozent.
Im längerfristigen Vergleich sind die Fehlzeiten weiterhin hoch. Zwischen 2018 und 2021 hatte der Krankenstand im jeweiligen ersten Halbjahr in Westfalen-Lippe zwischen 5,6 und 6,3 Prozent gelegen. 2025 wurden dagegen 7,2 Prozent erreicht, 2026 sind es nun 7,0 Prozent.
Diese Entwicklung lässt sich allerdings nicht ohne Einschränkungen mit früheren Jahren vergleichen. Das Wissenschaftliche Institut der AOK weist darauf hin, dass die Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung seit 2022 zu einer vollständigeren Erfassung insbesondere kurzer Krankheitsfälle geführt hat. Ein Teil des statistischen Anstiegs der vergangenen Jahre lässt sich deshalb durch diesen Effekt erklären.
Gerade psychisch bedingte Erkrankungen fallen durch ihre lange Dauer ins Gewicht. Bundesweit waren AOK-versicherte Beschäftigte mit einer psychischen Erkrankung 2025 durchschnittlich 28,5 Tage je Krankheitsfall arbeitsunfähig. Das WIdO sieht psychische Erkrankungen zugleich als wichtigen Treiber für die Zunahme von Langzeitausfällen.






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